An manchen Stellen tut sich Wolfgang Beer schwer, gegen die Maschinengeräusche im Hintergrund anzureden. Doch das wird den Technischen Leiter der Dr. Schneider-Unternehmensgruppe nicht ärgern. Schließlich ist der Hochbetrieb in den Neuseser Produktionshallen das beste Zeichen dafür, dass die Rückschau und die Prognosen im vorherigen Bilanzpressegespräch nicht aus der Luft gegriffen waren: Der Laden läuft, das Unternehmen wächst beständig.


Wechsel an der Spitze

Zum 1. Mai ist Parag Shah an die Stelle von Cornelius Weiß als Vorsitzender der Geschäftsführung getreten. Unterschiedliche Positionen in der Strategie machte Gesellschafterin Sylvia Schmidt für diesen einvernehmlichen Wechsel an der Führungsspitze verantwortlich. Shah ist bereits seit 20 Jahren beim Neuseser Unternehmen und leitete dort zuletzt weltweit die Bereiche Vertrieb/Marketing und Forschung/Entwicklung.

Dem 47-Jährigen geht es nun darum, den erfolgreichen Weg der Unternehmensgruppe fortzusetzen. Das bedeutet, das Wachstum in allen Bereichen zu erhalten. Im Jahr 2015 beschäftigte die Firma rund 3600 Mitarbeiter (2014: circa 3000) und 137 Auszubildende (129). 55 Prozent der Mitarbeiter sind im Inland beschäftigt, 1300 Personen am Standort Neuses. Der Umsatz lag bei etwa 500 Millionen Euro (plus 12,3 Prozent), wie Geschäftsführer Wilhelm Wirth feststellt. Besonders stark sei Dr. Schneider im Premiumsegment mit seinen Produkten vertreten, so Shah. Allerdings sollen künftig auch die Kompaktklasse und die untere Kompaktklasse wieder stärker in den Fokus rücken.

54 Millionen Euro sind heuer an Investitionen vorgesehen. Das Geld fließt in Betriebsmittel, Technologien und Ideen, aber auch in die Standorte. So soll die Produktion in den USA und China ausgebaut werden. "Aber wir vergessen unsere traditionellen Standorte in Deutschland und Spanien nicht", versichert Wirth. "60 Prozent der Investitionen werden in die deutschen Standorte fließen." Hier ist die Unternehmensgruppe in Neuses, Tschirn und Judenbach vertreten. Die Leistung der Unternehmensgruppe soll auf 537 Millionen Euro gesteigert werden. "Die Automobilkonjunktur läuft gut", ist der Geschäftsführer zuversichtlich, den Erfolgskurs halten zu können. Selbst die Krise bei VW ist bei Dr. Schneider kaum zu spüren, wie Parag Shah auf unsere Nachfrage ergänzt. "Und es gibt gute Indikatoren, dass sich die Automobilbranche gut weiterentwickelt", meint der Vorsitzende der Geschäftsführung angesichts von 91 Millionen Fahrzeugen, die pro Jahr weltweit produziert werden.

Wenn Shah in die Zukunft blickt, nennt er Konnektivität, Nachhaltigkeit, vernetztes und autonomes Fahren als Schlüsselbegriffe. Darauf müsse sich die Unternehmensgruppe weiterhin einstellen. Ein "IT-Competence-Center", ein "Forschungs- und Entwicklungscenter" oder das neue "Management & Project-Center" seien Schritte auf diesem Weg.


Die Zukunft des Automobils

Die Weiterentwicklung des Unternehmens beruht laut Shah auf der Entwicklung innovativer Konzepte. "Das Fahrzeug als Wohnzimmer", nennt er die Zielrichtung. Eine entsprechende Produktpalette will Dr. Schneider nicht nur in seinem Kerngeschäft (Ausströmer bei der Belüftung), sondern auch in vielen anderen Bereichen, wie beispielsweise bei den Ablagen oder der Innenraum-Beleuchtung, bieten.

Zur Strategie des Unternehmens gehört es auch, die Mitarbeiter weiterhin langfristig an Dr. Schneider zu binden. "Die Fluktuation ist sehr gering, weit unter drei Prozent", freut sich Wirth über eine bemerkenswerte Treue. Um im internationalen Markt keine Nachteile zu haben, hoffen er und Shah allerdings, dass sich beim Ausbau der Bundesstraße 173 endlich etwas tut. Bei tagtäglich jeweils über 50 Lastwagen bei der Anlieferung und beim Abtransport sieht man darin "ein wichtiges Thema".

Für Gesellschafterin Annette Schneider ist bei aller Diskussion über das Wachstum ein Faktor besonders wichtig: "Unsere Devise ist, dass wir ein moderates Wachstum wollen, von innen heraus." Zukäufe oder Verflechtungen des Kapitals mit Partnern schließt sie deshalb konsequent aus.