Einen wahren Schatz halten die Mitglieder der Geologisch-Heimatkundlichen-Arbeitsgemeinschaft (GHAG) Ludwigsstadt in den Händen. "Heute schließt sich ein Kreis", sagt Kreisheimatpfleger Siegfried Scheidig, "das Schiefermuseum ist wieder um ein Stück Kulturgeschichte reicher geworden."
Er spricht über die Architekturzeichnungen des Bauhausarchitekten Alfred Arndt. Dieser hatte in den 1920er Jahren stanniolverzierte Gebäude der Region um Ludwigsstadt und Probstzella gezeichnet. Die Zeichnungen sind so detailliert, dass sie einem Foto gleich kommen. Neben den genauen Ansichten gibt es Detailzeichnungen von besonderen Schieferdeckungen und den darauf zu findenden Verzierungen mit Zinnfolie (Stanniolmalerei). Diese Art der Hausschmückung gab es nur im Gebiet rund um das thüringisch-fränkische Schiefergebirge. Dazu erstellten Schieferdecker die Zinnornamente mit Hilfe von Vorlagen während der Wintermonate. Später wurden die Ornamente dann auf die Wandschiefer mit Leinölfirnis "aufgeklebt". Die silbern glänzenden Verzierungen blieben über Jahrzehnte erhalten, teilweise finden sich Reste dieses Stanniols noch heute an alten Schieferwänden (zum Beispiel beim Zeyerner Schiefergiebel, der im Schiefermuseum Ludwigsstadt wieder aufgebaut wurde und bereits im Jahr 1673 mit der Technik der Stanniolmalerei verziert wurde).
Arndt war so fasziniert von der Schönheit dieser Häuser, dass er selbst bei Schnee und Frost draußen vor den Schiefergebäuden saß und diese abzeichnete. Sein Sohn Hugo Arndt erinnert sich: "Wir haben ihm damals immer warmes Wasser gebracht, das brauchte er, damit seine Pinsel nicht während des Malens einfroren."


Ein Glücksfall

Seit mehr als 17 Jahren hängen einige dieser kulturhistorisch wertvollen Zeichnungen als Kopien im Schiefermuseum Ludwigsstadt. Diese wurden in den 1990er Jahren von Alfred Arndts Tochter Alexandra Bormann-Arndt an Kreisheimatpfleger Siegfried Scheidig und Martin Weber übergeben, als diese in Darmstadt zu einem Besuch bei den Arndts waren.
Arndts Sohn Hugo war es nun, der im vergangenen Herbst Kontakt mit dem Schiefermuseum Ludwigsstadt aufnahm. Seine Schwester Alexandra Bormann-Arndt hatte über die Jahre in Darmstadt ein umfangreiches Privatarchiv zu den Arbeiten ihrer Eltern aufgebaut. Nachdem sie im Dezember 2015 verstarb, löst ihr Bruder Hugo Arndt dieses Archiv jetzt auf und gibt die bauhausrelevanten Stücke Arndts an das Bauhausarchiv in Berlin und ans Bauhaus in Dessau ab.
Dass nun nach so vielen Jahren diese Zeichnungen und weitere Originale dem Schiefermuseum als Dauerleihgabe angeboten wurden, ist ein wahrer Glücksfall und zeugt vom hohen Ansehen, das das Ludwigsstädter Schiefermuseum überall genießt.
Freundschaftlich und heiter ging es zu bei der Übergabe der Originale im Schiefermuseum. Hugo Arndt erzählte von seinen Erinnerungen an seinen Vater. Den Anlass der Bilderübergabe nutzten er und seine Frau für ein paar Urlaubstage in der Region, um damit auf den Spuren seines Vaters, des Bauhausarchitekten Alfred Arndt, zu wandeln. Dazu gehörte neben dem Haus des Volkes in Probstzella natürlich auch eine Rundfahrt zu den noch vorhandenen Gebäuden, die sein Vater einst bei Wind und Wetter zeichnete.