Felix Boxdörfer und Tobias Zahner stehen inmitten einer großen "Naschmeile". Um sie herum befinden sich die verschiedensten Obstbäume - allerdings noch im Klein-Format. Interessiert lesen sie, was auf dem "Steckbrief" eines von ihnen gepflanzten Kirschbaums geschrieben steht. Einige Jahre wird es mit Sicherheit noch dauern, bis dieser erste Früchte trägt. Dann werden die beiden Neuntklässler nicht mehr in der Küpser Schule sein, sondern schon lange einem Beruf nachgehen. Trotzdem waren sie voll dabei, als es galt, auf dem Schulgrundstück auf einer vier Meter breiten und 75 Meter langen Fläche heimische Beerensträucher sowie Spindel- beziehungsweise Buschbäume anzupflanzen.
"Unsere Lehrerin Monika Kraß kam auf die Idee mit der Naschstraße", erzählen Felix und Tobias, die beide aus Küps kommen. Obwohl sich ihre ganze Klasse an dem Projekt beteiligte - ihre Teilnahme also nicht freiwillig war - und sie wissen, dass erst die jüngeren Jahrgangsstufen die leckeren Früchte ernten werden, haben sie gerne mitgeholfen. "Frisches Obst vom Baum oder Strauch mag jeder. Es ist schön, wenn sich die Schüler in ein paar Jahren daran bedienen können. Und gesund ist es sowieso", meint Felix. Bis die "Naschstraße" fertig war, habe es allerdings viel zu tun gegeben. "Wir haben einen Pflanzplan erstellt und passende Pflanzen ausgesucht. Sie durften nicht zu groß sein und mussten zum Boden passen. Dann haben wir die Bäume und Sträucher bestellt und sie alle an einem Tag eingepflanzt", erinnert sich Tobias. Dafür habe man große Pflanzgruben gegraben, die Wurzelballen in die Pflanzlöcher gehoben, die Bäume ausgerichtet, sie mit Boden verfüllt, angetreten und sie mit einen Eimer voll Wasser gewässert. Anschließend wurde Rindenmulch verteilt. Auch die Randgitter wurden von den Neuntklässlern selbst gemacht. Betreut werden die Pflanzen von der AG Schulgarten und den Schulklassen selbst.

Ideen sind gesprudelt

"Wir wollten schon länger unser Schul-Leben durch verschiedene Maßnahmen bereichern, konnten diese aber wegen finanzieller Engpässe nicht durchführen", so Rektorin Silvia Krüger, die beim Surfen im Internet auf das Projekt "Futurino" aufmerksam wurde. In der Förderlehrerin und Leiterin der AGSchulgarten, Monika Graß, fand sie die "perfekte" Ansprechpartnerin, die sofort für die Teilnahme am Projekt "gebrannt" habe. Bei einem Rundgang seien dann die Ideen nur so gesprudelt.
Dass man mit der kalkulierten Gesamtsumme, stolze 6500 Euro, bedacht werde, habe man aber nicht gedacht. Damit kann man nun alle Ideen verwirklichen. Dazu zählt ein Barfuß-Fühlbereich um den großen Eichenbaum, den die Schüler zwischen den Schulstunden "erlaufen" dürfen, ebenso wie die Anlage einer Feuerstelle, umrahmt von Sandsteinen als Sitzgelegenheit, sowie ein "Klassenzimmer im Grünen". Eine großräumige, muschelförmige, Schatten spendende "Hülle" aus geflochtenen Weidenruten soll diesen Traum wahr werden lassen. Weiter möchte man eine Blumen- und Wildkräuterwiese sowie einer Naturhecke anlegen. "Jedes noch so gut ausgearbeitete Arbeitsblatt und alle Möglichkeiten moderner Medien können eine reale Begegnung nicht ersetzen. Nur draußen kann man die Natur mit allen Sinnen erfahren, auf Entdeckungstour gehen und die Schönheit und Vergänglichkeit verinnerlichen", zeigt sich die Förderlehrerin sicher.
Schulleiterin bedankte sich bei Henkel-Mitarbeiter Georg Hattel und Bürgermeister Herbert Schneider für die Unterstützung durch den Bauhof. Dieser würdigte seinerseits das Engagement der Schule, die ihren Schülern Natur-Oasen schaffe. Dass sich Henkel dafür einsetze, sei "phänomenal".
Ob Tobias und Felix und ihre Kollegen ganze Arbeit geleistet haben, wird sich in ein paar Jahren zeigen, wenn der Kirschbaum hoffentlich Früchte trägt und sie vielleicht einmal zu leckeren Kirschkuchen eingeladen werden.