Die ersten Etappe ist nach elf Monaten geschafft, die vorbereitende Untersuchung zur Stadtsanierung abgeschlossen. Wenn der Stadtrat in seiner Sitzung am 26. Januar den Satzungsbeschluss gefasst hat, kann es losgehen.

Zu allererst ist das Kirchenumfeld dran, dann der Marktplatz. Weitere Projekte folgen. Auch privates Engagement wird belohnt. Es gibt - ebenso wie bei den öffentlichen Vorhaben - 80 Prozent Zuschuss und auch noch steuerliche Anreize durch Abschreibungsmöglichkeiten. Darauf verwies Bürgermeister Jens Korn am Dienstagabend bei der Vorstellung der fast 100 Seiten starken vorbereitenden Untersuchung durch Leonhard Valier vom Büro für Städtebau Bamberg und Gunter Schramm von Planwerk. Das Stadtoberhaupt wies darauf hin, dass auch bei einem vereinfachten Verfahren wie dem in Wallenfels alle Vorhaben genehmigungspflichtig sind. "Diese Folterwerkzeuge werden wir aber mit Augenmaß nutzen", versprach Jens Korn.

Er verglich die Stadt Wallenfels mit einem Patienten, der wieder gesunden solle. Die Entwicklung der vergangenen Jahre habe Wunden hinterlassen. Der Patient müsse an der einen oder anderen Stelle abspecken, sich kosmetischen Operationen unterziehen und sein Kreislauf müsse wieder in Schwung gebracht werden. "Es wird an einigen Stellen auch schwere Eingriffe geben müssen, zum Beispiel Abrisse", kündigte der Bürgermeister an. Der Abriss sei für ihn aber immer die letzte Wahl. "Wir haben in Wallenfels sehr viel, auf dem wir aufbauen können. Und vor allem haben wir ein Erbe, das einzigartig ist: die Flößerei", verdeutlichte Jens Korn. Das müsse man stärker sichtbar machen und deshalb habe man die Sanierung der beiden alten Schleusen mit in den Katalog aufgenommen. Die Punkte der Stadtsanierung seien nicht in Stein gemeißelt, die Kosten ebenso nicht. Bei Bedarf könne man jederzeit etwas ändern.


Die Förderung nutzen

"Wir werden immer weniger und wir werden immer älter", wies der Bürgermeister auf die demografische Entwicklung hin, die ihre Spuren hinterlasse, zum Beispiel bei den Leerständen. Die Veränderungen in der Einzelhandelsstruktur stellten die Stadt vor Herausforderungen. Man müsse sich auch mit Fehleinschätzungen bei der Planung beschäftigen, zum Beispiel beim Kulturzentrum. "Das Konzept hat nur ein paar Jahre funktioniert. Was machen wir mit diesem Haus?", fragte der Bürgermeister. Hinsichtlich der Förderung befinde man sich in einer Zeit, die noch nie so gut gewesen sei. Deshalb sei die Stadtsanierung eine Riesenchance für die Stadt Wallenfels und die Eigentümer der Häuser. "Heuer wollen wir das erste Projekt anpacken und im Herbst mit dem Kirchenumfeld fertig sein, damit wir dann am Marktplatz mit der Sanierung beginnen können", kündigte Jens Korn an.


35 Jahre zugeschaut

Leonhard Valier verdeutlichte, dass die Wallenfelser bei ihrer Stadtsanierung Geduld haben sollen, "denn wir müssen in Dekaden denken, nicht in Jahren". 1980 habe die negative Entwicklung angefangen: "Da haben Sie 35 Jahre zugeschaut. Jetzt dauert das einige Zeit."

Knapp 28 Hektar groß sei das Untersuchungsgebiet gewesen. Daraus habe sich ein Sanierungsgebiet von knapp 26 Hektar Größe ergeben. Valier schlug eine umfangreiche gestalterische Aufwertung des Marktplatzes, der "guten Stube" der Flößerstadt, hervor. Zu allererst, weil zeitlich kurzfristig machbar, sei das Kirchenumfeld dran. Später solle man sich dem Kulturzentrum widmen und ein längerfristiges Nutzungskonzept finden.

Das Wallenfelser Alleinstellungsmerkmal Wilde Rodach und Flößerei solle man weiter ausbauen, denn "da verschenken Sie viel Potenzial". Eine Herausforderung würden die Nutzungskonzepte für den Leerstand. "Das geht von der Neunutzung bis zum Abriss", zeigte Valier die Bandbreite auf. Die Schwächen in den Straßenräumen solle man beheben, vor allem in der Hauptstraßenachse. Das Gastronomie- und Hotelangebot müsse angepasst, die Einzelhandelsstandorte müssten erhalten werden.

21 Maßnahmen wurden von den Fachleuten im Zuge der Stadtsanierung in Wallenfels vorgeschlagen. Die Bürger und die Stadträte entschieden sich für folgende Prioritätenliste:

1. Kirchenumfeld. Das ist relativ schnell umsetzbar, kann schon heuer angepackt werden und hat Leuchtturmcharakter. Die Kosten sind mit 180.000 Euro überschaubar.

2. Marktplatz. Das ist die "gute Stube" der Flößerstadt. Mit einem Bündel von Maßnahmen soll mehr Aktivität reingebracht werden. Vor allem gibt es Bedarf an Wohnraum für Ältere und Jüngere. Noch heuer will man in die konkrete Planung einsteigen. Die Kosten werden auf 980.000 Euro geschätzt.

3. Kulturzentrum und Kurzentrum. Da gilt es, ein tragfähiges Nutzungskonzept zu finden. Vor allem die Räumlichkeiten im Untergeschoss bieten riesige Möglichkeiten. Die Kosten liegen bei 430.000 Euro.

4. Die beiden alten Schleusen. "Das ist Industriekultur", sagte Gunter Schramm anerkennend. Beide Anlagen sollen baulich aufgewertet werden, um Wanderer und Radfahrer aufmerksam zu machen und in die Stadt reinzuziehen. "Der erste Schritt ist, jemand zum Anhalten zu bringen", verdeutlichte Schramm. Kosten: 700.000 Euro.

5. Ehemaliger Kindergarten. Ein neues Nutzungskonzept ist für diesen Komplex, der sich im Besitz der Kirche befindet, nötig. Mit einem möglichen Träger soll geprüft werden, ob Seniorenwohnungen eingerichtet werden können. Geschätzte Kosten: 1,25 Millionen Euro.

6. Bergschneidmühlenplatz. Flößerei und Holz sowie der museale Bereich sollen in den Vordergrund gerückt werden. Auch hier wurde von den Fachleuten ein neues Nutzungskonzept vorgeschlagen. Das Projekt kostet 580.000 Euro.


80 Prozent Förderung

Alle sechs Projekte kosten zusammen vier Millionen Euro. Obwohl es dazu eine 80-prozentige Förderung gibt, werden sie laut Bürgermeister Korn (CSU) nur über einen längeren Zeitraum zu verwirklichen sein.