Am 23. Dezember 2012 gegen 4 Uhr morgens sollen drei jungen Leute vor einer Bar in Kronach einen jungen Mann schwer verletzt haben. Den zwei Männern und einer Frau wird vorgeworfen, den Mann, der aus der Bar/Diskothek kam, zunächst zu Boden geschlagen zu haben. Danach sollen sie wahllos auf den wehrlos am Boden Liegenden eingeprügelt haben.

Insbesondere soll das Trio dem Mann auch mehrere Tritte gegen den Oberkörper und den Kopf versetzt haben. Der Geschädigte zog sich Blutungen, Rötungen und Hautabschürfungen im Bereich des Oberkörpers und des Kopfes zu. Der Kronacher musste sich in ärztliche Behandlung begeben und war krank geschrieben.


Security verhinderte Schlimmeres

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft kam es nur deshalb nicht zu weiteren Tritten und möglicherweise tödlichen Verletzungen, weil Passanten und Security-Kräfte die drei Angeklagten wegzogen und so eine weitere Eskalation der Situation verhinderten. Seit Heiligabend 2012 befinden sich die Angeklagten in Haft. Nun, am ersten Tag der Hauptverhandlung, also ein Dreivierteljahr nach der Tat, war bei allen Dreien das Erinnerungsvermögen an jene besagte Dezember-Nacht arg getrübt. Wohl auch, weil der Alkohol einmal mehr eine unrühmliche Rolle gespielt hat.

Die beiden Männer, 28 und 31 Jahre alt, gaben an, schon seit ihrer frühen Jugend Drogen- und Alkoholmissbrauch zu betreiben. Beide haben mehr oder weniger erfolglose Versuche hinter sich, der Sucht zu entsagen. Beide haben auch bereits Hafterfahrung. Die junge Frau war zum Tatzeitpunkt noch Heranwachsende. Sie erklärte vor Gericht, dass sie sich eigentlich nichts aus Alkohol und Drogen mache. An jenem Abend jedoch sei sie total abgestürzt. "Ich bin ein bisschen abgedriftet", erklärte sie dem Vorsitzenden Richter Gerhard Amend. Was tatsächlich im Dezember 2012 vorgefallen ist, will die Kammer anhand von über 20 Zeugen herausfinden.

An nicht viel konnte sich der 28 Jahre alte Angeklagte erinnern. Er sei zur Bar gekommen, wegen Hausverbotes habe er aber nicht hinein gedurft und sei daher im Hof gestanden. Später habe er gesehen, wie seine Frau mit dem Geschädigten aus der Bar gekommen sei.


"Ich habe mich gewehrt"

Im Irrglauben, die beiden hätten etwas miteinander, sei es dann zum Streit zwischen den beiden Männern gekommen. Der Geschädigte habe jedoch zuerst zugeschlagen. "Ich habe mich gewehrt", erklärte der Mann. " Ich habe aber nicht getreten. Warum soll ich jemandem auf den Kopf treten?!"

Der zweite Angeklagte erklärte, auch er sei im Hof der Bar gewesen und ebenfalls zuerst vom Geschädigten angegriffen worden. Er gab jedoch zu, getreten zu haben - aber nicht gegen den Kopf des Opfers.

"Sie bekennen nur halbe Farbe", erwiderte Staatsanwältin Ursula Haderlein. "Ich glaube Ihnen kein Wort!"
Die junge Frau konnte sich am wenigsten an die Vorfälle erinnern: "Ich weiß nichts. Keine Ahnung, was sich da abgespielt hat." Besonders delikat und belastend für sie ist ein Video, das von der Überwachungskamera im Vorraum der Bar aufgenommen wurde, bevor die Schlägerei begann. Es zeigt die Frau eng umschlungen mit dem späteren Opfer in eindeutiger Situation. "Ich bin aus allen Wolken gefallen", erklärte sie. "Ich habe nur Gedächtnisfetzen im Kopf."

Die Security-Kräfte allerdings berichteten davon, dass sie gesehen hätten, wie die drei auf das Opfer eingeschlagen haben. "Es gab Faustschläge und Fußtritte von allen", sagte einer der Sicherheitsmänner. "Die haben ihn die Straße hoch geprügelt." Der Sicherheitsbedienstete vermutete eine Eifersuchtsgeschichte hinter dem Ganzen.


Erinnerung ist getrübt

Der Geschädigte konnte sich nicht daran erinnern, was er mit der Angeklagten im Vorraum der Disco zu schaffen gehabt haben soll. Er bestritt auch seinerzeit, ein Verhältnis mit der Frau des 29 Jahre alten Angeklagten gehabt zu haben. Er sei damals auch sehr betrunken gewesen, räumte er ein. Seine Erinnerung setze eigentlich erst wieder ein, als er sich im Krankenwagen befunden habe.

Ein Taxifahrer, der an jenem Abend mit seinem Wagen zufällig zu der Schlägerei gekommen war, brachte eine weitere Perspektive des Geschehens in die Verhandlung ein. Er berichtete, dass er gesehen habe, wie die junge Angeklagte vom Geschädigten herumgeschleudert worden sei. Gegen sein Auto habe er sie gestoßen und dann sogar mit der Faust die Scheibe neben dem Beifahrersitz eingeschlagen sowie seinen Fahrgast bedroht: "Dass der Geschädigte das war, weiß ich, weil ich den kenne", untermauerte der Taxifahrer seine Aussage. Was sich allerdings davor oder danach alles abgespielt hat, konnte er nicht sagen.

Ob die vielen Zeugen ein scharfes Bild aus den bisher unscharfen Gedächtnisfetzen der Beteiligten formen können, wird sich im weiteren Verlauf der Verhandlung zeigen. Diese wird am 15. Oktober fortgesetzt.