Es ist mitten in der Nacht, als Antje Löhlein aus dem Schlaf erwacht. Sie nimmt Geräusche in ihrer Wohnung wahr. Sie vermutet, dass ihr Sohn heimgekommen ist. Sicherheitshalber schaut sie nach. Plötzlich steht die Dörfleserin einem Wildfremden in den eigenen vier Wänden gegenüber. Der Eindringling ergreift die Flucht. Antje Löhlein kommt mit dem Schrecken davon. Der sitzt allerdings noch tief. Nicht nur bei ihr.

"Es ist wirklich so, dass wir uns alle drei seitdem schlecht fühlen", erzählt die Dörfleserin zwei Tage nach der unheimlichen Begegnung über sich und ihre beiden 17-jährigen Kinder. Sie habe den Täter im ersten Stock angetroffen, ihn im Halbschlaf nur als Silhouette wahrgenommen, ehe er fluchtartig das Haus verlassen habe.
Eingedrungen sei der Übeltäter allem Anschein nach mit einem in einem Blumentopf hinterlegten Ersatzschlüssel. Die Löhleins hatten angenommen, dass nur die Familienmitglieder vom Schlüssel wussten - offensichtlich ein Irrtum. Als "etwas naiv" bezeichnet Antje Löhlein diese Einschätzung. Ein zweites Mal wird das nicht passieren. Der Schlüssel liegt nicht mehr draußen, das Schloss wird ausgewechselt und Sicherheitseinrichtungen werden installiert.


Belastung für die Familie

Leichter macht das die Situation für die Dörfleser Familie aber nicht. Vor allem psychisch ist es eine Belastung, wie Antje Löhlein erklärt: "Wir fühlen uns extrem bloßgestellt. Es ist eine Grenze, die überschritten wurde. Man fühlt sich irgendwie hilflos, wenn man im Schlaf überrascht wurde." Dass der Täter unbekannt ist, nichts entwendet hat, er aber wohl recht zielstrebig gleich in den ersten Stock gegangen ist, macht die Situation nicht einfacher. "Man kann dadurch nicht greifen, was derjenige wollte und ob er sich gar in der Wohnung ausgekannt hat."

Polizei-Pressesprecher Gerhard Anders sieht diesen Fall juristisch als eine Gratwanderung. Wahrscheinlich sei er weniger als das zu werten, was landläufig als Einbruch bezeichnet wird, denn nur als Hausfriedensbruch. Die Gründe dafür sind, dass ein Schlüssel verwendet wurde ("Es gab keine Aufbruchspuren") und kein Entwendungsschaden entstanden ist.

Dass mit der Tat, egal, wie sie eingestuft wird, ein unbehagliches Gefühl bei den Bewohnern einhergeht, ist Anders völlig klar. Deshalb rät er auch zur Vorsicht beim Umgang mit Ersatzschlüsseln. Man könne nie wissen, wer einen beim Legen eines solchen Schlüssels beobachtet. "Die geschicktere Lösung ist, einen solchen Schlüssel verbrieft bei einem Nachbarn zu hinterlegen."

Wie es in Sachen Löhlein weitergeht, lässt sich derweil schwer sagen. Der Täter ist nicht identifiziert worden, und die Spurenlage gestaltet sich schwierig. Die Betroffene selbst warnt daher ihre Mitmenschen: "Man darf nicht so naiv sein und denken: ,Das passiert mir nicht.‘" Vielleicht können aber Zeugen weiterhelfen. Darauf hofft jedenfalls Antje Löhlein. Sie hat schon kurz nach der Tat einen entsprechenden Facebook-Aufruf gestartet und wünscht sich nun hilfreiche Hinweise auf den unbekannten Eindringling, um anderen Menschen eine nächtliche Überraschung ersparen zu können. Zwei Anrufe hat sie schon bekommen.


Tipps zur Vorbeugung

Wenn Kunden Thomas Pohl um Rat fragen, ist es oft schon zu spät. "Viele werden erst aktiv, wenn etwas passiert ist oder beim Nachbarn eingebrochen wurde", sagt der Chef einer Kronacher Sicherheitstechnik-Firma. Präventiv würden nur die Wenigsten tätig. Doch gerade Vorbeugung sei oberstes Gebot. Das müsse nicht einmal durch eine Alarmanlage sein - für Privatkunden meist das Mittel der Wahl.

Zwar freue er sich, wenn er die Anwesen von Interessenten mit diesen ausstatten und somit für mehr Sicherheit sorgen dürfe, doch oftmals würden schon Kleinigkeiten ausreichen. "Man sollte einfach möglichst wenig Hinweise geben, dass man nicht daheim ist", meint Pohl. Dazu gehöre, den Briefkasten von Nachbarn leeren zu lassen oder durch eine Zeitschaltuhr in der Wohnung Lichter an- und ausschalten zu lassen.


