Während die Schüler der Fachoberschule am Rennsteig derzeit die Prüfungen fürs Fachabitur absolvieren, kämpft die Schule um die staatliche Anerkennung.

Bereits im Mai fanden die schriftlichen Prüfungen in den Hauptfächern Deutsch, Mathematik, Englisch statt. Weiterhin wurden Physik in der Fachrichtung Technik sowie Betriebswirtschaftslehre im kaufmännischen Zweig geprüft. Abgeschlossen wurden zudem am Montag die mündlichen Prüfungen in den Hauptfächern.

Zu den Ergebnissen wollten sich der Schulleiter der FOS am Rennsteig, Hubert Sendl, sein Kollege Anton Staudigl sowie dessen Stellvertreterin Ulrike Reichert von der Fachoberschule Coburg noch nicht äußern. Die staatliche FOS Coburg ist deshalb beteiligt, weil unter ihrer Federführung die Prüfungen an der FOS am Rennsteig durchgeführt werden. Dies wiederum ist wegen der staatlichen Anerkennung des Fachabiturs erforderlich. Die Schulleiter weisen darauf hin, dass es bei den bisherigen Prüfungsfragen keinen Unterschied zu einer staatlichen FOS gab.

Während die bisherigen schriftlichen Prüfungen in Ludwigsstadt gemeistert werden mussten, müssen die nächsten in Coburg absolviert werden. Als externe Bewerber müssen die FOS-Schüler vom Rennsteig mehr Prüfungen ablegen, da - im Gegensatz zu Fachoberschülern einer staatlichen Einrichtung - alle Leistungen während des Schuljahres keine Berücksichtigung finden. Dabei, so Staudigl, ist Sozialkunde für alle "Externen" verpflichtend. Darüber hinaus haben die Bewerber drei weitere Pflichtfächer der jeweiligen Ausbildungsrichtung zu wählen. Dies können Fächer wie Geschichte, Ethik, Technologie, Chemie, Rechtslehre, Wirtschaftsinformatik sein.

Staudigl betonte, dass auch die staatliche Fachoberschule im vorab keine konkreten Aussagen bezüglich der Prüfungsfragen machen könne, da die Briefumschläge mit den Prüfungen aus München am Prüfungstag erst ab 6 Uhr geöffnet werden dürfen. Wie Ulrike Reichert betont, stand das Zeitfenster für die Prüfungstermine seit April fest. Das Fachabi hat generell ein FOS-Schüler nicht erreicht, wenn er zwei Fünfer beziehungsweise einen Sechser im Prüfungszeugnis hat.

Schlechte Note ausgleichen

Ulrike Reichert weist darauf hin, dass man eine schlechte Note in den Prüfungshauptfächern nur mit einer mündlichen Prüfung in den Hauptfächern ausgleichen könne. Es sei nicht möglich, beispielsweise eine schlechte Note im Fach Deutsch mit einer mündlichen Note im Zusatzfach "Geschichte" auszugleichen.

20 Schüler der FOS am Rennsteig nehmen in diesem Jahr an den Prüfungen teil. Eine Erfolgsquote von zwei Dritteln in zwei aufeinander folgenden Jahren ist notwendig, um die angestrebte staatliche Anerkennung zu erhalten. Das Kultusministerium geht in der Bewertung aber vom Stichtag im Oktober 2014 aus. Damals wurden 23 Schüler angemeldet. Das bedeutet, das in diesem Jahr 15 Schüler die Prüfungen mit Erfolg abschließen müssen. Sollte dies gelingen, müsste die erforderliche Quote auch im kommenden Schuljahr erzielt werden, um frühestens zum Schuljahr 2016/2017 die staatliche Anerkennung zu erreichen.

Im ersten Schuljahr der privaten FOS am Rennsteig (2013/2014) hatten nur fünf von 16 Schülern die Prüfung bestanden. Dieses Jahr fließt also nicht in die Bewertung ein. Bezüglich der Bekanntgabe der Ergebnisse wollen die Verantwortlichen bis Abschluss sämtlicher Prüfungen, also bis Anfang Juli, warten. Die staatliche Anerkennung ist deshalb so wichtig, weil bis dahin die Schule von Wirtschaftsunternehmen in der Rennsteig-Region sowie vom Landkreis finanziell unterstützt wird. Der Landkreis hatte indes bereits angekündigt, diese Beihilfe nicht dauerhaft fortsetzen zu wollen. Alleine der Landkreis hat dieses Projekt bis 2014 mit 300 000 Euro unterstützt. Für 2015 und 2016 wurden jeweils weitere 50 000 Euro zugesichert.

Für den Projektleiter, den Ludwigsstädter Bürgermeister Timo Ehrhardt, steht allerdings fest, dass es wegen den Finanzmitteln keinen Zweifel am Fortbestand dieser für den Norden des Frankenwaldes wichtigen Bildungseinrichtung geben wird. Wichtig seien die Schüler. Und er weist darauf hin, dass die Verantwortlichen der FOS am Rennsteig (Träger Sabel, Schulleiter und auch die Projektgruppe) permanent daran arbeiten, besser zu werden. "Der Landkreis hat bis zum Schuljahr 2016/2017 die finanzielle Unterstützung zugesagt", betont Ehrhardt.
Sollte jedoch die erforderliche Zwei-Drittel-Quote in den beiden Abschlussjahrgängen bis 2017 nicht erreicht werden, dürfte sich eine intensive Diskussion um den Fortbestand der Schule anschließen.