Der Bauerntag des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Kreisverband Kronach, am Sonntag im Festzelt in Haig stand ganz im Zeichen von Ehrungen und von einem mit Spannung erwarteten Referat von MdL Jürgen Baumgärtner (CSU). Der Landtagsabgeordnete musste dabei ein gellendes Pfeifkonzert über sich ergehen lassen.

Bei der Terminplanung für den Bauerntag stand als Festansprache Baumgärtners Referat zum Thema "Zukunft auf dem Land im Blick" auf der Tagesordnung. Doch zu diesem Zeitpunkt war noch nicht absehbar, dass der Abgeordnete mit seiner Idee, den Frankenwald zum Nationalpark vorzuschlagen, mediales Aufsehen erregen wird.


Aufgeheizte Atmosphäre

Die Atmosphäre war aufgeheizt, nicht nur durch den heißen Sommertag, sondern vor allem durch die Schlagzeilen, dass der Frankenwald zum Nationalpark werden soll. Während BBV-Kreisobmann Erwin Schwarz noch moderate Töne in seiner Einführung angeschlagen hatte, mit der Bereitschaft zum Dialog, gab es für den Präsidenten im BBV Oberfranken, Hermann Greif, schon vor der Rede Baumgärtners klare Worte. Er bekam viel Beifall, als er sich klar gegen einen Nationalpark ausdrückte. Der Frankenwald wurde 2017 zum Waldgebiet des Jahres gekürt, genau das sei geschehen, weil Waldbesitzer ihren Wald "durch nützen schützen!"

Wer für den Klimaschutz sei, der dürfe keinen Wald stilllegen, fand der Präsident ziemlich klare Worte gegen einen Nationalpark und er sprach auch aus den Erfahrungen um die Diskussionen eines Nationalparks Steigerwald. Der Wald würde seine Schutzfunktion verlieren, dazu kämen Nachteile durch eingeschränkte oder verbotene Jagd. Man dürfe nicht von oben, von München aus entscheiden, was im Frankenwald passiert, so das klare Wort vom Präsidenten.


Vertrauen enttäuscht

Nachdenklicher stimmte Erwin Schwarz auf das Thema ein. Er wolle zur Versachlichung gerne beitragen. Enttäuscht zeigte er sich aber über das Vorgehen von Jürgen Baumgärtner, der in einem Gespräch über seine Idee vom Nationalpark informierte und bat, nicht an die Öffentlichkeit damit zu gehen. Wenig später aber habe er dies aus den Zeitungen entnehmen können. Er habe kein großes Vertrauen mehr in Zusagen seitens der Politik. Zu oft sei man schon enttäuscht worden. Als Beispiele nannte er die Windräder bei Hain, Ausweisung von Landschaftsschutzgebiete, Hochwasserschutz etc. Immer habe es geheißen, es folgten keine Auflagen und später habe es Auflagen über Auflagen für die Landwirte gegeben. Es gebe nichts Besseres als eine Waldbewirtschaftung durch die Bauern, so auch Schwarz.

Und dann kam der mit Spannung erwartete Auftritt von MdL Jürgen Baumgärtner, der seine Herkunft aus einer Landwirtsfamilie im Bauerndorf Neufang betonte. Die Landwirte würden gebraucht und seien das Rückgrat des ländlichen Raums, betont Baumgärtner. Der Landkreis habe aber in wenigen Jahren 10 000 Einwohner verloren. Er möchte junge Menschen in der Region halten, dazu bedürfe es einer guten Infrastruktur (die B 173 werde in zwölf bis 15 Jahren kommen) - laute Pfiffe aus dem Auditorium.

"Wir haben Breitband in allen Kommunen auf den Weg gebracht, ein Verkehrslandeplatz Coburg soll kommen. Sicher ist schon dass ab 2018 der IC in Kronach halten wird", verwies Baumgärtner auf die vielfältigen Bemühungen, den Standort Frankenwald zu stärken. Doch die Pfiffe werden mehr. "Ich sehe das positiv als Beifall", so die Reaktion Baumgärtners, mit der er sich vollends den Unmut des Publikums zuzog. Nun doch etwas nervös geworden, rief er den Trillerpfeifenstörern zu: "Wenn ich eine Million mit dem Wald als Sägewerksbesitzer verdienen könnte, wäre ich auch gegen einen Nationalpark."


Neue Ideen

Man brauche neue Ideen, so Baumgärtner und weist auf den Nationalpark hin, worauf die lauter werden und ein nun doch genervter Abgeordnete ins Bierzelt ruft: "Erst hören und dann stören". Immer wieder geht sein Appell an die Gemeinsamkeit und an eine sachliche, ergebnisoffene und nicht verletzende, ohne persönliche Attacken stattfindende Diskussion im Dialog. Vor und Nachteile kämen auf den Tisch und man habe keinen Zeitdruck. Zum Schluss hat er ein Plakat des BBV "Werden wir noch gebraucht?" umändern lassen und zeigt: "Wir werden gebraucht" - Beifall und Puh- Rufe sowie grelle Trillerpfeifentöne mischen sich untereinander.

Die Retourkutsche gab es von Michael Heyder, ein junger Landwirt aus Ebersdorf. Baumgärtner sei gekonnt den Tatsachen ausgewichen und habe mit positiven Errungenschaften abgelenkt. "Da ist auch etwas Arroganz im Spiel", fand Heyder. "Der Nationalpark wird unsere Freiheit einengen und das Thema wird die Gesellschaft in der Region spalten, niemand will ein totes Land", fand Heyder deutliche Worte.


Ein Hinterbänkler

Darauf ging Baumgärtner nochmals ans Mikrofon und gab sich etwas bescheidener, indem er auf seine Rolle im Landtag als Hinterbänkler verwies: Man werde nicht gleich aktiv, wenn er huste. Wenn die Mehrheit der Bürger nach aller Abwägung des Für und Wider keinen Nationalpark möchte, dann könne er auch damit leben. Man solle aber die Chancen abwägen. Und dabei ging er auch kritisch mit seinen oberfränkischen Landtagskollegen um, denn die seien nicht solidarisch, rief er der Versammlung zu.