Wie der Weg durch eine Allee mutete es an, wenn man von der Einmündung zur Kreuzbergklause bis zur nächsten Marter hinabfuhr. Bis dicht an den Straßenrand stand in diesem Waldabschnitt eine Baumreihe. Die Marter wurde von hohen Linden flankiert. Und auch der Fußweg zur Kreuzbergkapelle wurde von knorrigen Bäumen beschattet. Nach den jüngsten Waldarbeiten hat sich dies geändert.

Die Spaziergänger schimpfen darüber ebenso wie über die "Unordnung" im unteren Waldbereich nach der dortigen Durchforstung. Der Verdacht, der an unsere Zeitung herangetragen wurde: Die Wälder werden verschandelt, um in den Zeiten des Pellet-Booms schnelles Geld mit dem Holz zu machen. Ein Irrtum, wie sowohl Einsatzleiter Tobias Wicklein von der Waldbesitzervereinigung (WBV) Kronach-Rothenkirchen als auch Stadtförster Ulrich Dautel versichern.

Für Sicherheit gesorgt

Die WBV hat im Auftrag der Kreuzbergkapellen-Stiftung den Einschlag im so genannten Kirchenwald unterhalb der Klause vorgenommen. Einsatzleiter Tobias Wicklein erklärt, dass diese Maßnahme notwendig gewesen sei. Viel Totholz habe für ein gestiegenes Risiko unter den Bäumen gesorgt, und die Kirche stehe in der Haftung.

"Es war eine reine Verkehrssicherungsmaßnahme" sagt Wicklein. Gerade die alten Linden seien innen teilweise komplett faul gewesen. "In eine hatten sogar Ameisen ihr Nest gebaut", nennt Wicklein ein Beispiel. Da sich in diesem Bereich mit Kapelle, Flugplatz und Tierheim viele Fußgänger und Autofahrer bewegen, war es nach Auffassung der WBV und der hinzugezogenen Forstverwaltung nötig, die schadhaften Bäume zu fällen - oder wie neben den Martern - sie zu kappen.

Prinzipiell hätte man auch diese alten Riesen entfernen müssen. Letztlich habe man sich aber dazu entschieden, sie nur zu kürzen. Dafür sei eigens ein Spezialbaumfäller gekommen, der die Bäume von oben abgetragen habe. Das sei durchaus kostenintensiv gewesen, habe die Bäume aber vor der Fällung bewahrt. Nun könnten sie wieder austreiben. Eine Verbreiterung der Straße - auch dieses Gerücht machte die Runde - ist mit der Baumfällung ebenfalls nicht verbunden.

Stadtförster Ulrich Dautel hatte sein Team zeitgleich zur WBV-Aktion im insgesamt etwa 15 Hektar umfassenden Stadtwald eingesetzt. Dort wurde eine Durchforstung durchgeführt. "Es ist kein Kahlschlag geplant", greift er Vermutungen auf, die schon länger die Runde machen. "Das passiert am Kreuzberg ohnehin nicht."

Was im städtischen Wald jedoch Schritt für Schritt vollzogen wird, ist laut Dautel ein Waldumbau. Der Anteil der Fichten soll auf Sicht reduziert werden, der Anteil der Laubbäume zunehmen. "Die Fichte ist die falsche Baumart für diese Böden", sagt er und zeigt einen innerlich verfaulten Baumstumpf, in dem schon ein faustgroßes Loch zu finden ist. Der Kreuzberg sei Laubwald-Terrain. Deshalb würden die Fichten nach und nach im Alter von 50 bis 70 Jahren geerntet. Außerdem würden einzelne Bäume entfernt, wenn sie sich gegenseitig im Wachstum störten.

Junge Triebe in den Startlöchern

Dass die Fällung der Bäume den Wald kaputt mache, ist Dautel zufolge ein weiterer Irrglaube. "Die nächste Generation steht schon in den Startlöchern", zeigt er anhand von drei Ahornsprößlingen auf, die zwischen dem Reisig der gefällten Nadelbäume aufragen. So finde der Waldumbau Schritt für Schritt statt und gleichzeitig eine Waldverjüngung.

Schmunzeln muss Dautel, als das Gespräch auf die "Unordnung" und den "Unrat" im Wald kommt, welche in den Augen von Spaziergängern durch die Arbeiten entstanden seien und die Natur nun verschandelten. "Wenn's im Wald so aufgeräumt aussieht wie im Wohnzimmer, dann ist es mit dem Naturschutz nicht weit her", stellt er fest. Astmaterial, Reisig und Totholz seien für die Humusbildung wie auch als Lebensraum enorm wichtig. Deshalb wolle er den Boden im Wald auch nicht besenrein haben.

Aufräumarbeiten

Entlang der Gehwege werde aus optischen Gründen das Gröbste natürlich noch etwas aufgeräumt, und ein Teil des Holzes werde noch durch so genannte Brennholz-Selbstwerber abgeholt. Geld scheffeln werde die Stadt mit dem Holz dieser Durchforstung aber sicher nicht, garantiert Dautel und schaut auf die wenigen nicht angefaulten Stämme, die zumindest als Bauholz Verwendung finden können.