Die Firma Friedrich Joerg will anbauen. Gegen die geplante Erweiterung gibt es großen Widerstand der Anwohner. Vor allem gegen den Lärm auf Grund des Anlieferverkehrs sowie durch die Maschinen, deren Geräusche durch offene Fenster und Türen bis zu den Häusern der Anwohner vordringen, soll vorgegangen werden.

Ein großer Teil der Lärmbelastung wird sich erledigen, weil die Spritzmaschinen in den Neubau verlagert werden, der automatisch be- und entlüftet wird. Im Altbau werden keine lärmintensiven Arbeiten mehr durchgeführt.


Eine Verlagerung ist nicht möglich

Das ist das Ergebnis einer Informationsversammlung, die am Donnerstagabend von einem Mediator, dem ehemaligen Regierungsvizepräsidenten Horst Müller, geleitet wurde und zu dem die Firma Joerg eingeladen hatte, um die Wogen durch entsprechende Erläuterungen der Hintergründe zu glätten. Horst Müller versuchte, den Nachbarn die Zwickmühle, in der sich die Firma Joerg befindet, verständlich zu machen. Und er forderte von Unternehmen und Gemeinde Lösungen, damit die Anwohner weniger Anlass zur Klage haben.

Eine Verlagerung der gesamten Firma ins Gewerbegebiet scheidet aus Gründen der Wirtschaftlichkeit aus. Eine Verlagerung eines Teils der Firma würde keine Verbesserung für den Betriebsablauf bringen. Also bleibt für die Firmenleitung nur die Optimierung der Betriebsabläufe durch Anbau, Verlagerung der Spritzerei und Einbeziehung der Lagerkapazitäten, die bisher nach Wallenfels ausgelagert waren. Die Lärmbelastung durch Laster und Maschinen soll reduziert, das Gebot der Rücksichtnahme auf die Anwohner soll an die Mitarbeiter weitergegeben werden.


Lüftungsanlage im Neubau

Weil in den Neubau eine Lüftungsanlage reinkommt, wird es weniger Lärm geben, da die Fenster bei warmer Witterung nicht mehr geöffnet werden. Die Lärmquellen sind im Neubau untergebracht. Die Entladegeräusche werden durch die Einhausung minimiert. Auch nachts werden Geräusche von 39,8 (offene Tür) bzw. 34 Dezibel (geschlossene Tür) eingehalten. Gesetzlich zulässig wären 45 Dezibel. Erst in den vergangenen Tagen vor der Informationsveranstaltung seien die Fenster und Türen immer geschlossen gewesen, merkte eine Anwohnerin an. Wenn das immer so gewesen wäre, hätte es keine Gründe zur Beanstandung gegeben.


Pendelverkehr fällt weg

Eine ganze Reihe von Anwohnern folgte der Einladung der Firma Joerg zur Informationsveranstaltung über die Erweiterungspläne. Besonders die Verkehrsbelastung durch den Lieferverkehr wurde angesichts der Nähe des Kindergartens und der Vielzahl der Wohnbebauung als sehr störend empfunden. Und die Lärmbelastung durch die Firma selbst stört die Anwohner besonders. Von früh um sechs Uhr bis abends um zehn Uhr gebe es Lärm, kritisierte eine Anwohnerin.

Zwei Stanzmaschinen seien eingehaust, für die dritte Maschine, die wenig eingesetzt werde, habe man Angebote für eine Einhausung eingeholt, so dass sich die Lärmbelastung reduzieren werde, sagte Matthias Langheinrich, Prokurist bei der Firma Joerg. Die Lärmbelastung werde von 86 auf 76 Dezibel an der Maschine reduziert. Das sei sehr viel, stellte Horst Müller fest.

Ob man "diesen Klotz da reinsetzen" solle, wurde gefragt. Man könnte den Werkzeugbau und die Verwaltung am bisherigen Standort lassen und die Produktion ins Gewerbegebiet Gries verlagern, schlug ein Anwohner vor. Das sei aus Gründen des Betriebsablaufs nicht möglich, widersprach Matthias Langheinrich. Man müsse immer schnell reagieren können. Abstimmungen der Betriebsabläufe seien nötig.


