Nach vier Verhandlungstagen und 48 Zeugenbefragungen ging am Dienstag der Prozess am Landgericht Coburg gegen einen 61 Jahre alten Mann zu Ende, der im Frankenwald über Jahre hinweg Anleger betrogen hat.

Fünf Jahre Haft lautet das Urteil der Kammer. Sie folgte in ihrer Begründung dem Staatsanwalt und seinen Ausführungen. "Früher waren Banker noch die ehrlichen Leute", sagte Richter Gerhard Amend. Für die Menschen in seiner Gegend sei der Angeklagte ein Ehrenmann, sogar ein Biedermann gewesen, deshalb waren sie sich auch sicher, dass er das Geld anlegt. "Sie haben ihm alle blind vertraut!" Nur so sei es möglich gewesen, dass man ihm Geld gegeben, nicht nach Kontoauszügen oder nach der Bank gefragt habe. Der 61 Jahre alte Mann habe von dem gelebt, was die Leute gegeben hätten, weil er in den vergangenen Jahren nichts mehr gearbeitet habe, war das Gericht überzeugt.


Hohn und Verachtung

"Ob er jetzt noch Geld in der Schweiz hat oder nicht, können wir nicht feststellen. Aber er war von Anfang an nicht bereit, das Geld zurückzugeben. Als einer der Zeugen im Rollstuhl hier hereinfuhr, der bei ihm all sein Geld, das er als Abfindung bekommen hatte, bei ihm angelegt hatte, hätte er Reue zeigen müssen", so Richter Amend, "aber dem sagte er: ,Du bekommst Dein Geld schon‘". Daraus sprächen Hohn, Verachtung und Skrupellosigkeit des Angeklagten, mit den Menschen umzugehen, die ihm vertraut hatten. Das sei der Beweis, dass er zu keinem Zeitpunkt das Geld anlegen oder zurückgeben wollte. Mit dubiosen Geschichten habe sich der Angeklagte selbst entlarvt.

Staatsanwalt Christoph Gillot sah Betrug in 257 Fällen. "Wollen wir hier der Wahrheit die Ehre geben", begann er sein Plädoyer. Für ihn gab es während der Hauptverhandlung zwei Geschichten des Mannes: Der Angeklagte wollte sich selbst als Ehrenmann darstellen, der für andere Menschen das Geld angelegt habe und nun im Verzug sei, die Gelder wieder auszuzahlen. Die Anklage und Beweisführung jedoch erzähle die Geschichte eines Betrügers, der das Geld veruntreute und nicht zurückgeben könne, weil er das Gesicht des Ehrenmannes nicht verlieren wolle. Insgesamt waren über drei Millionen Euro an den ehemaligen Banker geflossen. Die Summe von knapp 1,6 Millionen Euro liegt der Anklageschrift als Betrugssumme zugrunde. Der Rest ist verjährt, 240.000 Euro hatte der Mann an Anleger zurückgezahlt.


In wirtschaftliche Not gebracht

Für den Staatsanwalt stand fest, dass sich die 41 vernommenen Geschädigten alle schon sehr irren müssten, würden die Geschichten des Angeklagten stimmen. Für Gillot hat der Angeklagte nicht nur einfachen Betrug begangen. Das gewerbsmäßige Handeln und das Handeln gegen eine große Anzahl von Personen verschärften die Anklage noch. Zudem habe der Mann durch seinen Betrug andere Menschen in eine wirtschaftliche Not gebracht. Gillot listete noch einmal einige der Schicksale auf, die während der Hauptverhandlung zur Sprache kamen. " Er hat Vertrauen missbraucht und steht nicht zu seinen Taten", sagte der Staatsanwalt und forderte fünf Jahre und sechs Monte Haft.

Verteidiger Georg Karl, Regensburg, übte zunächst einmal Kritik an den Medien, die durch die Berichterstattung ein bestimmtes Bild vom Angeklagten aufgezeichnet hätten. "Es stimmt nicht, dass der Angeklagte ein ausschweifendes Leben geführt hat, die Pferdezucht findet in einem ganz bescheidenen Rahmen statt. Das sind nur ein paar ,Pferderl‘ auf einer Wiese", erklärte er. Die Kammer solle sich nicht von derartigen Dingen beeinflussen lassen. Man befinde sich im Schuldstrafrecht und da müsse man sich sehr intensiv die Frage nach dem "Warum" stellen. Karl fehlten "griffige Spuren". Er sei überzeugt, was sein Mandant sage, stimme, nämlich, dass die Anleger ihre Gelder irgendwann zurückbekämen. "Wohin ist denn das Geld gekommen?" Man müsse seinem Mandanten solange glauben, bis bewiesen sei, dass das Geld tatsächlich nicht mehr existiere und für Luxusgüter ausgegeben sei. Bis dorthin müsse man davon ausgehen, dass es sich dort befinde, wo sein Mandant sage, nämlich sicher auf Schweizer Konten.

Karl hinterfragte auch noch einmal die Intention der Anleger. "Wenn mir einer ein geliehenes Buch nicht zurückgibt, dann leihe ich ihm kein zweites oder drittes", sagte er, " die Leute haben dem 61-Jährigen aber viel Geld gegeben." Diese hohen Beträge könnten ihnen doch nicht Wurst gewesen sein. "Alle haben meinem Mandanten vertraut und das über Jahre, weshalb sollten sie das tun, wenn er nicht seriös wäre?" Verteidiger Karl vermutete, dass es sich bei manchen Anlagen vielleicht doch um Schwarzgelder handelte oder zumindest Gelder im Graubereich. Zuletzt meinte er: "Ich möchte es gar nicht sagen, aber die Anleger waren eben doch total doof!" Dies sei dann allenfalls strafmildernd und nicht verschärfend. Karl forderte ein korrektes und angemessenes Urteil.
Der Angeklagte beteuerte , dass er nicht betrogen habe. "Ich kann dem Staatsanwalt in keinem Satz zustimmen", sagte er, "wenn man mich verurteilt, ist das zu Unrecht". Er bereue es, seine Kunden nicht beruhigt haben zu können und entschuldigte sich dafür. "Wenn man mich verurteilt, dann müssen die Leute halt warten, bis ich wieder tätig werden kann!"

"Es ist eine faule und dreckige Lüge, dass Sie nicht sagen können, wo das Geld ist, dass muss man hier auch sagen", schloss Richter Gerhard Amend die Sitzung.