Hubert Sendl leitet seit September die im Sommer 2014 in die Schlagzeilen gekommene private Fachoberschule. Der 65-Jährige könnte eigentlich seinen Ruhestand in seinem Heimatort in Oberbayern genießen. Stattdessen ist für ihn jeden Montag die Nacht um 3 Uhr zu Ende. Eine Stunde später befindet er sich bereits auf dem Weg nach Ludwigsstadt.

Hoffnung, Bangen, ein gewisser Druck, aber auch pure Entschlossenheit sind seinem Gesichtsausdruck und seiner Stimme zu entnehmen, wenn er spricht. Man merkt, mittlerweile ist die FOS am Rennsteig auch seine Schule geworden.

Ans Herz gewachsen

Diese müsse erhalten bleiben, betont er während des Gesprächs mehrmals und weist diesbezüglich auf die Bedeutung dieser Bildungseinrichtung für die Rennsteig-Region, für die ansässigen Betriebe und für die Menschen der Region hin. Ihm könnte es eigentlich egal sein, doch mittlerweile sei ihm die Region ein Stück weit ans Herz gewachsen. Hubert Sendl spricht von einem besonderen Reiz und schwärmt von den Lauensteiner Pralinen und den Partnern der FOS. "Die Stimmung mit denen ist gut, die Diskussionen sind konstruktiv und lebhaft". Fragt man Sendl nach seinem Verhältnis zu seinen FOS-Schülern, so schmunzelt er. "Ich werde manchmal als streng und durchgreifend definiert."

Hubert Sendl hat eine schwierige Aufgabe zu meistern. Mindestens zwei Drittel der Schüler müssen das Fachabitur bestehen, damit die FOS am Rennsteig ab den Jahren 2016/2017 die staatliche Anerkennung erhält und somit auch vom Staat finanziert wird. Es geht aber nicht nur ums Geld, sondern auch um das Image dieser langersehnten Bildungseinrichtung.

Und da beginnt schon die erste Hürde. Denn maßgebend für die Quote ist der Stichtag der Anmeldung - und das war der 20. Oktober 2014. Damals waren es 23 Schüler. Mittlerweile hat sich diese Zahl um drei reduziert. Weiteren drei Schülern, so Sendl, werde er nahe legen, aufgrund der vorhandenen Leistungen nicht zum Fachabitur anzutreten. Ob diese allerdings seinem Rat folgen werden, sei fraglich. In diesem Zusammenhang erinnert er daran, dass auch im vergangenen Jahr sein Vorgänger sechs von den insgesamt 16 Fachabitur absolventen davon abgeraten habe, an den Prüfungen teilzunehmen.

Sendl spricht von einem großen Stoffpensum in der zwölften Klasse. Die Schulleitung habe nicht zuletzt deshalb in den Hauptfächern pro Woche jeweils eine zusätzliche Pflichtstunde angesetzt.
Bei den Zwölftklässlern finden zudem jeden Samstag und auch während der Ferien zusätzliche Unterrichtseinheiten statt, in denen sich ausschließlich mit dem Prüfungsstoff auseinander gesetzt wird. Leider habe Sendl feststellen müssen, dass gerade schwächere Schüler diese zusätzlichen Lernangebote nicht annehmen. Enttäuschung ist aus seiner Stimme zu hören, wenn er davon spricht, dass manche Schüler immer noch nicht kapiert haben, dass ein erfolgreiches Fachabitur auch Lernen am Abend und an den Wochenenden erfordert.

Kein Geschenk

Michael Herler und Isabell Zipfel sind sich durchaus bewusst, dass man ein Fachabitur auch an einer privaten Fachoberschule nicht geschenkt bekommt. Sie sind beide gute Schüler und sehen auch den Fachabiturprüfungen gelassen entgegen. Dass Hubert Sendl mitunter Strenge zeigt und zu Leistungen auffordert, bezeichnen beide als positiv. "Wir sind freiwillig hier", sagt Michael Herler. "Die meisten wollen nach dem Fachabitur ein Studium in Angriff nehmen, und da muss noch mehr gelernt werden."
Während es für Michael Herler langsam ernst wird, besucht Isabell Zipfel die elfte Klasse. Für die 17-Jährige steht fest: "Wer ein Fachabitur will, der muss auch bereit sein zu lernen."

Wohnortnahe Beschulung

Für beide Jugendliche hat die FOS am Rennsteig eine besondere Bedeutung. Es sind zum einen die Kontakte zu den Unternehmen, zum anderen ist es die wohnortnahe Beschulung. "Ich komme von Förtschendorf und brauche zehn Minuten bis nach Ludwigsstadt", erklärt Herler. "Das ist ein großer Vorteil." Beide räumen ein, nach den Negativschlagzeilen des Öfteren auf die FOS am Rennsteig angesprochen worden zu sein. Aber für beide sei von Anfang klar gewesen, dass Schulleitung und Lehrer zwar einiges in der Hand haben, aber es letztendlich auch immer auf den einzelnen Schüler ankomme.

Die beiden Schüler fühlen sich jedenfalls in Ludwigsstadt gut aufgehoben. Sie wissen, die Schulleitung steht in Kontakt mit den Eltern, Projektleitern und auch mit der FOS in Coburg, die - ebenso wie in 2014 - die Fachabiturprüfungen durchführen wird.

Zuversichtlich ist auch der Vorsitzende des Rennsteigvereins im Frankenwald, Wolfgang Feuerpfeil. Es hört sich an wie eine Beschwörung, wenn er sagt, die FOS am Rennsteig wird auch in Zukunft Bestand haben. "Wir in der Region, wir brauchen diese Schule."