Die neue Hack schnitzelheizung biete regenerative Energie und vor allen Dingen auch eine Wertschöpfung, die in der Region bleibt, sagt Rainer Kober von "Steinwiesen aktiv". Das sichere Arbeitsplätze und schone die Umwelt.

Die Kirche "St. Mariae Geburt", das Pfarrhaus, das Pfarrzentrum sowie der Kindergarten St. Marien mit der Kinderkrippe sind die Nutzer dieser Heizungsanlage. Im Zuge der Baumaßnahme musste der Pfarrgarten neu angelegt werden und wird nun auch wieder genutzt, zum Beispiel für das Senioren-Herbstfest.

Nachdem der Wärmeverlust der ölbeheizten Warmluftheizung in der Kirche bereits auf der Zuleitung von der Heizungszentrale bis zur Kirche enorm war, und der Rest durch die nicht isolierte Decke des Gotteshauses sowie durch die feuchten Wände des Chores größten Teils auch noch abfloss, musste eine Lösung gefunden werden. Auch die Heizung im Kindergarten war nicht mehr tragbar, da bereits ein gebrauchter Gaskessel als Notkessel installiert wurde, erläutert Pfarrer Richard F. Reis.

Die dritte Komponente war für das Pfarrhaus und Pfarrzentrum eine Ölheizung und es wurde eine Gesamtlösung für diese drei "Insellösungen" gesucht. "Wir haben eine große Verantwortung auch gegenüber der Schöpfung und mussten deshalb nach alternativen Ideen zu Öl und Gas suchen", verdeutlichte der Geistliche.

"Wir mussten nach alternativen Ideen zu Öl und Gas suchen"

Unterstützung fand die Kirchenstiftung beim Bistum Bamberg. Ein sogenannter "Energiefonds" unterstützt besonders solche umweltfreundlichen und energetischen Vorhaben. Deshalb wurde ziemlich schnell beschlossen, sich auf regenerative Energien einzulassen.

"Doch die genaue Planung und Durchführung war nicht so einfach. Ohne unser Architekturbüro Kersten Schöttner hätten wir es nicht stemmen können. Seine Ideen und Denkansätze sowie seine Ausarbeitung zusammen mit der Firma Gleich Haustechnik und der Firma HDG waren wirklich super", erklärte Pfarrer Reis.

Zuerst galt es die Ursache des Wärmeverlustes zu ergründen. Nicht nur defekte Rohrleitungen sondern auch die fehlende Isolierung des Dachbodens und auch die Beeinträchtigung durch die Fledermauskolonie sorgten für die Feuchtigkeit in den Trägerböden.

Zwei Jahre wurde geplant

Zwei Jahre lang dauerten die Vorplanungen, bis die jetzige Lösung gefunden wurde. Ein neuer "atmender" Putz an der Kirche, Isolierung des Dachbodens und das Integrieren von Pfarrhaus, Pfarrzentrum und Kindergarten sorgen nun dafür, dass das Konzept nach genauen Überlegungen in die Tat ungesetzt und eine der größten Kirchen im Frankenwald nun wieder vernünftig beheizt werden kann.

Es war keine leichte Aufgabe, die Gebäude für die Heizungsanlage und den Hackschnitzelbunker zu erstellen. Grundwasser in einer Tiefe, in der man es noch nicht vermutete, sorgte dafür, dass Stützfundamente und eine zusätzliche Betonwanne gegossen werden mussten, bevor der eigentliche Bunker zum Tragen kam. Deshalb geriet die Konstruktion auch höher vom Boden aus gesehen als ursprünglich geplant.

170 Meter lange Fernheizleitung

Für den Kindergarten wurde eine über 170 Meter lange Fernheizleitung nötig, die entlang der ehemaligen Bahngleise verläuft. Dabei mussten auch die Gleise in aufwendigen Baumeisterarbeiten unterfahren werden. Auch die Kirche ist mit einer Fernleitung versorgt, um die Abstrahlungsverluste so gering wie möglich zu halten.

Als "Notabsicherung" besteht die 2004 erneuerte Ölheizungsanlage des Pfarrhauses, die mit 75 kW und 2000 Litern Öl in zwei neuen Sicherheitstanks die Grundsicherung bei Lieferengpässen oder Reparaturarbeiten gewährleistet.

Bürgermeister Gerhard Wunder hätte es gerne gesehen, wenn sich dieses Projekt viel eher hätte verwirklichen lassen und dann auch noch einige Privathäuser und das Rathaus angeschlossen worden wären. Wichtig sei, dass einheimische Betriebe, wie hier die Firma Schmittdorsch, die Belieferung mit Hackschnitzel durchführten.

Es wäre wünschenswert, wenn noch mehr solche Anlagen im Ortsbereich entstehen würden, denn "wir sind eine Holzregion und die Sicherheit und Nachhaltigkeit dieses Brennstoffes ist noch lange gegeben."

Einen Schritt näher an der Energieautarkie

Für Rainer Kober von "Steinwiesen aktiv" ist der Bau dieses zweiten Nahwärmenetzes in Steinwiesen ein großer Fortschritt auf dem "Steinwiesener Weg", um energieautark zu werden. "Es ist besser, Energie selbst zu erzeugen und die Wertschöpfung in der Region zu behalten, als alles den großen Konzernen zu bezahlen", sagt Kober.

Das Holz quasi vor der Tür lade geradezu ein, mit Hackschnitzeln zu heizen. Kober meinte, dass das Energiesparpotential gerade auch in kleineren Netzen vorhanden sein könne, wie zwei Projekte in Neufang bestätigten.

Die Wärmeerzeuger der Anlage bestehen aus zwei Einheiten mit einer Heizleistung von 100 kW beziehungsweise 200 kW, die über die Steuerung abwechselnd automatisch zu- oder abgeschaltet werden. Ihren Standort haben die Kessel in einer eigens dafür unterirdisch gebauten Heizzentrale, in deren Verlängerung der sechs mal sechs Meter große Hackschnitzelbunker sitzt. Dieser wird über eine Luke oberirdisch befüllt.

Vier Pufferspeicher

Im ehemaligen Öllagerraum des Pfarrhauses wurden vier Pufferspeicher mit jeweils 1000 Liter Fassungsvermögen installiert. Von hier aus werden über elektronische Heizkreispumpen das Pfarrhaus, Pfarrzentrum, Kirche und der Kindergarten mit Wärme versorgt.

Die Gesamtkosten der Anlage liegen bei rund 450 000 Euro. Die Förderung erfolgt hauptsächlich durch das Erzbistum Bamberg mit rund 85 Prozent.

Tag der offene Tür

Die Heizanlage steht beim "Tag der offenen Tür" am Patronatsfest, Sonntag, 7. September, im Mittelpunkt. Das Programm: 8.15 Uhr Kirchenparade ab Gasthof "Goldener Anker"; 8.30 Uhr Festgottesdienst als Hochamt zum Patronatsfest, anschließend Segnung der neuen Heizungsanlage und des Pfarrgartens, Weißwurstfrühschoppen im Pfarrsaal; von 10 Uhr bis 16 Uhr Möglichkeit zur Besichtigung der Heizungs- und Gartenanlagen mit Führung.