Eine Kasse aus den 70-er Jahren und zahlreiche Urkunden an den Wänden erinnern im Friseursalon Edith Wunder an ihre über 50-jährige Berufstätigkeit und an die lange Tradition ihres Unternehmens.
Viele Menschen haben über all die Jahre auf den Stühlen in ihrem Friseurgeschäft Platz genommen. Sie sind Teil der Erinnerung an ein Leben, das Edith Wunder dem Handwerk des Frisierens gewidmet hat. Eine alte, traditionsreiche Tätigkeit, die für Edith Wunder nichts mit schnellem Schnibbeln zu Schnäppchenpreisen zu tun hat.
Mittlerweile hat die 64-Jährige ihr Geschäft an ihre Nachfolgerin übergeben. Dennoch ist sie nahezu täglich noch im Einsatz, um ihre Kunden zu verschönern. Noch bis zu den nächsten Wahlen im Jahre 2016 will sie Obermeisterin der Friseurinnung im Landkreis Kronach und stellvertretende Kreishandwerksmeisterin bleiben. "Dann müssen aber Junge ran!"
Während sie spricht und auf die Entwicklungen in der Branche eingeht, merkt man, ihr Beruf bedeutet ihr viel. Ursprünglich sollte sie den elterlichen Bauernhof übernehmen, erklärt sie mit einem verschmitzten Lächeln. Eines Tages sei eine Bekannte gekommen und meinte, sie habe eine Lehrstelle für sie. "So bin ich zum Friseurberuf gekommen". Gleich habe sie festgestellt, dass ihr der Beruf viel Freude bereitet, sie ihre Kreativität entfalten kann.
Schnell merkte sie auch, dass Haareschneiden Vertrauenssache ist, das in ihrem Beruf auch Diskretion gefragt ist und es vor allem auch darauf ankommt, sich durch Qualität und persönliche Zuwendung von anderen abzuheben. Und dass die Bereitschaft zur Weiterbildung vorhanden sein muss. In diesem Zusammenhang spricht sie von wandelnden Ansprüchen der Kunden, von wechselnden Modetrends. In den 70-er Jahren seien die Frisuren eher streng, in den 80-er und 90-er Jahre sei die Dauerwelle der absolute Renner gewesen. Seit einigen Jahren seien nun verstärkt Strähnen und Farben gefragt.
Sorgen um das Friseurhandwerk macht sich die Obermeisterin nicht. "Einen schönen Kopf und schöne Haare wollen alle!"

Schule ist jetzt in Coburg

Dennoch sei nicht zu verleugnen, dass ihre Branche mit einigen Herausforderungen zu kämpfen hat. In diesem Zusammenhang spricht sie vom Nachwuchs. Die demografische Entwicklung macht auch vor dem Friseurhandwerk nicht Halt.
Hinzu kommt, dass die Beschulung der Friseure im vergangenen Jahr aufgrund zu niedriger Schülerzahlen nach Coburg verlegt wurde. Dort finden auch die überbetrieblichen Schulungen statt. Für viele Lehrlinge bedeute das mehr Strapazen bei der Bewältigung des Schulweges.
Weitere Herausforderungen seien, dass für die Eröffnung eines eigenen Geschäftes kein Meisterbrief mehr notwendig ist. Das hat zur Folge, dass viele Friseur-Einzelbetriebe entstehen. Diese Unternehmer dürfen - außer es besteht eine Sondergenehmigung seitens der Handwerkskammer - auch keine Lehrlinge ausbilden. "Und das bereitet uns Sorge!"

Schwarzarbeit ist ein Problem

Edith Wunder hält diese Änderung in der Handwerksordnung für falsch. Sie spricht von einem Nachteil gegenüber den Friseuren, die immerhin rund 6000 Euro in den Meisterbrief investiert haben. Und auch zu kämpfen habe die Branche weiterhin mit Schwarzarbeit.

Unterstützung und Kontakte

Diese Herausforderungen werden in den zweimal im Jahr stattfindenden Mitgliederversammlungen angesprochen. Rund 50 Friseurbetriebe sind im Landkreis Kronach in der Friseurinnung integriert. Insgesamt, so Wunder, gibt es circa 80 Geschäfte.
Edith Wunder hält die Kreishandwerkerschaft und die Friseurinnung für wichtige Einrichtungen. Zum einen erhält man Unterstützung, wenn es um die Bewältigung von bürokratischen Hürden geht, zum anderen werden auch Verbindungen und Kontakte innerhalb der Branche aufrecht erhalten.