Viel Betrieb war auf der Festwiese am Montagnachmittag nicht, auch der Leserstammtisch unserer Zeitung fiel leider buchstäblich ins Wasser. Aber dafür hatten wir Gelegenheit, einige Geheimnisse aufzudecken. Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (Freie Wähler) zeigte beispielsweise private Urlaubsfotos. Kurz vor dem Freischießen kam er erst aus seinem Mallorca-Urlaub zurück. Das Wetter dort? Ähnlich dem, das bis vor wenigen Tagen auch hier herrschte.

Abkühlung bekam allerdings nicht nur er gestern auf der Hofwiese.


Spannende Geschichten

Auch Uli Noll, Studioleiterin von Radio Eins, ist während der Woche jeden Nachmittag vor Ort. Mit ihrem kleinen Radiostudio auf der Festwiese sendet sie regelmäßige Updates und freut sich über viele spannende Geschichten: "Man ist nah an den Hintergrundgeschichten dran", erzählt Uli Noll, während sie von ihrem Stammplatz vor dem Schützenhaus das feierliche Treiben beobachtet.

Der Gedanke hinter der Live-Sendung vor Ort sei ganz einfach: "Es ist als Appetizer für den Abend gedacht. Wir wollen die Leute animieren, zum Freischießen zu gehen und dabei über viele schöne Geschichten berichten", freut sich die Studioleiterin über ihre Arbeit: "Es gibt schlimmere Arbeitsaufträge. Es macht mir viel Spaß." Und Uli Noll ist nicht nur On-Air vom Freischießen begeistert: "Das Kronacher Schützenfest ist mit Abstand das schönste Volksfest weit und breit." Eine Herausforderung für die Studioleiterin sei allerdings der viele Trubel um sie herum: "Man muss die Musik des Orchesters ausblenden. Das ist oft gar nicht so einfach."


Nur ein Punkt

Auch die traditionelle Sitzung des Kronacher Stadtrats am Freischießen-Montag fiel heuer ins Wasser. Aber nicht wegen des Regens, sondern mangels Tagesordnung. Wegen nur eines Punktes mochte man nicht im Sitzungssaal des Rathauses tagen und verschob das Beisammensein - dann allerdings geselliger Art - auf die Hofwiese. Das gefiel dem Gremium rundum und alle waren guter Dinge.

Heinz Hausmann (CSU) war als Stadtrat zum 44. Mal dabei. Er erinnerte, dass früher eine Info-Fahrt durch die Stadt vor dem Freischießen-Besuch stattgefunden habe. "Das war immer sehr schön!" Zu Manfred Raums Zeiten als Bürgermeister sei eingeführt worden, dass einige Tagesordnungspunkte in einer Sitzung behandelt worden seien. "Die jungen Kollegen haben sich hervorragend eingefunden. Das ist mir als alter sehr recht", lobte Hausmann.


Das Klima im Stadtrat passt

Angela Hofmann (CSU) gefällt es besonders gut, "dass wir im Stadtrat trotz unterschiedlicher Ansichten immer wieder zusammenfinden. Vom Menschlichen her und vom Klima passt es. Deshalb sind heute auch so viele Kollegen gekommen."

Hans Simon (SPD) fand es sehr gut, sich außerhalb des Tagesgeschäfts in gemütlicher Runde zu treffen.
Angela Degen-Madaus (Frauenliste) hält es für sehr wichtig, dass man sich auch außerhalb der Dienstzeiten persönlich miteinander unterhalten kann. Man wolle einfach nur Spaß miteinander haben. "Der Ernst des Lebens holt uns noch früh genug wieder ein. Prost!"


Zwischenbilanz des Schatzmeisters

Nach dem ersten Schützenfest-Wochenende schaut Matthias Steller, Schatzmeister der Schützengesellschaft Kronach, positiv der restlichen Festwoche entgegen. "Am Freitag und Samstag lief der Bierverkauf richtig gut", berichtet Matthias Steller freudig über den guten Getränkekonsum der Festbesucher und bedauert, dass er aber leider noch keine Zahlen nennen könne.

Nicht so begeistert ist der Schatzmeister allerdings vom regnerischen Wetter: "Viele Schausteller jammern deswegen und haben Bedenken", versteht Steller und erklärt, dass beispielsweise am Sonntagabend die Hofwiese wie leer gefegt gewesen sei: "Wenn es permanent regnet, ist es für das Fest schon schädlich." Zuversichtlich hofft der Schatzmeister auf besseres Wetter: "Ab Mittwoch soll es wieder besser werden."

Das hofft auch Platzmeister Charly Wittig. Immerhin seien wegen des Regens am Sonntag und Montag den Schaustellern bereits zwei eigentlich gute Tage weggefallen. Für das Feuerwerk sei das Wetter derzeit aber besser als Trockenheit. "Nur nebelig darf's nicht werden", so Wittig. 25 Grad wäre seine Wunschtemperatur für die verbleibenden Tage. Insbesondere für den heutigen Kinderfestzug hofft er, dass der Regen ausbleibt.


Heeresmusikkorps kommt gut an

Das Militärmusikkorps Neubrandenburg gastiert heuer erstmals im Kronacher Musikpavillon: "Wir haben einen super Fang gemacht. Die Auswahl an Liedern kann man fast nicht mehr überbieten", lobt Karlheinz Schäck zufrieden die exzellenten Musiker.

Seit 20 Jahren kümmert er sich mit Herzblut ehrenamtlich um die Musikkorps: Ich bin dafür verantwortlich, dass sich die Musiker in Kronach rundum wohlfühlen", sagt der 64-Jährige und stellt fachkundig fest, dass die Militärmusik ein echter Besuchermagnet ist. "Es ist ein guter Gegenpol zur Partymusik in den Festhallen. Vor dem Pavillon versammeln sich immer viele Menschen", erzählt Schäck und betont noch einmal das grandiose Programm des Militärkorps: "Da kann sich keiner beschweren." Sein persönliches Highlight war am Sonntagabend das Medley "Deep Purple": "Das war klasse!"


Auch Senioren haben ihren Spaß

Nicht nur für Jung, sondern auch für Alt ist das Schützenfest jedes Jahr ein besonderes Highlight: Die Bewohner der Demenzabteilung des Kronacher BRK-Altenheims kommen traditionell jedes Jahr zum Seniorentag auf die Festwiese. Betreuerin Marina Zwingmann erklärt, dass für demente Personen der "Augenblick zählt" und die Betreuer ihr ganzes Herzblut in die Ermöglichung des Nachmittags stecken. Denn der Besuch sei für alle Bewohner besonders wichtig, da durch die Gerüche, Geschmäcke und Geräusche beim Fest die Erinnerungen der Senioren an alte Zeiten geweckt werden und ihnen die Eindrücke Erinnerung an früher Erlebtes schenken. Jedes Jahr aufs Neue werden die Betreuerinnen und Betreuer sowie der Heimleiter Harald Schuberth vor eine "logistische Herausforderung" gestellt, da von den fast 70 Senioren einige im Rollstuhl sitzen und nur schwer die Festwiese erreichen können.