An der Wand hängen gerahmte, historische Aktien. Auf einem der Schränke steht ein laminiertes Kalenderbild mit einem Motiv des Tropenhauses und einem Logo der Sparkasse darauf. Wie bei seiner Einrichtung, so hat Peter Ebertsch (Bündnis für Tettau) auch bei seiner Arbeit nahtlos den Übergang vom Banker zum Bürgermeister geschafft. Die ersten 18 Monate am Ruder der Gemeinde waren zwar anstrengend, aber der Wechsel ins politische Amt hat sich aus seiner Sicht gelohnt. Warum, das erklärt er uns im Interview.

Welche Veränderungen gingen mit Ihrem Einzug ins Bürgermeister-Büro einher?
Peter Ebertsch: Aus zartem Blau an den Wänden ist Weiß geworden. Das ist hell und macht freundlich. Bei den Türen haben wir auch - Ressourcen schonend - aus Alt Neu gemacht. Ein paar Grünpflanzen stehen für ein kleines bisschen Tropenhaus. Und ein paar Sachen von meinem vorhergehenden Beruf sind mit eingezogen, denn den habe ich gerne gemacht.

Würden Sie sich auch nach 18 Monaten noch für den Wechsel ins Bürgermeisteramt entscheiden?
Es war von vornherein klar, dass es kein leichtes Amt ist. Wer denkt, er kommt auf diesem Posten mit einer 40-Stunden-Woche klar, der ist fehl am Platze. Es ist wichtig, dass man als Vertreter einer der nördlichen Kommunen Flagge zeigt und gleichzeitig die notwendige Gemeinsamkeit zwischen Norden und Süden sucht. Ich habe den Schritt aber nicht bereut. Ich muss sehr zufrieden sein mit dem, was sich bisher schon getan hat.

Was hat sich inzwischen in Ihrem Leben verändert?
Meine Frau sieht mich noch seltener. In den vergangenen Tagen habe ich den stellvertretenden Landrat Gerhard Wunder öfter zu Gesicht bekommen als sie (lacht).

Welche Erfahrungen lassen sich aus Ihrem vorherigen Berufsweg mitnehmen?
Erstmal der Umgang mit den Menschen. Das ist das A und O. Außerdem muss man flexibel und spontan sein, darf nicht auf den Mund gefallen sein. Es braucht eine gewisse emotionale Intelligenz, um in die Leute hin einhorchen zu können. Da profitiere ich von meinen Erfahrungen als Dozent. Vor allem aber muss man ein verlässlicher Partner sein und das Wir-Gefühl stärken, alle Leute ins Boot holen. Als Kommunalpolitiker muss man für das Gemeinwohl arbeiten, nicht für Einzelinter essen.

Ist der Lernprozess für den Bürgermeister Peter Ebertsch schon abgeschlossen?
Nein. Es ist wie überall im Leben, man muss sich ständig weiterentwickeln. Gerade war ich auf einem Seminar zum Thema "Wasser". So etwas ist wichtig, um sachlich fundierte Entscheidungen zu treffen, keine emotionalen. In der Verwaltung haben wir ebenfalls einen gewissen Umbruch, der mit einem Lernprozess verknüpft ist. Doch so etwas birgt auch Chancen. Man kann alte Zöpfe abschneiden und versuchen, neue und innovative Wege zu gehen.

Was ist derzeit die Kernaufgabe Ihres Handelns?
Alles (schmunzelt)! Langenau mit seinem Kanal zum Beispiel. Da ist eine halbe Million weg, die so nicht eingeplant war. So etwas bereitet einem schon schlaflose Nächte, aber es ist eine Pflichtaufgabe, die gemacht werden muss. Es gibt aber viele Baustellen, nicht nur das eine große Thema. Da tut einem ein Erfolg wie bei der Straße von Schauberg nach Judenbach/Jagdshof gut - das ist der Lückenschluss der Staatsstraße 2201 zwischen Bayern und Thüringen (zeigt auf Spaten vom Spatenstich). Eine weitere Kernaufgabe ist sicher auch das Stadtumbauprogramm.

Die Rennsteig-Region lebt von starken Wirtschaftsunternehmen. Wie gut ist die Wirtschaft dort noch aufgestellt - auch im Hinblick auf die Probleme bei der "Königlichen"?
Der Erhalt eines jeden Arbeitsplatzes und Unternehmens ist mir wichtig. Wir versuchen auch für Königlich Tettau noch die eine oder andere Lösung zu finden - für die Menschen und die Gebäude. Manchmal ist es aber besser, solche Dinge zunächst im stillen Kämmerlein zu besprechen und erst später an die Öffentlichkeit zu gehen. Die anderen Wirtschaftszweige in der Gemeinde laufen bombig. Als eine Maßnahme zur Wirtschaftsförderung haben wir den Gewerbesteuerhebesatz von 320 auf 300 gesenkt. Die Basis für das Wohlergehen der Region sind der Erhalt und vielleicht sogar der Ausbau sowie die dauerhafte Sicherung der Arbeitsplätze - sonst brauchen wir über anderes gar nicht zu reden. Insgesamt sind wir da, glaube ich, auf einem sehr guten Weg.

Tettau befindet sich im Landkreis in einer Randlage mit einem anderen Bundesland im Rücken. Wie gut ist es da um die Infrastruktur bestellt, gerade aus Verkehrs- und ÖPNV-Sicht?
Die neue Verbindung über Thüringen stellt für uns den kürzesten Weg zur Autobahn dar. Bald sind wir in 20 Minuten - also so schnell wie ein Kronacher - auf der Autobahn. Wir sind somit viel dichter am Bundesfernstraßennetz, als das vor einiger Zeit zu erwarten war. Beim Schülerverkehr habe ich gesagt, dass erstmal die gröbsten Schwachstellen kurzfristig ausgemerzt werden müssen, ehe ein großes Konzept angegangen wird. Da geht es zwar um kleine Dinge, aber auf diese Weise hat sich schon etwas getan.

Welche Rolle spielt das Thema "Schule am Rennsteig"?
Eine weiterführende Schule am Rennsteig bleibt langfristig das Kriterium, um Menschen hier anzusiedeln und dauerhaft zu halten. Man sieht es ja, zehn bis zwölf Kinder aus dem Markt Tettau gehen heute schon nach Neuhaus am Rennweg auf die weiterführende Schule. Die Leute sind heute flexibler als vor 25 Jahren. Wenn die Politik nicht den richtigen Rahmen schafft, suchen sich die Menschen ihren eigenen Weg.

Sie haben für das Bündnis für Tettau kandidiert, nicht für "Ihre" CSU. Hat sich das auf die Zusammenarbeit im Rat ausgewirkt?
Ja. Das war die richtige Entscheidung. Im Nachhinein sagt jeder, dass es eine gute Idee war. Und es macht Spaß in diesem Bündnis, zu dem CSU-Leute, Freie Wähler und Parteilose gehören, für die Marktgemeinde zu arbeiten. Das Bündnis spricht auch junge Leute an, die eigentlich gar kein Interesse haben, einer Partei beizutreten. Ich muss aber auch den Kollegen - und dieses Wort verwende ich bewusst - von der SPD ein großes Lob aussprechen. Man kann in der Sache immer diskutieren, aber man soll am Ende die besten Lösungen für die Gemeinde finden. Das funktioniert im Ratsgremium und bestätigt meine Auffassung: Auf kleinster politischer Ebene sollte die Gemeindepolitik den Ton angeben, nicht die Parteipolitik.