Voller Stolz trägt der kleine Pfadfinder Jonas - gefolgt von zahlreichen Augenpaaren der Kirchenbesucher- die kleine Laterne. Er und Maria dürfen an diesem Abend vorausgehen- sozusagen den Stamm "anführen", als sie und weitere Stammesbrüder in die Friesener Pfarrkirche einziehen. Ganz behutsam stellt der Siebenjährige das Licht vor den Altar, bevor dann damit eine große Kerze entzünden wird. Daneben ist ein sternförmiges Schildchen angebracht, auf dem steht: "Licht von Bethlehem".

Es ist ein besonderes Licht, das der kleine Wölfling und sieben weitere Mitglieder seines Stamms nach Friesen gebracht haben: Es geht um die kleine Flamme, die sich von der Geburtsgrotte Jesu Christi in Betlehem auf den Weg macht, um allen Menschen in der Adventszeit als Zeichen für Frieden und Völkerverständigung zu leuchten.
Seit 1986 wird das Licht in den Wochen vor Weihnachten in der Geburtsgrotte in Bethlehem entzündet. Dann wird es - wie Pfadfinder-Kurat Thomas Teuchgräber ausführte - mit einem Flugzeug in die ganze Welt gebracht. In Nürnberg hatten es acht Georgs-Pfadfinder - mit einer Laterne zum Transport ausgestattet - bei der Aussendungsfeier in der Lorenzkirche abgeholt und es mit dem Zug in den Frankenwald gebracht. Mit dabei war auch der kleine Jonas.

Mit dem Zug nach Nürnberg

"Wir sind heute Morgen mit dem Zug nach Nürnberg gefahren. Dann waren wir auf dem Christkindlesmarkt und am frühen Nachmittag war der Gottesdienst, in dem wir das Licht bekamen", erzählt Jonas Baumann. Erst um 18 Uhr sei man am Bahnhof in Kronach angekommen. Das Licht sei während der Fahrt nicht ausgegangen.
Dass er so früh aufstellen musste, fast den ganzen Tag unterwegs war und jetzt abends noch einmal in den Gottesdienst ging, habe ihm nichts ausgemacht. "Das war ein schöner Tag. Ich bin gerne mitgefahren", meint er und erzählt sichtlich beeindruckt: "An den Bahnhöfen waren viele Menschen. Immer, wenn der Zug angehalten hat, haben diese auch das Licht abgeholt. Die Pfadfinder haben ihnen die Flamme aus dem Zug gereicht."

Weitergegeben wurde das Licht auch in Friesen - und zwar nach dem Kyrie-Gebet von den Pfadfindern an alle Gottesdienstbesucher aus dem Dekanat Kronach und darüber hinaus. Diese bringen es als "Symbol für Frieden, Wärme, Solidarität und Mitgefühl" ihrerseits in ihre Wohnorte und Gemeinden. Und so eine kleine Flamme kann diese Wege locker erleuchten - nämlich dann, wenn es darum geht, sie zu teilen. Im Gottesdienst wurde das Friedenslicht durch die Bänke weitergegeben. Sitznachbarn, die sich vielleicht noch nicht kannten, steckten ihre Köpfe zusammen und gaben sich Mühe, die Kirche mit ihren vielen Flammen zu erleuchten.

"Für mich ist die Faszination an dieser Aktion die Weitergabe des Lichts", meinte dann auch Pfadfinder-Kurat Thomas Teuchgräber, der mit Pater Waldemar die Heilige Messe zelebrierte. Das Geheimnis sei für ihn die sich durch das Weiterverschenken des Lichts ergebende Begegnung. "Das Licht ist der Anlass und die Methode. Daraus ergibt sich das Gespräch", führte der Regionaldekan in seiner Predigt aus. In diesem Jahr steht die Friedenslicht-Aktion in Deutschland unter dem Motto "Mit Frieden gewinnen alle”.

Bei Frieden gewinnen alle

Wenn es Menschen nur darum gehe, anderen ihre Meinung aufzudrücken, könne kein Frieden entstehen, so Teuchgräber. "Friede ist nur da, wenn jeder denkt, dass er etwas gewonnen hat", war er sich sicher. Damit dies gelinge, müssten alle dazu bereit sein. Dazu gehöre insbesondere, Argumente auszutauschen, miteinander zu reden und dem anderen zuzuhören. Wenn man versuche, den anderen zu verstehen, könne Verständnis füreinander wachsen und dann könne auch Frieden entstehen.

Die Pfadfinder vom DPSG-Stamm St. Georg brachten sich auch in die Ausgestaltung des berührenden Gottesdienstes mit ein, indem sie beispielsweise die Fürbitten vortrugen. Die musikalische Umrahmung lag in Händen der Gruppe "Vielstimmig", die unter Leitung von Ute Fischer-Petersohn moderne christliche Lieder vortrug.
Im Anschluss an den Gottesdienst gab es auf dem Kirchplatz Friesen einen kleinen Weihnachtsmarkt mit Getränken und kleinen Speisen sowie schönen Bastelarbeiten, die die Pfadfinder selbst hergestellt hatten. Der Erlös kommt der Schulpatenschaft, Kinder- und Jugendarbeit im Senegal/Thies zugute. Auch Artikel aus dem und zu Gunsten des Karibu-Weltladens Kronach wurden verkauft.