Frank Ebert hält nichts von Unkenrufen. "Ich hab' das Jammern echt dicke", sagt der Geschäftsführer von Oberfranken Offensiv und legt gleich nach: "Das wird auch nicht mehr gemacht." Die Franken hätten sich zu einem "Anpackvolk" gewandelt. Und das neue Demografie-Kompetenzzentrum Oberfranken, dessen Träger Eberts Entwicklungsorganisation ist, soll ab heute für noch mehr (Auf-)Schwung sorgen.

Weniger als 0,5 Prozent der Familien lebten heute noch mit drei Generationen unter einem Dach. Auch die Dorfgemeinschaften hätten sich verändert. "Früher waren die Wirtshäuser und der Kirchenbesuch der Klebstoff der Gemeinden", erklärt Ebert. Davon könne heute kaum noch die Rede sein. Angesichts der demografischen Entwicklung - die Menschen werden älter, Jüngere verlassen den ländlichen Raum - brauche es innovative Lösungen. Und diese Geistesblitze müssten verbreitet werden. Genau darin besteht die Aufgabe des neuen Kompetenzzentrums, das seinen Sitz in der Industriestraße hat.


Ein Leuchtturm-Projekt

Für Heimatminister Markus Söder (CSU) ist das Vorhaben "ein innovatives Leuchtturm-Projekt". Ziel ist es, die in der Region vorhandenen Kompetenzen zur Gestaltung des demografischen Wandels zu stärken, die Umsetzung konkreter Projekte in einer älter werdenden Gesellschaft zu unterstützen und dadurch die Schaffung demografiefester Strukturen zu fördern, wie es in einer Pressemitteilung des Ministers heißt.

Innovation, Demografie, Kompetenz, das sind Begriffe, welche gerade in der Politik dieser Tage gerne in den Raum geworfen werden. Aber es sind auch Begriffe, die sehr abstrakt wirken, die es erst mit Leben zu erfüllen gilt. Genau darin sieht Ebert die Rolle des Kompetenzzentrums. Die Einrichtung hat drei Kernaufgaben.

Sie soll konkrete Projekte anstoßen - nicht nur für Kronach, sondern für ganz Oberfranken. Davon können Themen betroffen sein wie Mobilität, Einzelhandel und Nahversorgung, medizinische Versorgung, Bildung, Wohnen und Leerstandsmanagement sowie Arbeitsmarkt. Alles Bereiche, in denen an gleichen Lebensbedingungen im Freistaat gearbeitet wird.


Chancen aufzeigen

"Wir müssen der jungen Generation zeigen, dass die Region Chancen bietet", unterstreicht Ebert, dass etwas Greifbares aus der Arbeit des Zentrums resultieren muss. Der Breitbandausbau ist für ihn dabei ein wichtiger Ansatzpunkt. Genauso werde man sich Gedanken über Telemedizin machen müssen, wenn der Arzt vor Ort fehlt. Es könnte mancherorts beispielsweise Thema sein, einen neuen Dorfmittelpunkt zu schaffen, der durch freies WLAN auch junge Leute anlockt. Gleichzeitig gehe es darum, dass die Älteren Teil der Gemeinschaft bleiben und nicht nur "zweimal am Tag die Pflege kommt, und danach schauen die Senioren nur noch die Wand an".

Das E-Learning steht ebenso auf Eberts Agenda. Zukunftsmusik? Keineswegs, wie er feststellt. "Schauen Sie doch nur die Australier im Outback an. Sagen Sie denen mal, dass sie jeden Tag in die Schule gehen sollen. Aber es klappt bei ihnen mit dem Lernen", nennt er ein Beispiel.

Es gebe zahlreiche Ansatzpunkte - auch bei uns vor Ort. Die infrastrukturell schlecht angebundene, aber sehr engagierte Rennsteigregion gebe viele gute Denkansätze, wie der demografischen Entwicklung Paroli geboten werden kann. Und solche erfolgreichen Konzepte könnten dann auf andere oberfränkische Regionen übertragen werden.

Damit kommt Ebert zu den beiden anderen Stützpfeilern der Arbeit im Kompetenzzentrum: das Erstellen einer Datenbank über alle erfolgversprechenden Projekte und die Präsentation solcher Modelllösungen. Um solche Konzepte ausfindig zu machen, ist sich Ebert auch nicht zu schade, Klinken zu putzen. Bis Ende 2020 sollen zehn Projekte Realität werden, lautet die Zielsetzung.


Lebensbedingungen angleichen

"Wir sind auf einem sehr guten Weg zu gleichwertigen Lebensbedingungen", ist der Geschäftsführer überzeugt. Die neue Einrichtung in Kronach könnte dabei zu einem wertvollen Schrittmacher werden. Denn Ebert betont, dass es keinen Anlass zu Pessimismus gibt, solange sich die Menschen den Herausforderungen stellen. Er betont: "Die Demografie ist die Entwicklung der Gesellschaft, nicht der Untergang der Welt."


Köpfe und Konzepte

Frank Ebert: Geschäftsführer beim Verein Oberfranken Offensiv ist seit dem 1. November 2016 der 44-jährige Frank Ebert. Zuvor war der Kulmbacher in der Medienbranche tätig, unter anderem lange Zeit bei TV Oberfranken. Dort war Ebert Redaktionsleiter.

Oberfranken Offensiv: "Es ist im klassischen Sinne eine Entwicklungsorganisation", beschreibt Frank Ebert Oberfranken Offensiv. In Kooperation mit den verschiedensten Stellen zielt der Verein darauf ab, den oberfränkischen Raum zu entwickeln und voranzubringen. Die 1994 gegründete Entwicklungsagentur umfasst über 300 Mitglieder.

Kompetenzzentrum: Das Demografie-Kompetenzzentrum Oberfranken wird am heutigen Freitag in Kronach seiner Bestimmung übergeben. Untergebracht ist die Einrichtung auf dem Loewe-Gelände (im Internet: www.demografie-oberfranken.de). Die Idee dafür resultierte aus der Kabinettssitzung in Kronach während der Loewe-Krise. Für Ebert "war dieser Tag ein Akzent in der Geschichte Oberfrankens. Da hat man ein Zeichen gesetzt". Die Arbeit des Zentrums fußt auch auf dem Wirken der "Demografie Pilotregion Oberfranken". In Kronach werden zwei wissenschaftliche Mitarbeiterinnen, eine Projektassistenz und regelmäßig Ebert selbst im Kompetenzzentrum tätig sein.