Ein schickes Armband soll es sein. Unbeeindruckt vom Gewusel um sie herum, hat die sechsjährige Irem unter dem riesigen Angebot ihr neustes cooles Lieblingsstück ausgemacht. Irems Mama bezahlt. Dann wird das Schmuckstück natürlich gleich angelegt. "Das hat nur einen Euro gekostet", erzählt die junge Schnäppchenjägerin, während sie ihre neue Errungenschaft freudestrahlend betrachtet. Ein Handeln hat sich bei einem solch Super-Spitzen-Preis natürlich erübrigt. Schon geht es für sie und ihre Mama zum nächsten Stand.

Eine Runde auf dem Mädchen-Flohmarkt war zeitlich schon fast mit einer Runde auf dem Freischießen zu vergleichen. Und auch sonst hatte der Mädchen-Flohmarkt durchaus ein wenig Volksfest-Charakter. Es ist gerade auch das Drumherum und das besondere Ambiente, das ihn von Veranstaltungen ähnlicher Art abhebt - und auch die Zielgruppe: So viele Mädels "auf einem Haufen" wie an diesem Sonntag in der Kühnlenzpassage gibt es sonst selten zu sehen.

Unzählige potenzielle Käuferinnen jeden Alters durchforsteten Unmengen an "Mädchenkram", drängten sich um die Tische und kämpften sich durch Berge sorgsam angeordneter Klamotten. Natürlich betrachteten die Mädels in ihrem Shopping-Rausch nicht nur, sie kauften auch: Ein neues Lieblingsteil nach dem anderen wechselte die Besitzerin.

Die Männerquote war gar nicht mal so gering. Die männlichen Begleiter hatten dabei im wahrsten Sinne des Wortes "alle Hände voll" zu tun, fungierten sie doch insbesondere als Träger der prall gefüllten Taschen, aber auch ihr "fachmännisches Urteil" war gefragt.


Aufstocken und entrümpeln

Den eigenen Kleiderschrank aufstocken und gleichzeitig entrümpeln. Das alles konnte "Frau" beim Mädchen-Flohmarkt. Dabei ist das Wort Entrümpeln nur symbolisch zu verstehen, denn mit Gerümpel hatten all die schicken Sachen, die in der an diesem Tag zur Shopping-Meile umfunktionierten Kühnlenzpassage nichts gemein - ebenso wenig wie mit einem "gewöhnlichen" Flohmarkt. Muffige Klamotten und unmoderne Schnitte? Draußen frieren bei Wind und Wetter? Mürrische Verkäufer, die um jeden Cent feilen? Fehlanzeige! Der Mädchen-Flohmarkt ist anders - nämlich die beste Gelegenheit, um gebrauchte Schätze und Fehlkäufe zu verkaufen oder den eigenen Kleiderschrank mit den Fashion-Trends zu füllen - für weit weniger Geld als in den Läden, manchmal sogar noch niegelnagelneu.

Dabei wurden gleich mehrere Generationen fündig - so beispielsweise Julia, die eine prall gefüllte Tasche mit sich herumträgt. "Alles total billig", strahlt sie. Und auch ihre Mutter kaufte tüchtig - Hosen genau in ihrer Größe, allesamt Markenwaren, und gleich am ersten Stand!

An den rund 35 durchwegs liebevoll gestalteten Verkaufsständen, die einmal mehr in Windeseile ausgebucht waren, wurden auch Accessoires, Taschen, Schmuck, Schuhe, Make-up, Kosmetik und Deko angeboten. Der Umgang untereinander war freundlich, locker.

Die Organisatorin Raphaela Kotschenreuther, die das Spektakel nunmehr zum fünften Mal veranstaltete, hatte sich zum kleinen Jubiläum einige Neuerungen ausgedacht. So war heuer die Fotobox von Sven Schmitt vor Ort, an der alle Besucherinnen kostenfrei lustige Erinnerungsfotos schießen lassen konnten. Hier hat sich die siebenjährige Jule gerade einen Glitzerhut aufgesetzt und zu einer aufblasbaren Luftgitarre gegriffen - Cool! Und noch etwas war neu: Teilnehmerinnen, die manche Klamotten nicht mehr mit nach Hause "schleppen" wollten, konnten diese gleich vor Ort an die Diakonie spenden.

Natürlich soll es eine Fortsetzung geben und auch andere Konzepte sind angedacht - so ein Jungs-Flohmarkt oder vielleicht gar ein Omi-Flohmarkt.