"Noch vor eineinhalb Jahren bin ich an keiner Metzgerei vorbeigekommen, ohne mir was zu holen", gesteht Dieter Fischer Petersohn. Doch damit ist Schluss, denn er ist jetzt Veganer, genauso wie seine Frau Steffi. Die verzichtet aus Protest gegen die Art der Tierhaltung schon seit vielen Jahren auf Fleisch und auch auf Tierprodukte wie Milch, Eier und Honig, denn die Tiere würden nur gehalten, um viele Lebensmittel zu produzieren.
Selbst Hündin Valencia kriegt veganes Trockenfutter - und sie frisst das mit Begeisterung. "Für ein Stück Käse tut Valencia alles", weiß Dieter Fischer Petersohn.


Käsekuchen ohne Käse

Apropos Käse: Anlässlich des Besuchs des Reporters hat Steffi Fischer Petersohn einen veganen "Käsekuchen" gebacken. Der sieht aus wie ein Käsekuchen und ist köstlich, so wie ein Käsekuchen vom Konditor schmecken sollte. Aber es ist weder Käse noch Ei drin, obwohl das Gebäck viel Eiweiß hat. Stattdessen hat sie Dinkelmehl, Zucker, Margarine, Naturtofu und Seidentofu zum Backen genommen. Wegen des Tofu ist dieser Kuchen teurer als ein normaler Käsekuchen, aber das ist es Steffi Fischer Petersohn wert. Seit ihrem 14. Lebensjahr ist sie Vegetarierin, später wurde sie zur Veganerin. "Das hat immer mehr zugenommen. Die Bedingungen der Massentierhaltung haben mich angeekelt. Ich möchte nicht dafür verantwortlich sein, dass Lebewesen so etwas angetan wird", begründet sie ihren Verzicht nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf Tierprodukte.


Bereicherung, nicht Verzicht

Dieter und Steffi Fischer Petersohn sind seit 15 Jahren verheiratet. Dass sie Veganerin ist und er bis vor eineinhalb Jahren Fleisch und Wurst aß, hat dem Ehepaar keine Probleme bereitet. "Es wird immer behauptet, dass die Veganer ein übertriebenes Sendungsbewusstsein haben. Aber das stimmt nicht", sagt sie - und er nickt. "Ich hab manchmal einen Braten in die Röhre geschoben, sodass der Duft durchs ganze Haus zog, doch das hat sie nicht gestört", sagt er mit einem Lächeln. "Ich hab mir das immer schöngeredet. Dass das Tier, dessen Fleisch ich esse, naturnah aufgewachsen ist", gesteht Dieter Fischer Petersohn. Doch dann kam für ihn auch der Umschwung in der Ernährung - und damit ist er sehr zufrieden. "Ich fühle mich besser als je zuvor. Meine Blutwerte passen. Für mich ist das kein Verzicht, sondern eine Bereicherung", sagt Dieter Fischer Petersohn.


Er ist ein "Flexitarier"

Ein lupenreiner Veganer ist er trotzdem nicht. Wenn ein Kollege in der Polizeiinspektion bei einer Feier eine Torte spendiert, dann nimmt er sich ein Stück und trinkt einen Milchkaffee dazu. "Da bin ich ,Flexitarier‘. Wenn es nichts Veganes gibt, dann ess ich in Ausnahmefällen vegetarisch", räumt der Polizist ein. Das Ehepaar bereitet sich sein veganes Essen meist selbst zu. Aber manchmal geht es auch ins Gasthaus. "Wir fahren manchmal nach München und Berlin. Da haben wir einen schönen Tag. Und dort gibt es sogar vegane Gourmet-Restaurants", schwärmt Steffi Fischer Petersohn. Aber auch im Landkreis Kronach gibt es bereits Wirtshäuser mit veganer Speisekarte. Im "Anker" in Steinwiesen, im "Berghof" in Roßlach und in der "Mühle" in Hummendorf waren die beiden bereits essen und können die veganen Speisen wärmstens weiterempfehlen.

Das Ehepaar achtet darauf, dass es ausreichend Eiweiß, Mineralien und Spurenelemente zu sich nimmt. "Es gibt genug Sachen. Da muss man sich nur damit beschäftigen", weiß Steffi Fischer Petersohn. "Man isst bewusster, weil man sich überlegen muss, was man braucht. Wenn mir jemand mit Currywurst in der Hand sagt, dass ich mich schlecht ernähre, da muss ich schon lachen", erzählt die überzeugte Veganerin. Veganes Essen ist manchmal teurer, aber das liegt nach Ansicht des Ehepaars auch mit daran, dass Kuhmilch subventioniert und nur mit 7,5 Prozent besteuert wird, Sojamehl und Mandelmilch mit 19 Prozent.

Es gibt genug vegane Ersatzprodukte, die schon fertig sind, doch das ist nichts für die Fischer Petersohns, denn erstens ist solches Fertigessen teuer und zweitens sehen sie diese Konsumenten als "Puddingveganer".


Tipps der Ernährungsberaterin

Yvonne Müller ist Ernährungsberaterin bei der AOK Kronach und kennt sich mit gesundem Essen aus. Drei Monate lang hat sie vegan gelebt, um das einmal auszuprobieren. "Es war überhaupt nicht anstrengend für mich", blickt sie auf das Experiment zurück. Lediglich essen zu gehen sei im Frankenwald schwierig. Sie habe sich das vegane Essen selbst zubereitet, "aber das kostet viel Zeit", sei aber nicht schwer. Der vegan lebende Mensch müsse nur darauf achten, dass er ausreichend Eiweiß, Proteine, Eisen und das Vitamin B12 zu sich nehme.

"Da gibt es tolle Kombinationen", schwärmt die Ernährungsexpertin. Fast alle Fleischprodukte könnten durch wohlschmeckende Ersatzprodukte ausgetauscht werden. Eiweiß sei also nicht das Problem. In Pflanzen vorkommendes Eisen könne der Mensch besser aufnehmen, wenn er dazu Kost zu sich nehme, die viel Vitamin C enthalte. Ganz wichtig sei das Vitamin B12, das in Fleisch, Fisch und Milch vorkomme. Veganer müssten hier auf Ersatzprodukte der Pharmaindustrie ausweichen. Wichtig sei auch der regelmäßige Check beim Arzt.


Der Unterschied zwischen Vegetariern und Veganern

Vegetarier verzehren neben pflanzlichen Nahrungsmitteln nur solche Produkte, die von lebenden Tieren stammen, beispielsweise Milch, Eier und Honig. Gemieden werden Fleisch und Fisch, aber auch alle daraus hergestellten Produkte wie Gelatine oder Schmalz.

Veganer meiden alle Produkte, die von Tieren stammen. Dieses Konsumverhalten bezieht sich oft nicht nur auf Nahrungsmittel, sondern auch auf Gebrauchsgegenstände, wie Lederwaren, Wolle oder Seide.