Es ist ein ergreifender Moment: Der Zweite Vorsitzende der Lebenshilfe Kronach, Christian Behner, und Manfred Döring enthüllen das neue Namensschild am Eingang der Förderschule. Das "Private Förderzentrum, Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, der Lebenshilfe Kronach" wird zur "Petra-Döring-Schule". Dies geschieht zu Ehren dieser besonderen Frau - ein "Sonnenschein", wie Sonderschulrektorin Marion Schönborn sie nennt. Und auch Dörings Eltern werden auf diesem Weg geehrt.


Das Warten hat ein Ende

"Endlich ist es soweit, die Schule bekommt einen Namen", freute sich Schönborn am Samstag in ihrer Ansprache. Viele Gäste hatten sich hierzu eingefunden. Den Gedanken eines eigenen, persönlichen Namens für die Schule habe man schon lange mit sich herumgetragen. Man sei aber nie auf einen grünen Zweig gekommen. Erst habe man sie Renate-Döring-Schule nennen wollen, was aber von dieser abgelehnt worden sei, weil sie mit der Gründung der Schule nicht so viel zu tun gehabt habe - wohl aber ihre Tochter Petra. Leider starb Petra Döring nach schwerer Krankheit im Mai 2014, so dass die endgültige Entscheidung erst nach ihrem Tod erfolgte.
Ohne Petra Döring, die am 13. Juli 1964 mit Down-Syndrom geboren worden war, wären alle Gäste an diesem Tag nicht an dieser Stelle gewesen, wie Schönborn feststellte. Sie ergänzte: "Vielleicht hätte es die Lebenshilfe nicht gegeben, ganz sicher aber nicht in dieser Form." Die Entscheidung sei allen leicht gefallen, Petra Dörings Namen für die 1971 gegründete Schule zu wählen, welche Petra selbst von 1972 bis 1984 besucht hatte.

Sie ist eine gute Schülerin gewesen, freundlich, höflich, gewandt und interessiert an naturkundlichen Fächern. Ihre Mitmenschen haben sie als ruhigen, liebenswürdigen Menschen geschätzt, der Musik und Tanz geliebt hat - die "Kids vom Ring" ebenso wie Karel Gott. Petra Döring hat selbst Musik gemacht, Keyboard gespielt und sie ist gerne gereist.

"Am wichtigsten war das Einverständnis der Eltern", so Schönborn. Renate Döring, die leider diesen Tag nicht mehr miterleben durfte, habe in ihrem Leben hochrangige Auszeichnungen erhalten. Diese alle hätten ihr aber, wie sie kurz vor ihrem Tod geäußert habe, nicht so viel bedeutet wie die Namensgebung "Petra-Döring-Schule".
Die Festrede hielt Regierungsschuldirektorin Luzia Scherr von der Regierung von Oberfranken. Die Einschulung von Petra Döring und aller anderen Kinder 1972 in eine - so die damals offizielle Bezeichnung - "Sonderschule G" sei alles andere als selbstverständlich gewesen. Vielmehr habe es zuvor großer Kraftanstrengungen sowie eines unermüdlichen Engagements bedurft - allen voran der Familie Döring.


Veränderungen im System

In den vergangenen 44 Jahren hat sich im Förderschulwesen einiges verändert. Die derzeitige Inklusions-Diskussion wird Scherrs Meinung nach sehr ideologisch und einseitig geführt. "Gibt es Inklusion erst seit 2009? Was war bislang mit der Sonderschulpädagogik?", fragte sie. Es widerspreche dem Inklusionsgedanken, wenn Förderzentren im Kreis der Schule nicht wahrgenommen oder als Restschulart angesehen würden. "Wir haben doch gerade in der Gründerzeit dafür gekämpft, dass es diese Form gibt - zur Teilhabe und Inklusion!", betonte sie. Es gehe darum, die der Schule anvertrauten Kinder für ihr Leben fit zu machen. Man solle ihre Stärken, Fähigkeiten und Ressourcen fördern und mithelfen, dass sich aus ihnen stabile Persönlichkeiten und glückliche Menschen entwickeln. Es gehe um passgenaue, individuelle, fachliche und spezifische Förderung und Bildung, auf die sie ein Recht hätten.

Leider müssten sich die Förderschulen oft den Vorwurf gefallen lassen, dass sie die Schüler separierten und nicht in die Gesellschaft integrierten. Wer diese Auffassung vertrete, habe die Profession nicht verstanden. Eine Förderschule habe ihre Daseinsberechtigung auch ohne Namensgebung. Aber der Name sei der I-Punkt und ehre in diesem Fall den Einsatz der Familie Döring, der stets zutiefst auf Inklusion ausgerichtet gewesen sei.


Grußworte voller Anerkennung

Der stellvertretende Landrat, Gerhard Wunder, sprach der Schule wie auch der Familie Döring die Wertschätzung des Landkreises aus. Die Lebenshilfe sei das Lebenswerk insbesondere von Renate Döring, die stets aktiv eingegriffen habe und mit gutem Beispiel vorangegangen sei.

Stellvertretende Bürgermeisterin Angela Hofmann hat Petra Döring als liebenswürdige und lebensfrohe Frau in Erinnerung. Sie habe getanzt und gesungen und sei eine Bereicherung für alle Menschen gewesen. "Ihre Lebensenergie gab ihren Eltern Kraft, das fast Unmögliche zu schaffen", meinte Hofmann. Die Familie Döring sei zugleich auch ein leuchtendes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement.

Laut der Elternbeirats-Vorsitzenden Christine Eichhorn gingen die Kinder sehr gerne zur Schule. Sie erhielten dort eine optimale Förderung. Dafür dankte sie den Verantwortlichen. Für die schwungvolle, musikalische Umrahmung der Feier sorgten die "Kids vom Ring".