Zwischen November 2011 und Februar 2012 sollen im südlichen Landkreis Kronach fünf Mal je 500 Gramm Haschisch zu einem Verkaufspreis von jeweils 3500 Euro den Besitzer gewechselt haben. Zudem soll der Angeklagte polnischer Herkunft weitere Male im selben Zeitraum geringere Mengen Kokain oder Haschisch verkauft haben.

Der Kronacher, der von Rechtsanwalt Till Wagler vertreten wurde, machte vor Gericht keine Angaben. Umso "auskunftsfreudiger" war der Hauptbelastungszeuge. Der mutmaßliche Kumpan, der wie der Angeklagte auch selbst drogenabhängig ist, hatte bereits im Vorfeld mit der Polizei zusammengearbeitet und konkrete Hinweise auf den Beschuldigten gegeben. Ein Scheingeschäft, das der Bamberger im "Auftrag" der Polizei mit dem Angeklagten machen sollte, ließ er aber platzen, weil er "kalte Füße" bekam.

Vor Gericht belastete der Mann den Beschuldigten nun erneut schwer. "Ich habe bei den Drogengeschäften aufgepasst, dass keine Polizei auftaucht", meinte er. Dafür habe er jeweils 200 Euro oder Drogen, die zum Grammpreis von zehn Euro verrechnet wurden, erhalten.

Honorar für den Aufpasser

Den Angeklagten habe er in einer Therapieeinrichtung kennen gelernt. Für seine Aufpassertätigkeit sei er immer mit dem Zug nach Küps gefahren. Die Drogen seien in Socken oder Stoff verpackt gewesen. "Ich habe die Drogen mehrere Male selbst gesehen. Die Abnehmer waren immer die gleichen. Es war ein weißes Auto mit einem Coburger Kennzeichen", so der Mann, der selbst eine Haftstrafe im Januar 2013 antreten muss. Das Scheingeschäft sei ihm zu brenzlig geworden, daher habe er den Angeklagten gewarnt. Der Polizei gegenüber hatte er erklärt, bedroht worden zu sein. "Das war gelogen", räumte er ein.

"Der lügt vor sich hin"

Wagler stellte den Wahrheitsgehalt der Zeugenaussage erheblich in Frage. "Der lügt vor sich hin", vermutete er. Auf Grund seiner Aussage gegen den Angeklagten habe er sich Vorteile beziehungsweise eine Strafminderung für sein eigenes Verfahren erhofft und letzten Endes auch verschafft. So soll er - wie ein Mithäftling des Zeugen erklärte - bereits im Gefängnis davon gesprochen haben, dass er freigelassen werde, wenn er gegen den Angeklagten aussage. "Das habe ich nie gesagt", beteuerte der Zeuge. Der zuständige Polizeibeamte sprach von einem kooperativen Verhalten des Zeugens. Andere von ihm gemachte Angaben hätten sich bewahrheitet. Auch seine Aussagen gegen den Angeklagten erachte er als glaubwürdig. Bedauerlich sei das geplatzte Scheingeschäft, womit man den Angeklagten in flagranti hätte überführen können.

Wagler forderte die Ladung des Mithäftlings. "Da müssen sie sich auf eine längere Sitzung einstellen. Das ist ein verurteilter Betrüger", meinte Gruppenleiter Matthias Huber, dem dieser "alte Bekannte" wohl schon hinreichend bekannt war. Die Richterin kam dem Antrag nach, so dass dieser bei der Fortsetzungsverhandlung in den Zeugenstand treten wird.