Was zu Einbrüchen verleitet

Das Polizeipräsidium Oberfranken hat gar einen kleinen Katalog mit Verhaltensregeln herausgegeben, die dabei helfen sollen, die eigenen vier Wände besser vor Einbrechern zu schützen (siehe unten). Der Zeitpunkt ist dabei nicht ohne Grund gewählt. Denn besonders die Herbst- und Wintermonate erfreuen sich bei den Kriminellen großer Beliebtheit - schließlich erleichtert die früh einsetzende Dämmerung deren Arbeitsbedingungen.
Sind die Bewohner zudem nicht anwesend, seien die Diebe besonders schnell verleitet, erklärt Polizeipräsidium-Pressesprecher Alexander Czech.

Dabei bräuchten sie nicht einmal sonderlich viel Zeit. "Entgegen landläufiger Meinungen erfolgen Einbrüche häufig auch zur Tageszeit", so Czech. Beispielsweise während der Arbeits- und Einkaufszeit, am frühen Abend oder an den Wochenenden. Denn der Einbruch durch ungesicherte Fenster oder Türen dauere oft nur wenige Sekunden. Das Hilfsmittel: meist ein Schraubendreher. "Dabei handelt es sich oft um Gelegenheitseinbrecher, die an jedem Haus und jeder Wohnung interessiert sind, wo ohne großen Aufwand schnelle Beute gemacht werden kann", weiß Czech.


Beliebte Angriffsstellen

Ein Blick auf die Einbruchsstatistik treibt allerdings weder ihm noch seinen Kollegen Sorgenfalten auf die Stirn. 406 Fälle von Wohnungseinbrüchen registrierte die Polizei im vergangenen Jahr im Regierungsbezirk. Das sind zwar 6,3 Prozent mehr als 2014 (382), doch im bayerischen Vergleich sei keine Region sicherer als Oberfranken. "Da ist es mal absolut positiv, dass wir ganz am Ende der Tabelle stehen", scherzt Czech.

Für dieses Jahr gebe es noch keine belastbaren Zahlen, "aber schon jetzt zeichnet sich eine leicht steigende Tendenz ab". Sowohl für Oberfranken als auch für den Kreis Kronach. 21 Einbrüche gab es 2015 im Landkreis, vier mehr als noch im Jahr davor (17). Gleichzeitig gehe die Anzahl vollendeter Einbrüche zurück. Knapp bei der Hälfte bleibe es beim Versuch. "Die Präventionsmaßnahmen führen dazu, dass immer mehr Täter scheitern", sagt Czech.


Zu auffällig

Das liege aber auch am richtigen Verhalten und an aufmerksamen Nachbarn. "Bei Beobachtungen sollte man sich nicht scheuen, die Polizei zu informieren." Denn je schwerer es den Tätern gemacht werden, desto eher würden sie ohne Beute wieder abrücken. Beliebte Angriffsstellen seien vor allem Fenster, Haus-, Wohnungs- oder Terrassentüren.

Abgesehen hätten es die Diebe dabei weniger auf Elektrogeräte als vielmehr auf Schmuck oder Bargeld. "Eben alles, was schnell zu greifen und zu Geld zu machen ist", sagt Thomas Pohl. Handys seien wegen der guten Ortungs- und Sperrmöglichkeiten unattraktiv geworden, Fernseher viel zu schwer und außerdem zu auffällig. "Der Schaden, der durch einen Einbruch entsteht, ist oftmals höher als der Wert der gestohlenen Gegenstände", sagt der 41-Jährige, der schon im Kreis Coburg in der Sicherheitsbranche arbeitete und sich 2011 in Kronach selbstständig machte.

Schlimmer als der materielle Verlust seien aber die psychologischen Folgen. "Die Betroffenen haben damit zu kämpfen, dass jemand in ihrer Privatsphäre war, in den persönlichsten Gegenständen gewühlt hat", erzählt Pohl von seinen Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag. "Die erzählen dann, dass sie nachts schlecht schlafen und sich überlegen, was passiert wäre, wenn sie während des Einbruchs zu Hause gewesen wären."


Neun Tipps der Polizei für mehr Sicherheit

Um das Risiko zu vermindern, Opfer eines Einbruchs zu werden, rät das Polizeipräsidium Oberfranken zu folgenden Verhaltensregeln:

1. Sperren Sie Ihre Haustür unbedingt ab, sobald Sie das Haus verlassen - selbst wenn Ihre Abwesenheit nicht lange andauern sollte.

2. Verschließen Sie immer Fenster, Balkon- und Terrassentüren. Denn gekippte Fenster sind offene Fenster!

3. Verstecken Sie Ihren Schlüssel niemals draußen.

4. Wenn Sie Ihren Schlüssel verlieren, wechseln Sie den Schließzylinder umgehend aus.

5. Geben Sie keine Hinweise auf Ihre Abwesenheit. Weder auf Facebook noch auf Ihrem Anrufbeantworter.

6. Praktizieren Sie Nachbarschaftshilfe. Betreuen Sie die Wohnung länger abwesender Nachbarn und erwecken Sie einen bewohnen Eindruck. Etwa, indem Sie den Briefkasten leeren oder die Rollläden zur Nachtzeit schließen.

7. Achten Sie auf fremde Personen in Ihrer Wohnanlage oder auf dem Nachbargrundstück.

8. Notieren Sie sich Kennzeichen und Beschreibungen verdächtiger Autos und Personen.

9. Informieren Sie bei verdächtigen Beobachtungen sofort die Polizei und ihre Nachbarn.