Die Teuschnitzer Bürgermeisterin Gabriele Weber (CSU) wollte die Stimmung bei Klaus Löfflers Amtseinführung als Landrat nicht unnötig dämpfen. Dennoch spürte man im Kreistag, dass sie an diesem Montagmorgen aufgewühlt war. Sie wird ihre Fraktion nicht länger im Kreisausschuss vertreten - dem wichtigsten Kreisgremium neben dem Kreistag. Deswegen verabschiedete sie sich aus eigenem Antrieb von weiteren Stellvertreter-Funktionen.

"Ich lege keinen Wert darauf, die Stellvertreter-Posten zu besetzen", sagte sie im Hinblick auf die Entscheidung ihrer Fraktion, neu über die Vertreter im Kreisausschuss abzustimmen. In einer Fraktionssitzung habe es geheißen, dass es eine Rotation geben könne. Nun habe man dieser Abstimmung aber nicht nur den Posten des Fraktionsvorsitzenden unterzogen, sondern auch den der Kreisausschuss-Mitglieder. Gabriele Weber zeigte sich davon überrascht. "Man hat mir nicht gesagt, warum ich nicht Kreisausschuss-Mitglied sein kann", stellte sie im Gespräch mit unserem Reporter fest.


Verschiedene Sichtweisen

Einige Mitglieder des Kreistags gratulierten der Teuschnitzerin, unter diesen Umständen generell einen Strich unter ihre Ausschussarbeit setzen zu wollen. Seitens der Frauenliste bedauerte Petra Zenkel-Schirmer zugleich, dass die CSU nun schon in zwei Ausschüssen keine Frau mehr am Start habe. Dritte spekulierten gar, ob es sich beim "Entfernen" Webers aus dem Kreisausschuss gar um eine Retourkutsche des CSU-Kreisvorsitzenden handeln könnte. Jürgen Baumgärtner und die Bürgermeisterin fahren hinsichtlich der Wasserversorgung von Teuschnitz und der weiteren Entwicklung der Frankenwald-Gruppe (FWG) einen unterschiedlichem Kurs.

Kreisvorsitzender Baumgärtner und der Vorsitzende der CSU-Kreistagsfraktion, Bernd Liebhardt, winkten bei diesem Vorwurf ab. Beide zeigten ihr Verständnis für die Betroffenheit Webers, doch mit einem Revanche-Akt habe die Entscheidung der Fraktion überhaupt nichts zu tun.

Liebhardt erklärte, dass zu diesem Zeitpunkt der Wahlperiode alle wichtigen Funktionen auf dem Prüfstein gestanden hätten - wie es im Vorfeld ausgemacht worden sei. Das habe auch seinen eigenen Vorsitz betroffen. In geheimer Abstimmung sei er einstimmig wiedergewählt worden. Im Kreisausschuss habe es jedoch zwei Veränderungen gegeben. Klaus Löffler sei infolge seines neuen Amtes ausgeschieden, Gabriele Weber auf Grund eines plausiblen Vorschlags des Kreisvorsitzenden nicht mehr in diese Funktion gewählt worden. "Es war die Frage, wie wir uns künftig aufstellen wollen, welche Strategie wir mit welchem Personal umsetzen wollen", erläuterte Liebhardt.

"Die Vorschlagsoption liegt beim Kreisvorsitzenden. Diese Vorschläge müssen aber nicht angenommen werden, sie sind nicht in Stein gemeißelt", betonte Baumgärtner. Er habe sich grundlegende Gedanken gemacht, wie das Gremium den Zielen der CSU und zugleich einer ausgewogenen Besetzung am Besten gerecht werden könne. Deshalb sei die Wahl der Fraktion für die Vertreter im Ausschuss - ebenfalls einstimmig - auf Bernd Liebhardt, Reinhold Heinlein, Hans Rebhan und Jens Korn gefallen. Weber habe es schade gefunden, aber akzeptiert, dass sie nicht wieder zum Zug gekommen sei, war Baumgärtners Eindruck. Sein Vorgehen habe gezeigt, dass er alle einbeziehe und nicht mauschele.


Hohe Meinung von Weber

Die unterschiedlichen Standpunkte beim Thema "FWG" würden seine hohe Meinung von Gabriele Weber allerdings ebenso wenig antasten wie ihr jetziger Unmut. "Ihr Verhalten in Sachen FWG ist nicht optimal, aber das hat doch nichts mit einer strategischen Ausrichtung in einer Partei zu tun", hob der Kreisvorsitzende ausdrücklich hervor. Er sei sich zudem sicher, dass es auch mit Teuschnitz eine gute Lösung in Bezug auf die FWG geben werde.

Entrüstet ist Baumgärtner über den Vorstoß der Frauenliste, eine CSU-Personalentscheidung zu kritisieren. "Wenn ich Beratungsbedarf habe, dann lasse ich das die Frauenliste wissen", betonte er. Und er fügte an, dass den politischen Mitbewerberinnen eine Öffnung für Männer auch gut täte, um ihrerseits andere Blickwinkel in ihre Politik einfließen zu lassen.