Keine 24 Stunden nachdem am Montag die Nachricht von der Freigabe für die Ortsumgehung Zeyern auf vielen Seiten große Freude auslöste, herrscht nun vor allem bei den CSU-Mandatsträgern blankes Entsetzen. Der Grund: Die Grundstücksverhandlungen sind noch nicht abgeschlossen.

"Bis heute früh um 6.20 Uhr war ich sehr zufrieden", erinnert sich MdL Jürgen Baumgärtner (CSU) an die frühen Stunden des Dienstags. Dann hat er aus der Zeitung erfahren, dass es beim Grunderwerb Probleme gibt, Eigentümer aktuell nicht bereit sind, ihre Flächen zu verkaufen. "Das trifft uns mit voller Wucht", ärgert sich Baumgärtner, bei dem am Dienstag das Telefon nicht still stand. Immer wieder riefen politische Weggefährten an und wollten wissen, warum eine Maßnahme grünes Licht erhält, obwohl es noch Probleme gibt.

Baumgärtner beteuert, davon nichts gewusst zu haben und zeigt sich selbstkritisch: "Ich hätte mich nicht auf die Aussagen anderer verlassen dürfen und hätte es besser prüfen müssen." Dennoch gibt er zu bedenken, dass die Umgehung nicht einfach so vom Himmel gefallen sei. "Das müsste alles schon fertig sein."


Grunderwerb schnell abschließen

Baumgärtner hat die Befürchtung, die Umgehung könnte jetzt wieder wackeln. Umso wichtiger sei es nun, den Grunderwerb schnellstmöglich abzuschließen. Von einer Enteignung hält der Abgeordnete überhaupt nichts. Das müsse die Ultima Ratio sein. Damit es mit dem Grunderwerb vorangeht, will er Landrat Oswald Marr (SPD) - er war gestern für uns nicht erreichbar - einschalten: "Er hat viel Erfahrung, eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung und ist ein verlässlicher Partner", hofft Baumgärtner, dass mit Marr ein schneller Fortschritt erzielt werden kann. "Wir müssen jetzt zügig vorankommen und gegebenenfalls dort anfangen zu bauen, wo wir die Möglichkeit haben."

Auch MdB Hans Michelbach ist verärgert über die überraschende Meldung von den nicht abgeschlossenen Grundstücksverhandlungen. "Wir sind deshalb auf Platz eins gesetzt, weil wir signalisiert haben, dass alles in Butter ist", betont er. Dadurch habe man circa 250 andere Maßnahmen ausgestochen, darunter 30 bis 40 Ortsumgehungen. Michelbach vermutet, beim jetzt vorliegenden Sachstand wäre wahrscheinlich ein anderes Projekt bevorzugt worden. "Das ist meiner Glaubwürdigkeit nicht dienlich", stellt der Abgeordnete fest.
Jetzt müsse das Staatliche Bauamt seinen Job erledigen, spricht er eine klare Forderung aus. "Es kann nicht sein, dass man uns sagt, wir wollen anfangen, aber das Geld fehlt. Jetzt ist das Geld da, und man hat seine Hausaufgaben nicht gemacht."

Ob die "Sternstunde" vom Montag angesichts der neuen Entwicklung abgehakt werden muss, darüber mag Michelbach nicht spekulieren. Es gehe jetzt darum, schnellstmöglich mit den Leuten vor Ort zu reden, Tauschmöglichkeiten für die benötigten Grundstücke aufzuzeigen und auf das Gemeinwohl hinzuweisen, um bald einen Konsens in den umstrittenen Fällen zu erzielen. "Es würde niemand verstehen, wenn das Vorhaben jetzt ins Hintertreffen geriete", meint Michelbach.


Leistungen nicht schmälern

Ebenso wie der Bundestagsabgeordnete ist auch der Marktrodacher Bürgermeister Norbert Gräbner (SPD) bereit, hierfür selbst in die Gespräche einzugreifen. "Die beiden Abgeordneten haben Großartiges geleistet. Sie sollten das nun nicht schmälern lassen", betont er. Dass zu diesem Zeitpunkt noch nicht alles in trockenen Tüchern sei, sei bei Grundstücksverhandlungen ganz normal. "Es schreit ja nicht jeder gleich hurra - noch dazu, wenn einer keinen Vorteil von dem Vorhaben hat." Das Ansehen der Abgeordneten werde durch die jetzige Situation nicht beschädigt, ist er überzeugt, weil das was gerade passiere, "das ganz normale Geschäft ist".

Erbengemeinschaften, eine Vielzahl kleiner Grundstücke - der Grunderwerb in Franken sei oftmals nicht einfach, spricht Gräbner aus langjähriger Erfahrung. Bei den strittigen Flächen, die er kennt, geht er davon aus, dass es zu 99 Prozent gütliche Lösungen geben wird. Man müsse die Sache nur mit Geduld und etwas Diskretion angehen. Ein Aufbauschen des Themas hält er hingegen für kontraproduktiv. "Das Baurecht ist jetzt das Wichtigste", so Gräbner. "Und ich denke, das Staatliche Bauamt zieht den Grunderwerb nun gar konsequent durch. Das verzögert das Verfahren nicht."


Dringlichkeit dokumentieren

Erich Beck vom Staatlichen Bauamt Bamberg sieht das auf unsere Nachfrage ähnlich: "Ich sehe keinen Grund, jetzt auf das Projekt zu verzichten. Ganz im Gegenteil." Durch die Sicherung der Finanzierung habe das Amt nun erst die Möglichkeit, auch in den schwierigen Fällen zu handeln. Um beispielsweise Zwangsmaßnahmen androhen zu können, müsse man die Dringlichkeit dokumentieren. Und diese hänge von zwei Faktoren ab. "Die Verhandlungen müssen gescheitert sein und ich brauche die Haushaltsmittel - die muss ich nachweisen können." Das sei nun möglich. Insgesamt hofft er aber darauf, dass man die noch fehlenden Grundstücke möglichst auf dem Weg der Einigung bekommen kann.

Dass der Grunderwerb noch nicht abgeschlossen ist, sich gerade in unserer Region oft schwierig gestaltet und daher auch seine Zeit braucht, ist für Beck normal. Deshalb widerspricht er Michelbachs Ansicht: "Ich meine, das Amt hat seine Hausaufgaben gemacht."