Bereits 30 Minuten vor dem anberaumten Termin stand der "Ude-Bus" am Kettelerhaus. Die ersten Fans warteten, die Musiker von "FRANKENart" bezogen Position. Dann, pünktlich um 18.30 Uhr, stieg Ude aus dem Bus und wurde mit großem Hallo von seinen SPD-Genossen und mit dem Stück "Tief im Frankenwald" von der Band begrüßt.

Es war sein erster öffentlicher Auftritt im Landkreis. Er fühlte sich wohl, zumal er in einem Landkreis war, in dem mit Oswald Marr ein SPD-Politiker an der Spitze steht.

Rückkehr nach erfolgreicher Wahl

Ude versprach im Fall seiner Wahl zum Ministerpräsidenten, den Kronacher Raum innerhalb von zwölf Monaten wieder zu besuchen. Keine Frage, seine Genossen freuten sich über seine Anwesenheit. Und ihm kam es im "Kettelerhaus" und auf der Festwiese fast so wie auf dem Münchner Oktoberfest vor - "nur es ist alles überschaubarer, entspannter und preiswerter".

Bevor die Genossen sich mit ihrem Kandidaten auf den Weg zur Festwiese machten, musste Ude erst ein Blitzlichtgewitter über sich ergehen lassen und Autogramme schreiben. Nicht nur die Bürgermeister und Bürgermeisterkandidaten der SPD sowie ihr Bundestagskandidat Norbert Tessmer und Landtagskandidat Ralf Pohl nutzten die Gelegenheit, sich zusammen mit dem Münchner OB auf einem Foto verewigen zu lassen.

"Das ist doch der Ude!"

Auf der Festwiese angekommen, wurde spontan beschlossen, den Rundgang - wegen der Blickkontakte - in entgegengesetzter Richtung anzutreten. Es wurden Hände geschüttelt, Worte ausgetauscht. "Das ist doch der Ude!", war oft zu hören. Und Michael Stahuber war erstaunt, auf dem Kronacher Freischießen seinen Oberbürgermeister persönlich anzutreffen.

In seiner Rede im Biergarten des Kettelerhauses wurde deutlich, dass sich Ude durchaus der Herausforderung bewusst ist, als SPD-Kandidat bayerischer Landesvater werden zu wollen. Die Stammwähler würden ihm auch kein Kopfzerbrechen bereiten, aber es gehe um die 40 Prozent der unentschlossenen Wähler. Um diese Leute müssten die Genossen kämpfen. Ude sieht auch Chancen auf einen Regierungswechsel im Freistaat: "Gerade die letzte Landtagswahl in Niedersachen hat bewiesen, dass es in der Politik Überraschungen geben kann."

Probleme der Region

Auf dem Weg zum Schützenhaus sprach der Ludwigsstädter Bürgermeister Timo Ehrhardt (SPD) die Probleme des Landkreises und der Rennsteig-Region, wie Abwanderung oder fehlende Infrastrukturen, an. Er erwähnte die FOS und die ursprüngliche Idee, diese mit dem thüringischen Probstzella auf die Beine zu stellen. Die Realisierung sei nicht zuletzt an München gescheitert. Gerade in solchen Gegenden, erwiderte Ude, könnten Probleme durch die Schaffung von länderübergreifenden Kooperationen zumindest abgemildert werden.

Der Münchner OB ging auch auf Loewe ein. Die CSU mache Zusagen und Verheißungen, aber er sei überzeugt, dass daraus nichts werde. Es werde den Mitarbeitern ebenso ergehen, wie den "Schlecker-Frauen".

Ude warb für die SPD und für sich selbst. Wer Mindestlöhne wolle, wer von seinen Steuergeldern kein Lohn-Dumping mitfinanzieren wolle, wer für ein Vergabegesetz sei (demnach werden Aufträge nur an solche Firmen vergeben, die Mindestlöhne bezahlen), wer dem Schulsterben im ländlichen Raum entgegenwirken wolle, wer gegen ein Turbo-Gymnasium sei, der solle die SPD wählen. "Die Menschen sollten das wählen, was ihren Wünschen und nicht das, was ihrer Gewohnheit entspricht." Gegen 21.30 Uhr verabschiedete sich Ude von seinen Genossen in der Bierhalle.