Heiner Eidloth sitzt im "Jagdzimmer" seines Hauses in Steinberg. An den Wänden hängen Jagdtrophäen. Auf der Ablagefläche seiner Eckbank finden unter anderem Kreuze sowie alte Gebetbücher ihren Platz und auch eine wunderschöne Kerze, die die beiden Kirchen St. Pankratius ziert.

Das Zimmer ist der Lieblings-Arbeitsplatz des 64-Jährigen. Dort hat er - auf Wunsch der Pfarrei St. Pankratius - die Festschrift zum 100. Kirchenjubiläum geschrieben. Einen Entwurf des 140 Seiten starken Werks hat Heiner Eidloth vor sich liegen. Auf der von ihm aufgeschlagenen Doppelseite sind links Bilder vom Kircheninneren zu sehen, rechts steht der Text mit den entsprechenden Erläuterungen.

Im Jagdzimmer

Unter einer Festschrift stellt man sich eigentlich etwas anderes vor - ein eher dünnes Heftchen im DIN A5-Format. In dieses Muster will die Festschrift so gar nicht passen, doch von einer Chronik mag Heiner Eidloth nicht sprechen. "Ich lege Wert darauf, dass es keine Chronik ist. Es ist das, was eine Festschrift sein soll, nämlich eine Schrift zum Fest", so der gebürtige Wilhelmsthaler, der mit seiner Familie schon bald nach Steinberg verzog. 1978 verließ er den Landkreis aus beruflichen Gründen und lebte über 30 Jahre in Weilimdorf, einem Stadtteil von Stuttgart. 2011 kehrte er mit seiner Ehefrau Erika und Sohn Andreas in seine alte Heimat zurück - eine Entscheidung, die für ihn schon immer festgestanden habe. Seitdem wohnen die drei in einem ruhig gelegenen Haus am Ortsrand von Steinberg. Zu dem Haus gehört auch sein Büro, dass - laut Heiner Eidloth - bis unter die Zimmerdecke voll mit Büchern und Informationsmaterialien ist. Fürs Schreiben zieht er sich aber lieber in sein gemütliches Jagdzimmer zurück, weil es sich dort am besten schreiben lasse.

Bilder und Dokumente

In diesem Zimmer war der 64-Jährige seit Beginn dieses Jahres jeden Tag anzutreffen. Wie viele Stunden er und sein Sohn für die Festschrift gebraucht haben, vermag er nicht zu sagen. "Wir haben uns jeden Tag damit beschäftigt - manchmal vielleicht nur eine halbe Stunde, manchmal sicherlich auch sechs Stunden", erklärt Heiner Eidloth, dessen Liebe zu seiner Heimat man in jedem seiner Sätze deutlich raus hört. Diese und der Wunsch, dass die Zeugnisse aus seiner Heimat und der Kirchengeschichte nicht verloren gehen, bewegten ihn zum Schreiben dieser Festschrift, die viele neue Bildmaterialien und Dokumentationen enthält. Auch das Steinberger Heimatbuch stammt aus seiner Feder. Das mehr als 300 Seiten umfassende Werk erschien 2004, nachdem er über zehn Jahre daran gearbeitet hatte.

Und wie kam er nun dazu, fern der Heimat ein Buch über seine Heimat zu schreiben? "Ich erhielt damals von verschiedenen Personen, unter anderem auch von Pfarrer Reuther, mehr und mehr Aufzeichnungen über Steinberg. So bin ich hineingeschlittert", erinnert er sich. Eigentlich habe ein Team von fünf oder sechs Leuten jeweils ein eigenes Aufgabengebiet übernehmen sollen, wodurch die Recherchen leichter gewesen wären. "Ich hatte schließlich ein ganz Sammelsurium an Informationen, Berichten und Fotos, die sortiert und ausgewertet werden mussten", blickt er zurück. Diese habe er schließlich mit dem Schwerpunkt Kirche geordnet und bestimmte Abläufe hinein gebracht. Wichtige Informationen habe er insbesondere auch von Katharina Müller, in Zusammenhang mit der Zulassungsarbeit ihres Sohnes, Martin Müller, erhalten. Seine Ehefrau Erika Eidloth habe ihn sehr unterstützt. So brachte sie sich selbst die Sütterlinschrift bei, um die ganzen Dokumente zu übersetzen. Sie habe auch mit ihm die Archive Bambergs und Bayreuths und die Kronacher Stadtbibliothek durchstöbert, wo man richtige Wälzer gefunden habe.

Man wird nie fertig

Trotz aller Bemühungen werde man mit den Nachforschungen nie fertig. Das gelte für das Heimatbuch und auch jetzt für die Festschrift. Bei der Festschrift wurde ihm von Thomas Stadelmann, Clemens Nowitzki und Hans Hablitzel zugearbeitet, die beispielsweise Bilder beisteuerten. Beide Werke seien keinesfalls vollständig. "Die Festschrift hat 140 Seiten. Wir mussten halt Schwerpunkte setzen. Größten Wert haben wir auf viele Bilder gelegt und auf eine Bestandsaufnahme unserer Martern und Kapellen", verrät Heiner Eidloth. Jetzt hinterfrage er schon, was man noch hätte einbringen oder vertiefen können. Sicher ist er sich, dass es noch vieles für die Zukunft gebe, was eine Aufarbeitung lohne. Deshalb wünscht er sich, dass jemand von den "Jungen" diese Arbeit fortführt. Ein Nachtrag oder eine Ergänzung könnte beispielsweise in zwei Jahren erfolgen, wenn Steinberg "500 Jahre selbstständige Pfarrei" feiere. "Ich betrachte das Ganze als Hobby", erklärt Heiner Eidloth, der unter anderem auch für die Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des TSV Steinberg verantwortlich war und alle Arbeiten ehrenamtlich macht. Auch Unkosten lässt er sich nicht erstatten.

Dabei legt er in allem, was er tut, viel Wert aufs Detail. Ganz wichtig war es ihm, dass die Festschrift in einem würdigen Rahmen erscheint. "Ich wollte eine Festschrift, die man ins Bücherregal stellt und kein Heftchen, das in irgendeiner Schublade verschwindet", betont er. Dafür sei das Werk viel zu wertvoll. Abgesehen vom hohen Zeit- und Arbeitsaufwand, der darin stecke, seien ja auch Grußworte von Erzbischof Ludwig Schick und Regionaldekan Thomas Teichgräber enthalten. Zu sehen sind darin beispielsweise auch Bilder vom Wolfgang Hergeth. Der Inhaber einer Malschule in Wernau hatte vor Jahren die beiden Kirchen gemalt. Eines dieser Bilder ziert auch den Umschlag des Steinberger Heimatbuchs. Diese und andere Bilder waren mit ein Grund, warum man das DIN A4-Format wählte.