Ein schöner Sommerabend am Blanksee bei Neuses. Zwei Brüder, die Freundin des einen und dessen 11-jährige Tochter wollen gerade zusammenpacken. Da kommt ein Pärchen, lässt sich etwas tiefer nieder und unterhält sich laut über sexuelle Aktivitäten.

Der eine Bruder ruft ihnen zu, dass ein Kind da sei und sie sich mäßigen sollen.
So begann die Geschichte, deren Verlauf zu einer Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung, mehrfacher Bedrohungen und diversen Beleidigungen führte. "Der Mann ist raufgekommen wie eine Rakete", berichtete der ältere der Brüder in der Hauptverhandlung am Dienstag vor dem Amtsgericht in Forchheim. "Er hat absolut getobt". Der Mann habe an einem Fahrrad der Familie eine Bierflasche zerbrochen, die große Scherbe unversehens dem älteren Bruder an den Hals gedrückt und ihn leicht verletzt.

"Dem hat es voll die Sicherung rausgehaut", beschrieb der jüngere Bruder den Vorgang. Er sei ebenfalls mit der zerbrochenen Flasche angegriffen und mit der Hand ins Gesicht geschlagen worden. Wegen des Kindes hätten sich beide lieber nicht gewehrt. Die Männer verständigten schließlich die Polizei.

Als die Polizei eintraf sei der Mann - es war inzwischen dunkel - ins Wasser gesprungen und schwimmend verschwunden. Das Gelände wurde abgesucht, um den Mann zu finden und seine Personalien festzustellen. Anstelle aus dem Wasser zu kommen, habe der Angeklagte dem Polizisten üble Beleidigungen zugerufen und mit einer weiteren Bierflasche nach ihm geworfen, traf jedoch nicht. Die drei Polizeibeamten, die ihrem Kollegen zu Hilfe eilten, seien ebenfalls beschimpft worden.

Harte Strafe trotz Geständnis

Der Angeklagte räumte alles ein, auch dass er sieben bis acht Biere vorher getrunken hatte, und entschuldigte sich auch bei den angegriffenen Männern. Trotz Geständnis und Entschuldigung fiel die Strafe drastisch aus: ein Jahr und sechs Monate Freiheitsentzug. Ohne Bewährung.

Der Grund dafür: der Mann war erst im April aus der Haft entlassen worden. Ein Strafrest war zur Bewährung ausgesetzt worden. Die Staatsanwältin nannte ihn einen Bewährungsversager, da dies keineswegs die erste Verurteilung war. Bei der Attacke am Blanksee sprach sie von "einem hohen Maß an Gefährlichkeit", das von Angeklagten ausgehe, wenn er getrunken habe. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren.

In ihrer Urteilsbegründung nannte Richterin Silke Schneider die Vorfälle ein "krasses Ding", vor allem, weil gerade einmal vier Monate seit der Haftentlassung vergangen waren. Auch sie fasste den Ablauf als "extrem ausgetickt" zusammen.