In der Lucas-Cranach-Schule entsteht gerade eine Miniaturwelt. Das Kleingelände aus Gips, Moos, Bäumen, Straßen und Schienen wächst stetig an. Immer wieder werden neue Teilstücke erschlossen und mit Gebäuden versehen - mit einer Kirche, kleinen und größeren Fachwerkhäusern und auch einem großen Bahnhof, in den ein Zug einfährt. Die Voraussetzungen dafür, dass aus dem kleinen Städtchen eine große Stadt entstehen kann, sind gut. So hatte die Lucas-Cranach-Schule vor geraumer Zeit eine "Werkstatt Modelleisenbahn" gewonnen. Alleine fehlte bislang die Zeit fürs Aufbauen und auch ein wenig das Know-How. Das sollte sich nun ändern, waren bei den Projekttagen am Donnerstag und Freitag viele fleißige Hände bei der Arbeit.

Darunter sind keinesfalls nur Jungs, sondern auch Mädchen - wie Amélie aus der 3 a. Sie baut mit weiteren jungen Modellbauern einen Bahnsteig. Vor sich ein detaillierter Plan, mit dem das Mädchen die notwendigen Bauteile sucht. Die sind so klein, dass es einem schon vom Zuschauen schwindlig wird. "Eine ruhige Hand braucht man schon dafür. Zapplig darf man nicht sein", meint die Drittklässlerin schmunzelnd, als sie ganz vorsichtig die Teile mit einem Bastelmesser loslöst. Sie überlegt, tüftelt ein wenig herum, dann greift sie zum Kleber und befestigt das Bauteil. Was so einfach aussieht, bedarf einiges an Geschicklichkeit und Fingerspitzengefühlt. "Ich bin gut in Werken. Mir macht das Spaß. Außerdem helfen uns die Großen dabei. Alleine könnten wir das nicht machen", zeigt sie sich sicher. Die Großen - das sind Fünft, Siebt- und Achtklässler des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums (KZG), die sich für dieses Projekt eingetragen hatten.

Schulübergreifende Kooperation t

"Es gab am KZG viele interessante Projekte zur Auswahl. Aber keines was so schnell belegt wie dieses. Das hätte ich nicht gedacht", meint Oberstudienrätin Friederike Breitenbach vom KZG. Sie ist mit Grundschullehrerin Claudia Nüchterlein, die am KZG Lotsin ist und dort ihre Kooperationsstunden leistet, für das gemeinsame Projekt verantwortlich. Dabei handelt es sich nicht um die erste schulübergreifende Zusammenarbeit. So besteht beispielsweise schon seit mehreren Jahren eine Lesepatenschaft, bei der Lesepaten aus den fünften Klassen mit Erstklässlern der Grundschule wöchentlich spielerisch Lesen üben. Amélie gefällt die Kooperation: "Die Großen sind sehr nett. Sie helfen, wenn ich mal etwas nicht kann."

Die Grundschüler zeigen viel handwerkliches Geschick, finden die Gymnasiasten - auch Sebastian aus der siebten und Niklas aus der achten Klasse. Beide machen mit, weil ihnen Modellbauen Spaß macht. Mit den "Kleinen" kommen sie gut klar. "Natürlich können die Grundschüler das Zusammenbauen noch nicht so gut. Es ist aber nicht schlimm, wenn nicht alles so perfekt ist. Dafür hat man es ja selber gemacht", meinen sie.

Dass die Lucas-Cranach-Schule die Miniaturwelt überhaupt ihr Eigen nennen darf, verdankt sie ihrer Teilnahme an einer bundesweiten Aktion unter dem Motto "Spielen macht Schule", der Initiative des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen und des "Mehr Zeit für Kinder e.V." in Frankfurt. Mit dem Konzept für die "Werkstatt Modelleisenbahn" hat die Schule eine Produktausstattung von Herstellern wie Auhagen, Busch, Faller sowie Märklin gewonnen - ein toller Gewinn, bei dem die Schüler ihre Kreativität und ihr Basteltalent beweisen können, findet Rektorin Anita Neder. Die Modelleisenbahn soll in den Schulalltag integriert werden.

"Unsere Ganztagsklassen können am Nachmittag damit spielen oder auch die Kinder im Vorkurs Deutsch und im Förderunterricht Deutsch für sprachlich benachteiligte Kinder", sagt Neder. Zudem kann sie sich vorstellen, eine "Arbeitsgemeinschaft Modelleisenbahn" einzurichten oder von und mit Eltern gestaltete Nachmittage zum Auf- und Umbauen der Eisenbahn anzuberaumen. Auch die Mittagsbetreuung könne dieses Angebot nutzen. Zudem könne sie im. Im Heimat- und Sachunterricht sowie im Rahmen von Projektwochen könne die Modelleisenbahn zu speziellen Themen eingesetzt werden.

Im Fachunterricht Werken/Textiles Gestalten könnten die Bausätze laut Neder gefertigt und die Landschaften gestaltet werden. Dies fördere den Umgang mit Werkzeugen und besonderen Materialien sowie die feinmotorische Entwicklung.

Die Eisenbahn konnte zwar nicht an zwei Tagen aufgebaut werden. Vielleicht erfährt das Projekt aber bei den nächsten Projekttagen eine Fortsetzung. Schließlich ist eine Modelleisenbahn, das wissen die Modellbauer, niemals ganz fertig.