Vertreter der Pfarreien ziehen unter den von "Con Brio" angestimmten schwungvollen Klängen mit ihren Ortsschildern durch den Mittelgang der Stadtpfarrkirche. Vor dem Altar stellen sie sich in einer Reihe auf und halten ihre Schilder nach oben, um ihre Zusammengehörigkeit zu veranschaulichen - wunderschöne Bilder eines wunderschönen Jubiläumsfestes "10 Jahre Pfarreiengemeinschaft Kronach", dessen Motto "Aufsteh'n, aufeinander zugeh'n" nicht hätte besser gewählt sein können. Es war ein fröhlich-buntes Fest, bei dem sich der Seelsorgebereich - zunächst beim Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche und anschließend beim Begegnungsabend in der Kühnlenzpassage - in seiner ganzen Vielfalt präsentierte.

In einem beeindruckenden Festzug waren zuvor Priester, Ministranten, Vertreter der Pfarreien und ihrer Filialen, Ehrengäste und Fahnenabordnungen, begleitet vom Musikverein Steinberg, vom Rathausplatz durch die Amtsgerichtsstraße zur Kirche gezogen.

Der Festgottesdienst wurde vom leitenden Pfarrer des Seelsorgebereichs, Regionaldekan Thomas Teuchgräber, mit den Priestern der Pfarreiengemeinschaft Kronach sowie dem Nürnberger Regionaldekan Hubert Förster zelebriert, der auch die tiefgründige Festpredigt hielt. Dieser erzählte dabei vom nordamerikanischen Indianerstamm, den Navajos. "Wenn sie einen Teppich herstellen, weben sie ganz bewusst in einer Ecke einen kleinen Webfehler ein. Diesen Webfehler betrachten sie als die Stelle, an der der Geist in den Teppich hineingeht und aus ihm herausgeht", erklärte der Regionaldekan. Dort, wo das sonst so exakte und immer gleiche Muster unterbrochen werde, bekomme der Geist eine Chance.

Als der Geist Jesu - der Heilige Geist - einen Zugang zu den Aposteln gefunden habe und sie begeistert das Evangelium verkündet hätten, hätten die anderen gesagt: "Die sind nicht ganz bei Verstand! Die sind verrückt oder betrunken!" Das Christentum, die Geschichte der Kirche beginne also - salopp formuliert - mit einem Webfehler. Ängstliche bekommen Mut, Zögernde geraten in Bewegung, Unsichere werden Zeugen, Begeisterte reden von dem, was ihr Herz erfüllt. Försters Jubiläumswunsch für alle Anwesenden lautete daher, kleine "Webfehler" zuzulassen und sich offen für Überraschendes und Neues zu zeigen - als Türen für den Heiligen Geist.

Der Festgottesdienst wurde von Vertretern der einzelnen Pfarreien mitgestaltet. Diese bauten unter anderem vor dem Altarbereich ihren Ort symbolisierende Dinge auf - so Effelter einen Korb mit Äpfeln, Ziegelerden Tappen, Friesen ein Musikinstrument, Höfles ein Bild von Johann Kaspar Zeuß, Steinberg einen ("heiligen") Schrubber, Wilhelmsthal eine Schanze, Oberrodach eine Heilig-Kreuz-Darstellung, Kronach ein Stadtwappen mit den geschundenen Männern, Lahm ein Skapulier sowie Zeyern "Waasngebackenes". Vor dem Altar waren auch die 14 großen Jubiläums-Kerzen aufgestellt, mit denen jede zugehörige Pfarrei mit ihren Filialen und Kirchen beschenkt wurde.

"Nehmt ein Licht des Glaubens und der Gemeinschaft mit", gab ihnen der Vorsitzende des Seelsorgebereichsrates, Christian Behner, mit auf den Weg. Angefertigt wurden die Schmuckstücke von der Kerzenbastelgruppe Zeyern. Die sehr stimmungsvolle musikalische Gestaltung des Gottesdienstes oblag der Gruppe "Con Brio" aus Friesen, dem Organisten Marcus Punzelt aus Effelter sowie an der Trompete Tobias Partheymüller aus Zeyern.
Auf dem Weg zur Kühnlenzpassage machten die Gläubigen Station auf dem Marienplatz, wo der Musikverein Steinberg zum Standkonzert aufspielte.

Die Errichtung der Gemeinschaft sei der richtige Schritt gewesen, zeigten sich die Grußwortredner beim Begegnungsabend sicher. Mit dem Zusammenschluss habe die Kirche, so Kronachs Dritter Bürgermeister Markus Wich, auf veränderte Rahmenbedingungen wie dem Bevölkerungsrückgang sowie weniger Kirchenbesucher reagiert.

"Sicherlich war mit dem Zusammenschluss auch der Verlust von mehr Eigenständigkeit verbunden. Aber aufgrund der demografischen Entwicklung und wohl auch wegen des sich abzeichnenden Priestermangels war der Schritt nachvollziehbar", erklärte Marktrodachs Bürgermeister Norbert Gräbner, aus dessen Gemeindegebiet St. Leonhard Zeyern und Heilig Kreuz Oberrodach der Gemeinschaft angehören. "Wir haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht", freute er sich. Die Glückwünsche der evangelischen Kirche übermittelte Pfarrer Andreas Heindl.