Im kommenden Jahr finden in Bayern Landtagswahlen statt. Für die Abgeordnete Christa Steiger (SPD) ist damit der Wunsch eines Regierungswechsels verbunden: "Es wäre einfach schön, wenn wir unsere Konzepte einmal umsetzen könnten."

Davon hat sie einige mit ausgearbeitet. Immerhin ist sie schon seit 20 Jahren Mitglied des Landtages und feiert damit heuer gewissermaßen ein Jubiläum. Dass sie seit zwei Jahrzehnten in der Opposition arbeitet, hat natürlich gewisse Nachteile. "Wir haben im Landtag Initiativen gestartet, die abgelehnt wurden. Nach einiger Zeit wurde das Thema dann in abgewandelter Form von der CSU eingebracht. Da hat man sich häufig gedacht, das kommt mir irgendwie bekannt vor", blickt die 60-Jährige zurück.

Konkret denkt sie dabei an das Behindertengleichstellungsgesetz. 2000 hatte sie dafür einen eigenen Entwurf verfasst. Eingeführt wurde das Gesetz aber erst 2003 nach einer CSU-Initiative. Aber auch die Kinderbetreuung oder die Ganztagesschule seien Themen, die teilweise schon seit 20 Jahren ein Schwerpunkt der SPD-Politik sind.

"Wir haben viel erreicht", zieht Christa Steiger ein positives Fazit auch ihrer persönlichen Arbeit, in der die Region immer eine wichtige Rolle eingenommen hat. "Ich habe immer versucht, an den Stellschrauben mitzudrehen", spricht sie beispielsweise das Landesentwicklungsprogramm an, das Burggrub die Ortsumgehung beschert hat, oder auch die Burg Lauenstein: "Ich habe mich häufig am Rande des Plenums mit dem zuständigen Staatssekretär darüber unterhalten", betont Christa Steiger, die in all den Jahren in verschiedenen Ausschüssen aktiv war. Vom Umwelt- über den Petitionsausschuss bis hin zum sozialpolitischen Ausschuss, in dem sie heute noch vertreten ist. "Das macht mir am meisten Spaß", spricht sie ihre sozialpolitische Arbeit an. Dabei fühle sie sich am wohlsten, was sie auch auf ihr Elternhaus zurückführt. "Ich stamme aus seiner gewerkschaftlich und sozial geprägten Familie", erklärt die 60-Jährige. Nicht zuletzt diese Tatsache als auch die damalige Politik von Bundeskanzler Willy Brandt sorgten 1972 für den Eintritt Steigers in die SPD.

Als die ehemalige Lokalpolitikerin erstmals für den Landtag kandidierte, waren die Chancen auf den Einzug recht gering. "Unser Stimmkreis war viel zu klein. Es war relativ unwahrscheinlich, in den Landtag zu kommen." Umso überraschender war es, als sie 1992 für Helmut Rothemund nachrückte. "Als ich die Nachricht erhalten habe, habe ich gedacht, mich nimmt jemand auf den Arm." In Absprache mit ihrem bereits verstorbenen Mann, der ihr laut eigener Aussage enorm den Rücken freihielt, hat sie das Abenteuer schließlich gestartet. Dass dieses 20 Jahre andauern würde, hätte sie nicht gedacht. Und bei der einen oder anderen Wahl ging es tatsächlich äußerst eng zu. Teilweise erfuhr sie erst am Montag nach der Wahl, ob sie erneut im Landtag vertreten ist. "Der Adrenalinschub war gewaltig. Aber das Warten war fürchterlich", erinnert sie sich. Zwar wäre es keinem Beinbruch gleichgekommen, wäre sie nicht mehr gewählt worden. "Aber eine gewaltige Enttäuschung wäre es schon gewesen", räumt sie ein. Zwar sei es in der Opposition mühsam, etwas anzustoßen. Aber für die Region sei es immer besser, mehrere Abgeordnete zu haben. Im Übrigen habe sie bei aller politischer Konkurrenz immer eine Basis gefunden, um mit ihren Kollegen auszukommen.

