Der Chihuahua-Mix Carlo steht im hoch gewachsenen Gras mitten auf einer Wiese. Als sein Herrchen kommt, bellt er, springt angespannt nach vorne und richtet seinen wachsamen Blick auf eine bestimmte Stelle der Weidefläche. Matthias Fleischmann traut seinen Augen nicht: Mitten in der Wiese ist ein offener Schacht aus dem ihm ein schwarzes Tier mit großen Augen entgegenblickt - ein Retter ist da!

"Carlo und ich waren morgens unterwegs zu den Teichanlagen. Ich habe hobbymäßig Teiche zwischen Fischbach und Grundmühle", schildert Fleischmann die Vorgeschichte dieses ungewöhnlichen Erlebnisses. Weil es beim Zufluss zum Teich Probleme gegeben hatte, wollte er sich mit seinem Vierbeiner vor Ort ein Bild von der Situation machen. Dabei musste er auch an einer Weidefläche entlang, wo sich sonst Freilandrinder in Mutterkuhhaltung aufhalten. Auf circa 35 Tiere schätzt Fleischmann die Herde, die dort zeitweise zu finden ist.

"Ich habe hin und her geschaut. Gott sei Dank, es waren keine Rinder zu sehen", dachte er. "Man weiß ja nie, wie eine Mutterkuh mit ihrem Schutzinstinkt reagiert." So aber konnte er seinen Carlo durch die nähere Umgebung streifen lassen, während er sich an die Arbeit machte.


Carlo kam nicht zurück



"Nach etwa 20 Minuten bemerkte ich, dass mein Hund anfing, zu wuffen und zu knurren", erinnert sich Fleischmann. Selbst auf Zurufe habe Carlo nicht reagiert, obwohl er sonst eigentlich auf Schritt und Tritt bei seinem Herrchen sei. Matthias Fleischmann hatte die Befürchtung, dass die Herde im Anmarsch sein könnte. Also machte er sich sofort auf, um seinen Begleiter zu holen. "Er stand circa zehn Meter abseits und knurrte mit ganz spitzen Ohren einen Hang an, der mit hohem Weidelgras und Unkräutern bewachsen war. Als sich der Hundehalter näherte traute er seinen Augen nicht. Etwa einen Meter vor ihm tat sich ein nicht abgedeckter Schacht mit rund 80 Zentimetern Durchmesser und 1,50 Meter Tiefe auf.

Das Verhalten des Vierbeiners war für ihn ein klares Zeichen: "Mir wurde schnell klar, in dem Schacht musste irgendetwas sein." Am Grund des Schachtes lag ein kleines Kalb, zusammengerollt und hilflos. "Wir informierten sofort den Besitzer, und mit mehreren Helfern konnte das Kalb aus der Notlage befreit werden. "Dem Kalb geht es Gott sei Dank bestens. Es ist wieder bei seiner Familie." Glücklicherweise habe das Tier wohl nur 12 bis 14 Stunden in seinem Gefängnis verbracht.


Gefahrenherd entschärft



Der Besitzer habe Fleischmann dankbar erklärt, dass dem Tier ohne Carlos Spürnase ein qualvolles Ende bevorgestanden hätte. Und der kleine Hund wurde mit viel Lob und vielen Streicheleinheiten belohnt.

Die Gefahrenstelle wurde gleich noch provisorisch abgedeckt und soll nach Rücksprache mit dem Landratsamt bereits in den nächsten Tagen mit einem Betondeckel versehen werden, um weitere Unfälle zu vermeiden.