Was erlebt man nicht alles in 43 Dienstjahren als Polizist? Georg Pabstmann könnte ein Buch darüber schreiben, denn jetzt hat er Zeit dazu, weil er ab Januar im Ruhestand ist.

Da würde er weniger auf die schweren Unfälle eingehen, zu denen er gerufen wurde: "Da waren auch schlimme Sachen dabei. Die Bilder kriegt man so schnell nicht aus dem Kopf!"


Einige Anekdoten

Wer Pabstmann kennt, der weiß, dass Anekdoten im Vordergrund stehen würden. Wie die vom Autofahrer, dem er bei Großvichtach 30 Mark wegen zu schnellen Fahrens abnehmen wollte. Schon, als das Auto rausgewunken wurde, zeterte die Ehefrau des Temposünders auf dem Beifahrersitz. Sie beschimpfte ihren Angetrauten wüst. "Es gab keine üble Beleidigung, die die Dame ausgelassen hat. Da hab ich dem Fahrer die 30 Mark wiedergegeben und gesagt, dass er mit dieser Frau schon gestraft genug sei." Angesichts dieser Ansage befürchteten die Kollegen eine Beschwerde gegen Ge org Pabstmann. Am nächsten Tag rief der Temposünder wirklich bei der Polizei an, aber bedankte sich dafür, dass einer "derer endlich mal die Meinung gesagt hat". Denn die Xanthippe war nach der Polizeikontrolle wie ausgewechselt, weinte sogar und servierte ihrem Mann am Abend außerdem ein Steak.

Bei aller Tragik konnte Georg Pabstmann auch folgender Geschichte etwas Heiteres abgewinnen: Ein Wirtshausgänger war auf der Treppe gestürzt, hatte eine stark blutende Wunde und fiel in Bewusstlosigkeit. Also brachte man ihn ins Kreiskrankenhaus Kronach, wo just Betriebsfasching gefeiert wurde. Da Eile geboten war, eilten der als Teufel verkleidete Chefarzt und eine Schwester im Engelskostüm zu Hilfe. Der Verletzte fiel, als er die Augen aufschlug und einen Teufel sowie einen Engel sah, sofort wieder in Ohnmacht.

Delikat war die Kontrolle einer Autofahrerin, die Pabstmann beim Telefonieren mit dem Handy gesehen hatte. Sie bestritt nach dem Anhalten, ein Handy zu haben und die Uniformierten sahen im Auto auch keines. Doch plötzlich vernahmen sie ein Vibrieren und einen Klingelton aus dem Intimbereich der Dame. Die hatte angesichts der Polizeikontrolle das Telefonat abgebrochen und das Handy in den Slip gesteckt. Zu dumm aber auch, dass der Gesprächspartner gleich zurückrief ...


Weihnachtswünsche erfüllt

Am Donnerstagabend wurde Georg Papstmann im Rahmen einer Dienstgruppenleiterbesprechung der Inspektion Kronach als Sachbearbeiter Verkehr verabschiedet. Elf Jahre lang hatte er dieses Amt als Nachfolger von Walter Porzel inne. Papstmann war der Wunschkandidat des Kronacher Polizeichefs Uwe Herrmann als Verkehrssachbearbeiter. Und auch bei Papstmanns Nachfolger Matthias Stöcker gehen die Wünsche Herrmanns in Erfüllung. Schließlich ist ja bald Weihnachten.

Der 45-jährige Matthias Stöcker ist seit 2005 bei der Polizei in Kronach stationiert. Ihm legte Uwe Herrmann ans Herz, dass er - genauso wie Georg Pabstmann - wenig am Computer, aber viel auf der Straße sein solle. Deshalb werde er die gleichen Freiheiten haben. Stöcker solle wie sein Vorgänger weniger Stellungnahmen schreiben, sondern mit den Leuten reden und vor allem "naus auf die Straße".

Bei der Verabschiedung Papstmanns lobte der Polizeichef die Qualitäten des bisherigen Sachbearbeiters Verkehr, was auch durch Dankschreiben anderer Organisationen belegt sei. "Georg Pabstmann ist ein typischer Kronacher Polizist, der in die Welt passt und auch bei der Bevölkerung gut ankommt", stellte Herrmann fest.
Pabstmann habe mit engagierten Kollegen viele Kontrollen auf der Straße durchgeführt. Papstmann selbst stand an der Laserpistole und meldete seinen Kollegen Schnellfahrer. Er postierte sich in Zivilkleidung auch am Straßenrand und warf einen Blick in das Wageninnere der vorbeifahrenden Autos und Laster. Wer nicht angeschnallt war oder mit dem Handy telefonierte, der wurde von Papstmanns uniformierten Kollegen nach etwa 100 Metern "aus dem Verkehr gezogen" und zur Kasse gebeten. "Das ist viel wirkungsvoller als nach Wochen ein Schreiben mit einer Zahlungsaufforderung zu bekommen", war sich Papstmann sicher.