Am 24. November 1989 öffnete sich der Eiserne Vorhang zwischen Burggrub und Neuhaus-Schierschnitz. Damals für beide Gemeinden, die 40 Jahre getrennt waren, ein unvorstellbares Ereignis. Über 2000 Menschen jubelten.

Spontan gründete sich in Burggrub ein Kapellenbauverein. Innerhalb von drei Jahren entstand am einstigen Stacheldraht durch private Initiative die erste deutsche Grenz- und Friedenskapelle. Seit dieser Zeit ist dieses Bauwerk ein markantes Zeichen für Versöhnung und Dankbarkeit, dass die Wiedervereinigung ohne Blutvergießen erfolgte.

An dieser Kapelle fand am Montagabend eine Gedenkfeier statt, zu der die Kirchengemeinden und Kommunen von Stockheim und Neuhaus-Schierschnitz eingeladen hatten.

Mittlerweile hat dieses Treffen Tradition. Bereits am Sonntag, 10. Dezember 1989, fand ein erster gemeinsamer Gottesdienst statt. Weitere Fackelzüge mit Friedensandachten folgten. Nach 25 Jahren sorgten an der Kapelle Hunderte von Fackeln und Lichtern zu abendlicher Stunde bei Musik, Gebet und Gesang für eine feierliche, nachdenkliche Stimmung.

Mit Glockenklang eröffnete der Vorsitzende des Kapellenbauvereins Burggrub, Willi Bischoff, die Feierstunde, die musikalisch umrahmt wurde von der Bläsergruppe des Musikvereins Neuhaus-Schierschnitz.

Die Geistlichen Michael Foltin (Burggrub) und Christian Weigel (Neuhaus-Schierschnitz) sowie Pater Waldemar (Glosberg) dankten Gott für das großartige Friedensgeschenk. Nur durch einen starken Glauben sei es zum Fall der Mauer gekommen. Gerade diese Kapelle, die am einstigen Grenzverlauf die Menschen aus Bayern und Thüringen wieder auf Augenhöhe verbinde, sei ein markantes Zeichen für eine friedliche Welt.

Wie Stockheims Bürgermeister Rainer Detsch ausführte, habe die innerdeutsche Grenzöffnung zwischen Burggrub und Neuhaus-Schierschnitz eine bis dahin nicht vorstellbare Euphorie ausgelöst. "Heute vor 25 Jahren gehörten wir wohl zum glücklichsten Volk der Welt und das Wort des Monats und des gesamten darauffolgenden Jahres lautete Wahnsinn. Es brach eine riesige Welle der Freude und der Solidarität los."

Für die Jungen sei, was man euphorisch gefeiert habe, schon längst Normalität geworden. Wir sind ein Volk und darauf könne man stolz sein. "Wählen wir also heute aus, wählen wir die schönen Momente aus unserer Erinnerung, die großen Gefühle, die riesige Freude und die große Verbundenheit. Lassen wir uns weiter tragen von den schönen Erinnerungen und freuen wir uns über das, was in 25 Jahren bewegt wurde. Und bleiben wir ein Volk - eine große starke Gemeinschaft", so abschließend Stockheims Bürgermeister Rainer Detsch.

Sehr emotional ging Bürgermeister Andreas Meusel aus Neuhaus-Schierschnitz auf die schlimme Zeit vor dem Mauerfall ein. Damals hätten viele nicht verstanden, warum durch eine brutale Grenze Deutsche von Deutschen getrennt wurden.

Andreas Meusel: "Erst viel später ist mir bewusst geworden, wie der Staat über uns wachte, mit welcher Willkür er über Menschen entschied und wie er mit Herzlosigkeit in das Leben vieler Familien eingriff. Ich bewundere noch heute die Menschen, die mit Mut und Geschlossenheit gegen dieses Regime öffentlich protestierten und dafür ins Gefängnis mussten."

Die Grenzöffnung Neuhaus-Schierschnitz-Burggrub sei ein Symbol für die Einheit Deutschlands. Sie stehe für die Einigkeit, für die Menschenrechte und für die Freiheit aller Menschen. Landtagsabgeordnete Beate Meißner und Landrätin Christine Zitzmann nahmen ebenfalls an der Feier teil. Anschließend - zogen die Teilnehmer mit ihren Laternen und Lichtern zum Sportheim des 1. FC Burggrub.