Für Regisseurin Anja Dechant-Sundby ist ganz klar: "Bei Naturstätten steht der Ort im Vordergrund." Bei den Rosenberg-Festspielen führt daher aus ihrer Sicht kein Weg daran vorbei, dass die Festungsbastion für "Mirandolina" ihre volle Wirkung entfalten muss. "Es ist toll hier. Ich bin schon gespannt, wie es aussieht, wenn die Tribünen stehen", sagt sie.

Ihre Hauptdarstellerin, Susanne Rösch, sieht das genauso: "Es ist sehr beeindruckend und malerisch hier, mit der Festung im Hintergrund."

Wie die gebürtige Weismainerin Dechant-Sundby angesichts der gerade beginnenden Festspiel-Proben erklärt, versucht sie, ihre Ideen für das Stück aus dem Raum heraus zu greifen. Sie möchte das Ambiente der Spielstätte keinesfalls mit aufgesetzten Vorstellungen zupflastern. "Auch die Entscheidung, das Stück in seiner Zeit zu belassen, wurde sicherlich durch den Ort mit beeinflusst", erklärt sie ihre Gedanken bei der Bearbeitung von "Mirandolina".


Schauspieltruppe harmoniert untereinander

Nach ihren ersten Eindrücken in Kronach gefragt, stellt die Regisseurin fest, dass nicht nur die Umgebung auf der Festung für das Freilichttheater perfekt wirkt und die Zusammenarbeit mit der Stadt sowie dem Tourismusbetrieb vorbildlich funktioniert, sondern dass auch die ganze Schauspieltruppe charakterlich gut zu harmonieren scheint. Susanne Rösch wirft mit einem spitzbübischen Lächeln ein: "Und das, obwohl man ja die Katze im Sack gekauft hat." Damit spielt die 32-Jährige aus Hannover darauf an, dass das Ensemble nach der Neuausrichtung der Festspiele zügig zusammengestellt werden musste und längst nicht jeder jeden Kollegen vorab schon kannte.

Mit den Proben für "Mirandolina" geht es zunächst noch langsam los. Da die beiden anderen Stücke, "Das Wirtshaus im Spessart" (Premiere am 28. Juni) und "Das Dschungelbuch" (Premiere am 9. Juli) deutlich früher starten, stehen sie auch bei der Vorbereitung erst einmal im Mittelpunkt. Dennoch geht Anja Dechant-Sundby davon aus, dass die Schauspieler so gut mit ihrer Energie haushalten werden, dass sie auch "Mirandolina" (Premiere am 26. Juli) noch mit voller Schaffenskraft präsentieren können.


Sehr textlastige Rolle

"Ich bekomme es schon hin, dass ich nicht zwischen den Stücken springe", stellt Susanne Rösch fest. Die 32-Jährige ist überzeugt davon, nicht plötzlich als Wirtin Mirandolina in die Rolle einer Spessart-Wirtin zu wechseln. Die mimt sie nämlich im "Wirtshaus im Spessart".

Sich in Mirandolina hineinzufinden, sei allerdings anspruchsvoll. "Die Rolle ist sehr textlastig", erklärt Rösch. "Und es ist fast schon ein klassischer Text. Der ist nicht so leicht zu lernen." Doch sie ist zuversichtlich und möchte ihrer Figur auch ganz persönliche Züge verleihen.


Darsteller bringen eigene Ideen ein

Damit stößt sie bei der Regisseurin auf offene Ohren. Dass die Darsteller nicht nur den Text pauken, sondern auch eigene Ideen einbringen, erhofft sich Anja Dechant-Sundby sehr. "Jeder Regisseur tickt da anders", erklärt sie zur Vorgehensweise bei der Gestaltung einer Aufführung. "Ich selbst habe oft schon vor den Proben ein klares Bild im Kopf. Das ist für mich wie ein Sicherheitsnetz." Dennoch sei sie stets offen für Anregungen, die sich im Zusammenwirken mit dem Ensemble ergeben. "Man befruchtet sich gegenseitig. Und so ein Stück lebt vom Einfluss vieler."

Diesen Teamgeist erlebe sie schon seit ihrem ersten Besuch in Kronach. Man spüre regelrecht, dass die Stadt mit ihrem ganzen Willen hinter ihrem Theater stehe und es wieder ein Stück weiter nach vorne bringen wolle. Deshalb steht für die Regisseurin fest: "Hier sind alle ein Team, auf der Festung ist es wunderschön - ich wüsste nicht, was da daneben gehen sollte."