Seit über zehn Jahren verleiht die Frauenliste Stadt und Landkreis Kronach den "Goldenen Apfel" an Menschen, die Besonderes tun und denen gar nicht bewusst ist, welch große Dinge sie eigentlich leisten. In diesem Jahr wurde diese Ehre Alice Weeke zuteil.

Sie über 30 Jahren setzt sich die Weißenbrunnerin für Asylsuchende ein. Es begann mit indischen Asylanten, die damals in Deutschland Zuflucht suchten und in der Rosenthalvilla Unterkunft hatten, erzählt die 71-Jährige. Sie hatte einfach das Gefühl, helfen zu müssen.

In den folgenden Jahren wurde Alice Weeke zu einer wichtigen Ansprechpartnerin. Sie half den Asylsuchenden unter anderem bei der Bewältigung bürokratischer Hürden, sie ging mit zu den Behörden und Gerichten, sie fuhr die Hilfesuchenden mit ihrem eigenen Pkw zum Einkaufen und zu Ärzten. Sie half bei der Bewältigung des Alltags.

Kreisrätin Maria Gerstner (FL) würdigte dieses Engagement, das mit einem erheblichen zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden ist. Sie wies darauf hin, dass bei all den Hilfeleistungen oftmals sprachliche Barrieren überwunden werden mussten und müssen. Teilweise habe Alice Weeke bei ihrem ehrenamtlichen Engagement für die Flüchtlinge auch traurige Erfahrungen machen müssen, beispielsweise wenn trotz aller Bemühungen diese wieder in ihr Heimatland abgeschoben wurden.

"Wir haben es gut in Deutschland"

"Für mich ist es ein schönes Gefühl, Flüchtlingen zu helfen!", so Alice Weeke. Und: "Ich habe nicht nur gegeben, sondern auch vieles zurückbekommen!" In diesem Zusammenhang spricht sie von Dankbarkeit, Gastfreundschaft, vom Kennenlernen anderer Kulturen. Zudem habe sie von den politischen Zuständen in den jeweiligen Ländern erfahren. Durch ihre Arbeit sei ihr aber auch bewusst geworden, wie "gut wir es in Deutschland haben".

Maria Gerstner appellierte in ihrer Rede an die Bevölkerung, sich für die Flüchtlinge einzusetzen. Sie wisse durchaus, dass es gerade in der heutigen Zeit Mut erfordere, sich für Asylsuchende und ausländische Mitbürger einzusetzen, aber "lasst Euch nicht einschüchtern".

Die Vorsitzende der Frauenliste, Silke Wolf-Mertensmeyer, erinnerte zuvor, dass während der Zeit des Nationalsozialismus auch deutsche Bürger aus ihrer Heimat flüchten mussten. Sie machte deutlich, dass Asylsuchende Menschen sind, die einen Ausweg aus ihrer Not suchen. Die meisten davon seien politischer Verfolgung ausgesetzt, aber auch wirtschaftliche Gründe und Hunger würden manche veranlassen, in der Fremde nach einem besseren Leben zu suchen.

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von Tom Sauer und Maria Fleischmann.