Es ist schon ein herrlicher Anblick: Der hoch aufragende Schlossberg in Steinberg mit seinen beiden ehrwürdigen Kirchen. Dieses malerische Idyll dient an zwei Tagen als historische Kulisse einer außergewöhnlichen Freilicht-Inszenierung. Die geschichtsträchtige alte Schlosskirche ist Überbleibsel einer ehemaligen Meranierburg. Auf der Ruine der Burg von Steinberg am "großen Hof" spielt auch das Stück "Der Gottesfriede von Steinberg".
Anlässlich des heuer begangenen 100-jährigen Bestehens der "neuen" Kirche wird dieses Stück auf dem Schlossberg vor der Alten Schule dargeboten. Die Vorstellung wird ganz anders sein als es Theaterbesucher in Steinberg bislang gewohnt sind.

Das Stück wurde vom Mundartdichter "Bauern Andres" eigens für Steinberg geschrieben und 1951, als man 250 Jahre eigene Pfarrei Steinberg feierte, von der Theatergruppe erstmals und bislang einmalig gezeigt. Geprobt wird seit Ende März - zwei Mal die Woche, meist im Jugendheim in Steinberg. "Im Gegensatz zu unseren Aufführungen der vergangenen Jahre handelt es dabei nicht um ein lustiges, sondern um ein ernstes Stück", erklärt der Vorsitzende der Theatergruppe, Norbert Schülein.

Für das Kirchenjubiläum

Das Theater habe man bewusst für das Kirchenjubiläum ausgewählt, da es - nach der Meinung der Akteure - sehr gut dazu passt. "Der Gottesfriede von Steinberg" sei nicht unbedingt ein Stück, das man in Steinberg von der Theatergruppe "erwarte". Es sei auch für Kinder schwer zu verstehen und daher eher ungeeignet. "Uns ist klar, dass eine derartige Darbietung vielleicht nicht jedem gefällt. Es ist relativ leicht, mit einem Lustspiel den Geschmack der Leute zu treffen und sie zum Lachen zu bringen", schließt sich ihm Michael Hammer an, der in der Rolle des Burgmanns Moritz zu sehen ist.

Herausforderung für alle

Die Aufführung sei auf jedem Fall eine große Herausforderung für alle Mitwirkenden und schon ein Risiko, da man noch weniger als sonst einschätzen könne, wie das Stück beim Publikum ankomme. Zudem gebe es unwahrscheinlich viel Text zu lernen - mit längeren Sprechpassagen für die einzelnen Akteure. Dies sei viel schwieriger als bei lustigen Stücken, die von der Situationskomik lebten. Dennoch ist ein Freilicht-Theater wie dieses insbesondere Michael Hammer schon seit längerer Zeit ein echtes Herzensanliegen. "Ich finde, der ,Bauern Andres‘ hat genau so geschrieben, wie die Leute damals gedacht und geredet haben. Das Jubiläum ist einfach der richtige Zeitpunkt, um dieses Stück aufzuführen. Wenn nicht jetzt, wann dann?", fragt er.

Über das Spiel selbst soll an dieser Stelle nicht so viel verraten werden. Nur so viel: Es spielt um das Jahr 1607 auf der Ruine der Burg von Steinberg. Basierend auf einer Sage verblieb dem Bauer Matthes, nachdem vier seiner fünf Söhne verstorben waren, noch ein einziger Sohn namens Hans-Veit. Da dieser ein sehr schlaues Bürschlein war, sollte er - auf Wunsch der Mönche - die Klosterschule besuchen. Davon wollte aber Matthes nichts wissen, da er ihn zu Hause auf dem Hof brauchte. Eines Tags war Hans-Veit im so genannten Bärengrund zum Viehhüten. Das Vieh kam aber am Abend ohne ihn nach Hause, wobei lediglich ein Kalb fehlte. Vom Jungen gab es seitdem kein Lebenszeichen mehr. Ein Jahr später fand man ein menschliches Gerippe und das Hütlein des Buben. Man hielt dies für Gebeine des Jungen und begrub ihn. Aber war Hans-Veit wirklich tot? Am Ende der Vorstellung wird das Geheimnis gelüftet. Dann wird auch "Der Gottesfriede von Steinberg", der dem Stück seinen Namen gab, ausgerufen.

Kirche als Ausweichmöglichkeit

Bei schlechtem Wetter wird das Theater in der "neuen" Kirche gezeigt. Die Darsteller hoffen aber, dass es nicht so weit kommen muss. "Es wäre sehr schade, wenn es regnen würde. Die Atmosphäre ist draußen ganz anders und natürlich auch das Ambiente", sind sich die Akteure einig, die traditionsgemäß für den guten Zweck - dieses Mal für die neue Pfarrkirche - spielen und bereits jetzt zu diesem besonderen Abend einladen. Karten gibt es bei Norbert Schülein.

Der Gottesfriede

Vorstellungen Freitag 14. und Samstag 15. Juni, jeweils um 19.30 Uhr.

Vorverkauf bei Norbert Schülein (Telefon 09260/1722) zum Preis von sechs 6 Euro pro Karte sowie an der Abendkasse

Darsteller Gerwin Zwosta, Herbert Trenner, Günter Schülein, Christina Buckreus, Marcus Reißig, Christian Engelhardt, Rüdiger Baierlipp, Michael Hammer, Andreas Schmuck, Johannes Agel, Manfred Lang, Michael Schülein, Simone Porzig, Ingrid Przibylla, Carina Jakob, Elke Müller, Miriam Schülein, Christian Eidloth, Andreas Eidloth, Michael Fischer; Soufleuse: Daniela Peter.

Parkmöglichkeiten Diese sind bei der Kronachtalhalle vorhanden. Bitte dort parken, nicht auf dem Schlossberg.

Theatergruppe Seit 2001 hat die Theatergruppe durch die ausschließlich für gemeinnützige Zwecke verwendeten Reinerlöse der Veranstaltungen maßgeblich zur Verschönerung Steinbergs beigetragen. So wurde unter anderem schon der Steinberger Ortsmittelpunkt mit Brunnen und Sitzbank in ein wahres Schmuckstück verwandelt. Desweiteren wurden Ruhebänke angeschafft und an Wanderwegen aufgestellt. Auch das nächtliche Anstrahlen der beiden Kirchen St. Pankratius sowie die Restaurierung des alten Wegekreuzes in der "Kalkhütte" erfolgten auf Initiative und Kosten der Theatergruppe.