"Ihr müsst so sein wie die Borgs bei Raumschiff Enterprise. Jeder muss wissen, was der andere denkt" - Johannes Enders sitzt auf einer Schulbank im sonnendurchfluteten Atrium der Maximilian-von-Welsch-Realschule. Er lässt die Füße baumeln, auf seinem Notenständer hat er die Noten der Sinfonie Nr. 1 op. 68 von Johannes Brahms. Vor ihm sitzen glücklicherweise keine Borgs, sondern ganz "friedliebende" Streicher jeden Alters, denen der etwas gewagte Vergleich mit dem fiktiven Volk aus den Star Trek-Filmen ein Grinsen ins Gesicht zaubert. Doch die Botschaft kommt an. "Konserviert euch das.

Das müsst ihr unbedingt erhalten", strahlt Enders begeistert in die Runde, nachdem die gleiche Passage nunmehr in einem wohligen Gleichklang zu hören ist - schön! Borgs, Raumschiff Enterprise, Gedankenübertragung - solche Vergleiche würde man sicherlich nicht unbedingt auf Anhieb mit solch traumhafter Musik in Verbindung bringen, die am Sonntag, 4. Oktober, im Rahmen der diesjährigen Kronacher Klassik Akademie (KKA) zu hören sein wird.


Alles andere als gewöhnlich

Das Orchesterprojekt ist ja auch alles andere als gewöhnlich. Wo sitzen schon mehrere Generationen nebeneinander, um gemeinsam Musik zu machen? Seit 2004 führt die KKA einmal im Jahr engagierte Musiker aus ganz Oberfranken und den umliegenden Regionen zusammen, um in intensiven Probenwochenenden unter Anleitung erfahrener Dozenten ein anspruchsvolles sinfonisches Programm zu erarbeiten.

"Das Orchesterprojekt ging aus den Gedenkkonzerten für Burghard Fussek hervor", erzählt Johannes Enders, seit 2004 Dozent und Konzertmeister bei der KKA und beim Jugendsinfonieorchester Oberfranken. Seinen ersten Violin-Unterricht erhielt Enders eben bei jenem 1999 verstorbenen Musikpädagogen, der zunächst am Kronacher Kaspar-Zeuß- und dann über 20 Jahre lang am Frankenwald-Gymnasium wirkte. Auch aus diesem Grund sei das Projekt für Enders schon etwas Besonders.

Sehr bemerkenswert sei, dass sich das Projekt selbst finanziere. Die größte Herausforderung sei für ihn die kurze Probenzeit, nach der das Zusammenwirken als Gruppe funktionieren müsse. "Das für mich schönste Erlebnis war 2010 als Violin-Solist der "Schottischen Fantasie" von Max Bruch", erinnert er sich.

Zum siebten Mal ist Eva Friedrich dabei, die das Waldhorn bläst. Dem Publikum ist sie insbesondere auch als Sopranistin bekannt. Die Stockheimerin studiert Operngesang an der Universität der Künste in Berlin. "Während meines Studiums ist es schwierig, in einem Orchester zu spielen. Deshalb freue ich mich immer sehr auf die KKA, natürlich auch weil sie in meiner Heimat ist", strahlt sie. Mittlerweile hätten sich gute Freundschaften entwickelt.

"Ich spiele leidenschaftlich gerne", sagt Reinhold Loho (Viola) aus Würzburg. Der pensionierte Schulleiter ist im zweiten Jahr dabei. "Ich bin seit 2008 im Ruhestand und nutze jede Gelegenheit, im Orchester zu spielen. Mir gefällt es, wie Jüngere neben Älteren sitzen und Musik machen", schwärmt er. Hinter der KKA stecke viel Engagement. Der Dirigent habe eine gute Hand dafür, ein Laienorchester mit den unterschiedlichen Ansprüchen zu leiten.


Auf einem hohen Niveau

Mitorganisator Stephan Gesell freut sich gerade auch über die auswärtigen Mitwirkenden, die teilweise nicht unerhebliche Wege auf sich nehmen würden.

Vor den beiden Abschlusskonzerten liefe so Einiges, das die Zuhörer nicht mitbekämen. Es müssten beispielsweise Teilnehmer, Dozenten, Helfer sowie Gastfamilien gewonnen, Noten verschickt und Werbung gemacht werden. An den Wochenenden würden die Mitwirkenden schließlich auch bekocht. "Es ist viel Arbeit, aber man bekommt unwahrscheinlich viel zurück", ist er sicher.

Leiter des Orchesterprojekts ist Burkhart M. Schürmann. "Die Programmgestaltung ist ein akrobatisches Jonglieren mit etlichen Faktoren", weiß er. Die Werke sollten besetzungstechnisch und thematisch zusammen passen. Sie müssten für engagierte Hobby-Musiker noch spielbar, dürften aber auch nicht zu leicht sein, weil sonst der Anreiz fehle. Bei Saint-Saëns und Mozart komme es darauf an, die Leichtigkeit und Geschmeidigkeit der Faktur zum Klingen zu bringen. Die Sinfonie von Brahms sei vertrackt und kompliziert und führe das Orchester an die Grenzen des Machbaren. "Dafür belohnt uns Brahms mit dem Erlebnis von Tiefe und gehaltvoller Komplexität, während Sait-Saëns und Mozart selbst in den melancholischen Momenten noch spielerische Eleganz versprühen", schwärmt er.

Der Reiz der KKA liege für ihn darin, allein durch das unermüdliche Engagement vieler begabter Menschen großartige Musikwerke zur Aufführung zu bringen. Erklärtes Ziel sei es auch, junge Instrumentalisten aus der Kronacher Region zu fördern. Die KKA entwickele sich Schritt für Schritt weiter. "Bislang sind die angesetzten Werke immer anspruchsvoller geworden und haben mittlerweile ein Niveau, das mit den Möglichkeiten eines Liebhaber-Orchesters nicht mehr gesteigert haben kann", zeigt er sich sicher.

Die Abschluss-Veranstaltungen finden am 4. Oktober um 11 Uhr und um 16 Uhr im Atrium der Maximilian-von-Welsch-Realschule statt. Auf dem Programm stehen das Konzertstück für Horn und Orchester op. 94 von Camille Saint-Saëns, das Konzert für Oboe und Orchester KV 314 von Wolfgang Amadeus Mozart und die Sinfonie Nr. 1 op. 68 von Johannes Brahms.