Nicht schlecht staunte Torsten Michel, Geschäftsleiter im Küpser Rathaus, als kürzlich eine Mail vom Antiquariat Kurz in Oberaudorf, Landkreis Rosenheim, bei ihm landete. Zwei Protokollbücher der Gemeinde Schmölz aus den Jahren 1892 bis 1899 beziehungsweise 1899 bis 1906, wurden der Marktgemeinde zum Kauf angeboten.

Nach kurzer Beratung mit Bernd Rebhan, der Bürgermeister Herbert Schneider vertreten hatte, setzte er sich telefonisch mit dem Antiquariat in Verbindung. Weil der Markt Küps Rechtsnachfolger der Gemeinde Schmölz ist, wurden die Bücher den Küpsern auf Anfrage schließlich sogar kostenlos überlassen. Da die immer noch sehr gut erhaltenen Werke über längere Zeit in Oberaudorf lagerten, ließ sich dort deren Herkunft nicht mehr klären.

Sehr gut lesbar

Fakt ist, dass die Protokollbücher bei der Auflösung der Gemeinde Schmölz nicht vorhanden waren. Offenbar wusste niemand von der Existenz der handschriftlich verfassten und nach wie vor sehr gut lesbaren Protokolle.
Nach der Eingemeindung von Schmölz in den Markt Küps wurden alle vorhandenen Unterlagen am 2. Mai 1978 durch den letzten Schmölzer Bürgermeister Ewald Zöllner an Bürgermeister Raimund Schramm übergeben. Auf der offiziellen Niederschrift finden sich die nunmehr aufgetauchten Bücher jedoch nicht.

Ewald Zöllner zeigte sich erfreut, dass die Bücher wieder in der Heimat angekommen sind. In der damaligen Gemeindekanzlei, dem heutigen Feuerwehrhaus, waren die Bücher nach seinen Worten wohl nie gewesen. Vor dem Bau des Feuerwehrhauses hatten die damaligen Schmölzer Bürgermeister ein Amtszimmer im heutigen evangelischen Gemeindehaus neben der Kirche.

Gemeinderat entschied über neue Hebammen

Da in den kleinen Gemeinden mangels Rathäusern die Unterlagen oft bei den jeweiligen Bürgermeistern zu Hause lagerten, kann der Weg der Bücher von Schmölz aus bis zum Antiquariat nicht nachvollzogen werden.
Wie weit sich in den mehr als 120 Jahren die Verhältnisse geändert haben, zeigt ein Blick in die Bücher. Beispielsweise hatte der Gemeindeausschuss (heutiger Gemeinderat) mehrfach über Anträge zu entscheiden, wenn sich Frauen als Hebamme in Schmölz niederlassen wollten.

"Die ledige Korbmacherin Margaretha Bärenz will den nächst stattfindenden Hebammenlehrkurs besuchen und sich dann in der Gemeinde niederlassen. Die Gemeinde erhebt dagegen keinen Einspruch und befindet Margaretha als besonders geeignet", so das Protokoll des Gemeindeausschusses vom 14. März 1897.

In nahezu jeder Sitzung wurde zahlreichen Bürgern die Konzession zur Verehelichung unter Angabe der Berufsbezeichnung und der Herkunft ihrer Ehefrau erteilt. Die Zusammenstellung dieser Berufsangaben ist sehr aufschlussreich und gibt einen Einblick in die damalige Berufswelt.

Beispielsweise erhielt der Bader Georg Ritz die Genehmigung, Barbara Zipfel aus Trainau zu heiraten, und bekam somit das Bürgerrecht der Gemeinde zugesprochen; ebenso die Korbmacher Julius Lindner, Karl Wilhelm Bauer und Georg Herzog, der Zimmermann Nikolaus Kretz und der Ökonom Simon Hopf.

Keine Völlerei geduldet

Auch für die Gaststättengenehmigungen war die Gemeinde seinerzeit selbst zuständig. "Der Gastwirt Johann Schmidt erhält die Konzession zum Betrieb seiner Gastwirtschaft, da zweifellos ein Bedürfnis in der Gemeinde vorhanden ist. In Schmölz wohnen derzeit 630 Seelen und es ein reger Verkehr an reisenden Fuhrwerken vorhanden. Die Lokalitäten entsprechen den polizeilichen Anordnungen und gegen den Gesuchsteller liegen keine Gründe vor, welche die Ausübung der Gastwirtschaft untersagen würden. Schmidt duldet weder falsches Spiel noch Völlerei; auch kommt in dessen Wirtschaft nichts vor, das unsittlich genannt werden könnte", wird bei der Sitzung am 23. Februar 1897 festgehalten.

Nur wenige Tage später, am 24. März 1897, erhält die Gastwirtswitwe Katharina Häublein die persönliche Konzession zum Betrieb einer Gastwirtschaft auf ihrem Anwesen Nr. 26.
Schon am 4. Januar 1989 wird dem Flaschenbierhändler Georg Wagner die Konzession zum Betrieb einer Bierwirtschaft auf Nr. 13 erteilt, da hierfür ein Bedürfnis vorhanden ist. Die Begründung ist für heutige Verhältnisse kaum mehr nachvollziehbar: "Im oberen Dorf sind oberhalb des Anwesens Nr. 13 etwa 22 bis 24 Haushaltungen, die ihr Bier von sehr weit weg holen müssen und dadurch wird sehr viel Zeit versäumt. Es ist nicht zu erwarten, dass Wagner seine Wirtschaft zur Völlerei, zum verbotenen Spiel und zur Unsittlichkeit gebrauchen wird. Auch die Lokalitäten sind völlig entsprechend."

Erwachsene sollen kehren

Abgelehnt wurde das Gesuch des Lehrers Netzsch, der forderte, dass künftig erwachsene Personen das Schulzimmer auskehren sollten. Der Grund für die Entscheidung am 29. Juni 1899 liegt auf der Hand: "Weil sonst der Etat überschritten würde". Das Geld war in den kleinen Gemeinden sehr knapp.

Eine Strafe von einer Mark sollten schließlich Ausschussmitglieder zahlen, die ohne Entschuldigung "von den anberaumten Sitzungen" fernblieben. Bei der Sitzung am 6. Oktober 1892 waren nur fünf von zehn Mitgliedern erschienen und es "konnte nichts beschlossen werden".

Trotzdem einigten sich die Anwesenden auf die Strafzahlung. Ob es letztlich zu den Zahlungen kam, lässt sich nach einem ersten Blick in die Sitzungsbücher nicht belegen.

Diplom-Historiker Rudolf Pfadenhauer, der die Chronik zur 800-Jahr-Feier von Schmölz 1994 erstellte, bezeichnet die historischen Werke nach einer ersten Sichtung als sehr wertvoll für die Ortsgeschichte. Aufbewahrt werden die beiden Protokollbücher künftig im Küpser Rathausarchiv. Bernd Rebhan