Es ist Montagabend. Rund 70 Laiendarsteller, Chormitglieder und Techniker proben in der Festhalle für ein Schauspiel, das bei den Besuchern tief unter die Haut gehen und nachhaltig beeindrucken soll. "Wenn die Leute reinkommen, müssen sie denken, sie sind in Jerusalem", so Chorleiterin Anja Knabner.

Seit November finden sich die Mitwirkenden meist zweimal pro Woche zusammen, um sehr diszipliniert für das großartige Projekt zu proben. Erzählt wird die Geschichte vom Leben, Leiden und Sterben Jesu.


Gesägt, gehobelt, gebaut


Das Podium der Tettauer Festhalle wurde mittlerweile in eine große Schaubühne mit einer farbigen und historischen Kulisse umgestaltet. "Unsere Männer haben gesägt, gehobelt und zusammengebaut", sagt Regisseurin Lydia Müller mit einem gewissen Stolz. Ilona Heimann freut sich: "Nächste Woche kann ich nähen." Sie ist es, die mit Sabine Heinz und Ines Pechtold die historischen Gewänder näht,

Lydia Müller, die auch die Gesamtleitung inne hat, stellte bei den letzten drei Passionsspielen 2001, 2003 und 2006 die Figur von Maria, der Mutter von Jesus, dar. Es sei eine Rolle gewesen, die ihren Glauben noch mehr gestärkt habe. Sie haben viele Emotionen durchlebt, erinnert sie sich.


Jörg Schrepfer übernimmt die Hauptrolle


Jörg Schrepfer wird als Jesus Hauptdarsteller sein. Für ihn, der in der Neuseser Theatergruppe aufgewachsen ist, sind Aufführungen nichts Neues. Aber diese Rolle sei etwas Besonderes, meint er. So beschäftigte er sich in den vergangenen Wochen intensiver mit Bibeltexten. Er wolle den Menschen nahebringen, "wie groß die Liebe Jesu und Gottes uns Menschen gegenüber war und ist".

Er wolle eine gewisse Ausstrahlung rüberbringen. "Ich hoffe, dass die Besucher wieder einmal die Bibel zur Hand nehmen und wieder mehr erkennen, welch wesentlichen Einfluss die Kirche auf die heutigen gesellschaftlichen Werte hat."

Chorleiterin Anja Knabner, spricht davon, bei den Passionsspielen den Glauben im Gesang ausdrücken zu wollen. Die Passion sei auch eine Herausforderung für den Chor, denn die Zuschauer sollen im "Herzen getroffen und berührt werden".


Theologisch anspruchsvoll


"Die Zeit für die Aufführung der Passionsspiele ist reifer denn je", meint Lydia Müller. Wie sie weiter ausführt, sind die Mitwirkenden zwischen zehn und 73 Jahre alt und kommen aus den fränkischen Rennsteig-Gemeinden.
Stolz auf seine Kirchengemeinde, die ein so theologisch anspruchsvolles Laienspiel auf die Beine bringt, ist Pfarrer Jörg Zech. Durch diese Aufführungen würden die christlichen Werte des Abendlandes dargestellt. Faszinierend seien die Menschen, die sich leidenschaftlich auf dieses Glaubensthema einlassen.

Die Mitwirkenden sind überzeugt, dass die Passionspiele Spuren hinterlassen werden, zumindest was den Markt Tettau und die Rennsteig-Region betrifft. Sie hoffen aber auch, dass der eine oder andere wieder mehr den Weg zu Jesus und Gott findet.