In der Oberen Stadt wimmelt es heute Abend nur so vor Cranachs. Zum Start in den Viertelmeistertag, den es seit 20 Jahren gibt, traf der leibhaftige Lucas Cranach der Ältere (alias Wolfgang Eckert-Hetzel) am Melchior-Otto-Platz ein. Stadtvogt Hans Götz wies auf die Bedeutung von Kronachs großem Sohn im Lucas-Cranach-Jahr hin, Bräumeister Thomas Kaiser hatte als Wegzehrung eigens ein Fäßchen "Lucas Cranachs Jungbrunnenwasser" mitgebracht und die (Schau-)Fenster der Oberen Stadt griffen Motive aus Cranachs Jungbrunnen-Bild auf.

"Ein monumentales Gemälde" stellte Stadtvogt Hans Götz gleich bei der Begrüßung der zahlreichen historisch gewandeten Teilnehmer am Viertelmeistertag und der Schaulustigen in Aussicht. Der anschließende Rundgang durch die Obere Stadt zeigte, dass er nicht zu viel versprochen hatte. In der Amtsgerichtsstraße prangte "Der Jungbrunnen" aus dem Jahr 1546 als Foliendruck in seiner ganzen Pracht auf einem Schaufenster unter der Überschrift "Cranach kommt in die Obere Stadt".

"Lucas Cranach kannte schon damals die Wünsche der Frauen", versicherte Götz beim Anblick der badenden Maiden. Seinerzeit habe es Jungbrunnen geheißen, heute nenne man es Anti-Aging, scherzte er.


Liebe ist die wahre Kraft

Museologe Alexander Süß erläuterte das Gemälde im Detail. Obwohl er mit einer Flasche des künstlerisch angehauchten Gebräus ausgestattet war, tat er das alles andere als bierernst. Der "Jungbrunnen" sei in einer Stadt der Brunnen wie Kronach bestens aufgehoben, meinte er. Als Cranach das Gemälde fertig gestellt habe, sei er bereits über 70 Jahre alt gewesen. "Für seine Zeit war das schon ziemlich alt", bemerkte Süß. Damit kam er auf die vielen Frauen auf dem "Wimmelbild" zu sprechen, die alt ins Wasser stiegen und verjüngt wieder herauskletterten. Männer gebe es dagegen keine in dem wundersamen Nass. Süß fragte scherzhaft, ob es daran liege, dass die Liebe zu (wieder) jungen Frauen die Männer mit verjünge oder ob die Schönheiten nach dem Bad selbst nur nach jüngeren Burschen Ausschau hielten.

Unstrittig war für Süß jedoch, dass die Liebe auf dem Gemälde als die einzig wahre verjüngende Kraft zu erkennen ist. Und diese Liebe sei auch seitens der Kronacher zu ihrer Stadt zu spüren.

Beim weiteren Rundgang war zu erkennen, dass der "Jungbrunnen" nicht nur ein Fenster ziert. Überall tauchen in der Oberen Stadt Bildausschnitte daraus auf. Durchs ganze Cranach-Jahr sollen diese Motive die Obere Stadt beleben und ein Blickfang sein, wie Kerstin Löw vom Tourismusbetrieb der Stadt betonte.