Der Pendelverkehr fällt weg

Geschäftsführender Gesellschafter Thomas Püls sagte, es sei für die Anwohner wichtig, sich die richtigen Informationen zu holen. Bisweilen seien nicht immer richtige Infos weitergegeben worden. Die Firma Joerg bestehe seit 93 Jahren. Seit Jahrzehnten sei das Unternehmen in der Louis-Dietrich-Straße ansässig. Pro Monat kämen vier bis fünf 40-Tonner zur Firma Joerg, pro Tag etwa drei bis vier mittlere und kleinere Laster. Das untermauerte er mit Strichlisten, die die Firma geführt hatte. Der Pendelverkehr zum Außenlager Wallenfels falle künftig komplett weg. Es würden nicht mehr Mitarbeiter beschäftigt, der Umsatz der Firma Joerg sei seit Jahren gleich. Es handle sich bei der Baumaßnahme nicht um eine Vergrößerung, sondern eine Verlagerung. Manche Rohstoffe müsse man ein Jahr im Voraus kaufen, verdeutlichte Püls. Die Kunden hätten kein Lager mehr. Deshalb habe die Firma Joerg für mehrere Millionen Euro Teile eingelagert. Man sei auf einen kleinen, festen Kundenkreis fixiert. Die gesamte Firma könne nicht verlagern. Sie sei seit Jahrzehnten am Standort ansässig. "Ich kann die Firma nicht wegzaubern", sagte er.

Die Arbeitsprozesse sollten durch den Neubau entzerrt und optimiert werden, sagte Prokurist Matthias Langheinrich. Wo die Maschinen jetzt stünden, werde man Lagerkapazität für Halbzeuge schaffen. "Die Ware von Wallenfels wird im neugebauten Lager eingelagert", bestritt er, dass eine Vergrößerung der Produktionskapazität angedacht sei. Man werde nicht mehr Maschinen anschaffen. Bisher habe man für jede Maschine einen Kran. Künftig werde man nach der Verlagerung einen Kran für alle Maschinen haben, um die Werkzeuge in die Maschinen einzuheben.


Verständnis für die Bedenken

Mediator Horst Müller, ehemaliger Regierungsvizepräsident, blickte zurück, im Vorfeld habe es Probleme gegeben. Der Betrieb solle nicht erweitert, sondern umstrukturiert werden. Das Arbeiten solle auch für die Mitarbeiter angenehmer werden. Ein Hauptproblem solle die Verkehrsbelastung sein. Die Zufahrt sei zum Teil etwas eng. Aber der Bereich in der Gemeinde sei historisch gewachsen. Die Mitarbeiter der Firma Joerg seien angehalten, nicht auf der Straße zu parken, sondern auf dem Betriebsgrundstück. Hierfür sei die notwendige Anzahl an Parkplätzen jetzt schon vorhanden und alle Mitarbeiter parkten auf dem Betriebsgelände. Die Firma beabsichtige eine funktionale Verbesserung, keine Vergrößerung. Horst Müller zeigte Verständnis für die Bedenken der Anlieger, die in der Nähe der Firma wohnen. Er sah aber keine Ablehnungsgründe durch die Genehmigungsbehörde Landratsamt Kronach.

Die großen Laster führen in die Einhausung. Es kämen ein bis zwei große Laster pro Monat mehr, aber der Verkehr durch kleinere Laster werde sich reduzieren. Den Verkehr am Altbau durch kleinere Laster am bisherigen Bau und das Entladen durch Gabelstapler werde es weiter geben.


In Fertigbauweise

Gerd Bauer von der bauausführenden Firma Dechant sagte, der Anbau solle in Fertigbauweise errichtet werden. Bisher hätten die Gebäude eine Höhe von acht Metern. Künftig werde die höchste Gebäudehöhe bei 9,70 Metern liegen. Die Höhe sei wegen des Einsatzes nur noch eines Krans, der größere Lasten heben könne, nötig. Die Spritzerei werde verlagert, das Lager angegliedert. Die Schallemissionen würden reduziert. Beeinträchtigungen von Nachbargrundstücken seien nicht gegeben. Die Abstandsflächen würden eingehalten.

Bürgermeister Norbert Gräbner (SPD) sagte auf Fragen zur Verkehrssituation, es sei eine Entschärfung möglich. Dazu müsste die Gemeinde Grunderwerb tätigen. Horst Müller forderte ihn auf, in dieser Hinsicht tätig zu werden.