Mit einem breiten Lächeln erzählt Heinz Tischler (64) von Urlaubsreisen, vom Golfen, von seinem Faible für Sprachen und vom Whisky-Tasting bei der Volkshochschule (VHS), das er bis heute noch nicht in seinem Terminplan untergebracht hat. Ihm wird nicht langweilig werden, wenn er sich zum Monatsende in den Ruhestand verabschiedet. Dann endet eine Ära: 30 ½ spannende Jahre lang leitete er die Volkshochschule Kreis Kronach. Ganz wird er sie aber auch künftig nicht aus den Augen verlieren.

Die 30 ½ scheint eine Zahl zu sein, die auf die VHS-Leiter zugeschnitten ist. "Mein Vorgänger, Heinz Stenglein, war genauso lange da", stellt Tischler fest. Das sei ein Alleinstellungsmerkmal der Kronacher VHS. Über 60 Jahre und nur zwei Leiter - außergewöhnlich. Stenglein habe ihm eine gut aufgebaute Volkshochschule übergeben, die er mit Mitte 30 übernommen habe.


Aufenthalt ausgedehnt

Vier oder fünf Jahre Kronach hatte der gebürtige Burglengenfelder eingeplant. "Ich wusste damals, eine weitere Veränderung müsste vor der 40er-Grenze erfolgen", erklärt er. Seine Optionen, zum Beispiel in den großstädtischen Bereich zu wechseln, hat er dann aber ausgeschlagen. "Mir fehlt hier nichts", stellte er im Kreis Kronach schnell fest. Das Umfeld passe im Frankenwald einfach. Kronach ist und bleibt daher seine Wahl-Heimat.

Dass die VHS schon 1955 als eine Landkreis-Volkshochschule eine hauptamtliche Leitung hatte, ist für Tischler ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, auf das er in den Jahrzehnten seiner Tätigkeit aufbauen konnte. 1982 sind dann die ersten Computer auf den Markt gekommen. Damit schlug auch die Stunde des Wahl-Kronachers. "Diese Entwicklung musste begleitet werden", erinnert er sich. Gleiches habe für die zunehmende Ausrichtung auf die Berufsausbildung gegolten. Deshalb sei die Entscheidung über die Einstellung eines neuen Leiters wohl zu seinen Gunsten gefallen. Er war jung und brachte dennoch schon viel Erfahrung mit. "Dann kam die Grenzöffnung", erinnert sich Tischler daran, wie den Volkshochschulen in Saalfeld und Rudolstadt beziehungsweise Pößneck bei den Anpassungen an die Strukturen einer liberalen, offenen Gesellschaft geholfen wurde. Das war keine leichte Aufgabe, da auf dem dortigen Arbeitsmarkt teilweise in Wildwest-Manier verfahren wurde, wie sich Tischler noch gut erinnert. Dennoch gelang es ihm und seinem Team unter anderem, Übungsfirmen in Bad Blankenburg und Ludwigsstadt aufzubauen.

Mitte der 1990er Jahre rückte das Internet mit dem Projekt "Teleservice" an der VHS in den Blickpunkt. Die nachhaltige Arbeit in diesem Bereich fand sogar ministerielle Anerkennung. So wurde eine GmbH aus dem Projekt herausgelöst, die 18 Jahre Bestand hatte und zwischenzeitlich in eine andere Firma integriert wurde. Heute strahlt Tischler bei seinen Erzählungen über diese Zeit. Damals jedoch "habe ich viele Nächte unruhig geschlafen". Für Ausbildung, Übungs- und Livebetrieb sei von 1,1 Millionen Euro an Investitionen gesprochen worden. Ein ganz dicker Brocken für die VHS.


3500 Teilnahmen

"Anfang der 2000er war eine Zeit, in der es weder uns noch der Region gut ging", berichtet Tischler weiter. Fördermittel zur Qualifizierung von Arbeitskräften seien da gerade recht gekommen. Von 2004 bis 2008 seien in dieses Vorhaben rund 540 000 Euro geflossen. "Es war das zweitgrößte Projekt, das in meiner Zeit zu stemmen war. Wir hatten etwa 3500 Teilnahmen in über 140 Einzelmaßnahmen für Beschäftigte aus rund 50 Betrieben", blickt der VHS-Leiter zurück. In diese Phase fielen auch die Internationalisierung der VHS sowie weitere Projekte zur Regionalentwicklung - eines von Tischlers Herzensanliegen. Deshalb mag er auch das Argument nicht gelten lassen, dass er heute teilweise aus der Politik zu hören bekommt: "Ihr werdet immer teurer!" Seine Antwort: "Wir tun auch etwas für die Region!" Und auch für die VHS seien die Ausgaben, zum Beispiel die Miete, über die Jahre gestiegen.

Aktuell hält vor allem das Thema Integration das VHS-Team auf Trab. "Wir sind wohl die Einrichtung, die landkreisweit am meisten in das Thema Zuwanderung eingebunden ist", gibt Tischler zu bedenken. Dabei agiere die Bildungsstätte teilweise sogar landkreisübergreifend für Lichtenfels und Kulmbach mit. Solche Leistungen seien nur durch ein motiviertes und loyales Team zu schaffen, lobt Tischler seine treuen Weggefährten.

Eine große Maßnahme muss er allerdings seiner Nachfolgerin überlassen. Die lange ersehnte Sanierung des VHS-Gebäudes wird vermutlich ab der zweiten Jahreshälfte 2017 von Annegret Kestler betreut. Hierfür kalkuliert er mit etwa zwei bis zweieinhalb Jahren bis zur Fertigstellung. Ganz ausklinken wird sich Tischler aus dem Betrieb aber noch nicht. Er hat Annegret Kestler seine Rückendeckung für die ersten Monate angeboten, denn das Arbeitspensum an der VHS ist gewaltig. Und er will seine Nachfolgerin gut vorbereitet und begleitet in ihre neue Aufgabe ziehen lassen, damit sie vielleicht genauso 30 ½ Jahre Freude daran hat, wie ihre beiden Vorgänger. Denn: "Fast ein Jahrhundert mit drei Leitern - das wäre schon ein Ding!"