Wenn die Frankenwaldflüsse viel Wasser führen, ohne dass es schon richtig viel Hochwasser ist, taucht bei Kajak- und Kanadierfahrern ein Name auf: "Haßlach". Bei Kennern gilt die Haßlach als tolles Wildwasser, wie es sonst in weitem Umkreis nicht zu finden ist.

"Leider läuft die Haßlach nur in der kalten Jahreszeit", bedauert Gerhard Loch (Bamberg). "Aber es macht dort, die passende Ausrüstung vorausgesetzt, tierisch Spaß." Gemeinsam mit dem in Kronach aufgewachsenen Harald Thiele (Bamberg) sowie dem Ehepaar Cornelia und Roger Horch aus Gädheim bei Haßfurt ging es am Tag vor Silvester auf die 15 Kilometer lange Strecke der Haßlach von Rothenkirchen bis zur Blumau. Der Pegel bei Neukenroth liegt etwas über zwei Meter - ideale Bedingungen für eine Wildwasserfahrt.
Harald Thiele fuhr im Kajak, die anderen in ihren "Kanadiern". Kanadier sind offene Kanus, die mit Stechpaddel bewegt werden. Ein Kajak wird mit einem Doppelpaddel bewegt und der Kajakfahrer sitzt geschützt von einer Spritzschutzdecke im somit geschlossenen Boot.

Eskimorolle im kalten Wasser

Alle vier machten nähere Bekanntschaft mit dem Wasser. Harald Thiele kam mit seinem Kajak durch eine Eskimorolle wieder nach oben. Bei Neukenroth blieb das Boot von Cornelia Horch in einer "Walze" stecken. Walzen, das ist ein - nicht zu unterschätzender - Rücklauf des Wassers an Wehren. Für die Fahrerin, die dabei aus dem Boot kippte und die ans Ufer schwamm, war es ungefährlich, schließlich gehören Schwimmweste und Schutzhelm zur Standardausrüstung. Nur das Boot blieb eine Zeit lang hängen. Als über dessen Bergung mit Seilen nachgedacht wurde, kam das Boot plötzlich von alleine frei.

Verantwortungsbewusstsein und Risikovermeidung werden bei den organisierten Kanufahrern wie bei den Mitgliedern des "Faltbootclubs Bamberg" ohnehin groß geschrieben. Immer gilt die Regel: nie allein aufs Wasser. Neben der Ausrüstung und dem fahrerischen Können werden auch Rettungsmaßnahmen immer wieder trainiert. Nicht ganz so erfahrenen Kajakfahrern - wie dem Autor - wird da auch schon mal von der Mitfahrt abgeraten.

Beim Wehr "geht die Post ab"

Und das Wehr bei Haßlach - dort "geht die Post gewaltig ab" - wurde lieber "umtragen". Es geht um den Spaß, kein Risiko wird eingegangen. "Wir gehen auf die sichere Seite, haben auf dem Wasser noch niemanden verloren und so soll es auch bleiben", betont Thiele.

Mindestpegel ist 1,85 Meter beim Pegelstand Neukenroth. So ab zwei Meter macht es Spaß, ab 2,30 Meter sollte man wissen, was man tut", erklärt Harald Thiele. "Und ab 2,50 Meter sollte nur jemand auf die Haßlach, der sein Boot absolut sicher beherrscht."

"Für uns aus Bamberg ist die Haßlach das nächste Wildwasser", erklärt Kanadier-Fahrer Gerhard Loch die Begeisterung für die Haßlach. "Der Fluss ist sehr abwechslungsreich, es sind immer wieder Stufen drin, viele Wellen - und es macht einfach Spaß." Vor sieben Jahren begann er mit dem Kanadierfahren und blieb bei diesem Bootstyp.

In der alten Heimat

"Seit neun Jahren sitze ich im Boot", erzählt Harald Thiele, der im Bamberger Faltboot-Club aktiv ist. Seine Eltern leben noch immer in Kronach, so zieht es ihn immer wieder gerne in die alte Heimat - auch wegen der Haßlach. Mittlerweile sind etliche Bamberger Vereinsmitglieder von der Haßlach begeistert.

Ausgerechnet im Winter zum Jahreswechsel auf die Haßlach? "Das Thermometer zeigte in Bamberg acht Grad - im August paddelte ich heuer auch schon bei nur elf Grad", erklärt Harald Thiele. Außerdem wird einem warm beim Paddeln. "Mit Neopren, Trockenjacke und Spritzdecke ist alles kein Problem."

Cornelia Horch war mit ihrem Mann jetzt zum dritten Mal auf der Haßlach unterwegs. Vor drei Jahren kamen beide mehr aus Zufall zum Bootfahren. Sie meldeten sich bei einem zweitägigen Kurs an. "Seitdem sind wir im Faltboot-Club und haben unseren Spaß."

"Haßlach - immer wieder gern", betont Harald Thiele zum Schluss der dreistündigen Fahrt.

Der Fluss Haßlach bietet leichtes bis mittleres Wildwasser mit vielen kleinen Stufen, ein paar vorbildlich zurückgebauten Wehren, die jetzt als Blockstrecken herrliches Wildwasser im 2. bis 3. Grad (bei fünf befahrbaren Wildwasserstufen) bieten und einige fahrbare Wehre, heißt es in einer Information.

Die Strecke zwischen Rothenkirchen und Blumau ist 15 Kilometer lang. Bei rund zwei Metern Pegelstand (Neukenroth) sind viele Kehrwässer vorhanden, die Strömung lädt zum Seilfähren ein, Übungs- und Spielstellen gibt es jede Menge.

Video Wer bei "Youtube" einfach "Haßlach" eingibt, findet ein Video einer Fahrt bei höherem Wasserstand am 16. Dezember; demnächst auch ein Video der Fahrt am 30. Dezember.

Rainer Glissnik