Rückblickend auf die vergangenen 20 Jahren empfand sie die Zweidrittel-Mehrheit der CSU in der Legislaturperiode 2003 bis 2008 am schlimmsten. "Die haben gemacht, was sie wollten. Uns hat man am ausgestreckten Arm verhungern lassen. So eine Anhäufung von Macht sollte es nicht mehr geben", betonte die 60-Jährige, die aus ihrer eigenen Erfahrung heraus feststellt, dass nicht alle Regionen in Bayern gleich behandelt werden.
Ein Beispiel dafür ist die Fachoberschule. Weil sich das Kultusministerium quer gestellt habe, sei es letztlich nicht gelungen, diese im Landkreis zu etablieren. "Dass das nicht gerechtfertigt war, zeigen jetzt die Zahlen in Ludwigsstadt." Das dortige Engagement um eine derartige, wenn auch private Einrichtung lobt sie dafür um so mehr.

Ihre Ziele habe sie stets in stiller Hartnäckigkeit verfolgt. "Ich bin nicht jemand, der lauthals etwas rausblafft. Wenn, dann muss es fundiert sein." Und wenn es neue Erkenntnisse gebe, sei sie immer bereit gewesen, ihre Meinung zu überdenken.
Was ihre Schwächen betrifft, könne sie sich schlecht selbst einschätzen. "Das müssen andere entscheiden." Persönliche Angriffe, aber auch politische Themen, die nicht wie gewünscht vorankommen, beschäftigten sie allerdings recht lange. "Ich kann da einfach nicht abschalten", erklärt Christa Steiger, die hinter ihrer Tätigkeit schon immer einen befristeten Arbeitsvertrag gesehen hat. Und dieser läuft im kommenden Jahr auf eigenem Wunsch aus. Bis dahin will sie mithelfen, damit ihre SPD im nächsten Jahr die Regierung bilden kann. "Ich bin da recht optimistisch."

Sie will mehr reisen

Wenn im kommenden Jahr der bayerische Landtag neu gewählt wird, dann wird man Christa Steiger nicht mehr als Kandidatin finden. Nach 20-jähriger Tätigkeit als Abgeordnete hat sie sich in diesem Jahr dazu entschlossen, nicht mehr anzutreten.
"Die Entscheidung ist mir nicht schwer gefallen", gesteht sie und blickt zurück. "Man überlegt ja vor jeder Nominierung, ob man noch einmal antritt. Man hat kein freies Wochenende und unregelmäßige Arbeitszeiten." Dennoch habe sie ihre Tätigkeit immer mit Freude ausgeübt, aber: "20 Jahre sind genug. Es gibt auch ein Leben außerhalb der politischen Arbeit."
Für diese Zeit hat sie schon konkrete Vorstellungen. "Ich habe Hobbys, für die dann mehr Zeit ist", spricht sie unter anderem das Reisen an. Ob Wanderungen oder zu Bildungszwecken spielt dabei keine Rolle. Aber auch zu Hause gebe es einige Arbeiten zu erledigen: "Mein Garten ist vernachlässigt. Der braucht eine Generalüberholung." Zudem möchte die 60-Jährige ihren Freundeskreis wieder etwas mehr pflegen. Auch der sei in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen. Nicht zuletzt hat das Mitglied des Turnvereins Unterrodach erst vor vier Wochen ihren Übungsleiterschein verlängert: "Vielleicht werde ich den wieder einsetzen." Auch in der Zukunft gibt es also noch viel zu tun.

Übersicht

Landespolitik Christa Steiger gehört dem Bayerischen Landtag seit Oktober 1992 an. Sie war im Umweltausschuss tätig und arbeitete sechs Jahre lang im Petitionsausschuss. Seit 1996 ist sie Mitglied des sozialpolitischen Ausschusses und war von 2008 bis Juni 2011 Vorsitzende des Arbeitskreises Sozialpolitik der SPD-Landtagsfraktion. Ebenfalls seit 2008 ist sie Mitglied des Präsidiums des Bayerischen Landtags.

Kreispolitik Sie ist seit 1972 SPD-Mitglied und engagierte sich frühzeitig in der Partei. 1990 wurde sie in den Gemeinderat von Marktrodach und in den Kreistag gewählt, dem sie heute noch angehört. Sie ist in verschiedenen Gremien der SPD tätig.

Ehrenämter Christa Steiger bekleidet zudem etliche Ehrenämter. So ist sie unter anderem Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Oberfranken und Vorsitzende des Arbeiter-Samariterbundes im Landkreis Kronach.