"Bei uns in Prien am Chiemsee sind rund 60 Personen im Tourismusbereich beschäftigt und wir haben da einen Umsatz von 5,6 Millionen Euro. Wir sind im Landkreis Rosenheim die Nummer 1 und haben rund 2000 Arbeitsplätze im Gesundheitswesen und 1600 im Bereich Tourismus", sagte Bürgermeister Jürgen Seifert aus der Marktgemeinde am Chiemsee. Seifert stammt aus Wallenfels und kehrte zu seinen Wurzeln zurück, um bei einer CSU-Veranstaltung über Möglichkeiten im Tourismus zu sprechen und seine Erfahrungen weiterzugeben. "Tourismus mit Zukunft oder Fremdenverkehr in der Sackgasse", lautete das Thema des CSU-Ortsverbands Wallenfels im Rahmen einer Veranstaltungsreihe.

Bürgermeister Seifert meinte, die Situation von Prien am Chiemsee sei mit der Stadt Wallenfels und dem Oberen Rodachtal nicht vergleichbar, aber dennoch könne man einige Erfahrungen aus dem Raum Chiemsee im Rodachtal einbringen. So gehe der Trend immer mehr zu Kurzurlauben, weshalb man sich auf diese Gäste einstellen sollte. "Die Urlaube von zweimal zwei Wochen im Jahr gehören der Vergangenheit an", sagte Seifert. Erfolg sei planbar. Man müsse manchmal auch mal in die Vergangenheit blicken und sich auf die Wurzeln besinnen, sagte der Gast. Netzwerke und Kooperationen seien dabei gerade für kleinere Kommunen sehr wichtig. Der Obmann des Frankenwaldvereins Wallenfels, Jürgen Schlee, ging auf die Bemühungen seines Verbands ein. "Wir haben versucht, uns einzubringen und bestimmte Zielgruppen zu erreichen", sagte Schlee. Er sehe gerade in Wallenfels die Verbindung vom Flößen mit dem Wandern als Alleinstellungsmerkmal, das ausbaufähig sei. Er meinte: "Der Tourismus steckt momentan in der Sackgasse, hat aber die Chance, mit etwas Mut da herauszukommen".

Der Vorsitzende der Flößergemeinschaft, Andreas Buckreus, war von den jüngsten Vorkommnissen in Sachen Flößen sehr enttäuscht, weil es mit der Genehmigung so lange dauert. "Es ist leider so, dass wir den größten Gegner in der eigenen Gemeinde haben", sagte Buckreus.

Flößerei ist zweites Standbein

Frank Fröhmel als Gastronom meinte, dass man die Flößerei anfangs etwas unterschätzt habe. Mittlerweile sei dieses Klientel mit den Wanderern zum zweiten Standbein geworden. Seitens der Gastronomie habe man sich der Nachfrage angepasst und könne mit regionalen Produkten punkten.

Auf ein gemeinsames Bündeln der Kräfte im Tourismusverband Oberes Rodachtal wies deren Vorsitzende Apollonia Meisel hin. Sie kritisierte, dass man Priem mit einem Tourismusetat von 5,6 Millionen Euro nicht mit dem Oberen Rodachtal (Gesamtetat 30 000 Euro) vergleichen könne. Sie bemängelte, dass die Vermarktung der Flößerei nach wie vor in den Händen der Stadt liege, obwohl man einen gemeinsamen Tourismusverband habe. Einen Verbesserungsbedarf sah sie auch in der Gastronomie.

Drei Dinger beherzigen

Stadtrat Bernd Stöcker (CSU) bemängelte fehlende größere Unterkünfte, etwa für Busreisende. Zweiter Bürgermeister Jens Korn (CSU), der die Veranstaltung moderierte, meinte: "Wir können den Tourismus in Wallenfels und damit auch im Rodachtal nur dann wieder in Schwung bringen, wenn wir drei Dinge beherzigen: Wir brauchen mehr Innovation, das heißt, wir müssen unsere Angebote erneuern und damit auch qualitativ verbessern. Er forderte mehr Kooperationen. Hier sei gerade eine Zusammenarbeit mit anderen Flößerorten wie dem Flößermuseum in Unterrodach notwendig und biete gute Chancen. Als drittes nannte er eine stärkere Rückbesinnung auf die Tradition. "Mit der Flößerei steht uns ein einmaliges Erbe zur Verfügung, dass wir nach außen hin noch stärker zur Schärfung unseres Profils nutzen müssen", so Korn. Er war auch zuversichtlich, dass, obwohl bisher keine Genehmigung für die kommende Floßsaison vorliege, in wenigen Wochen mit dem Flößen begonnen werden könne. Eingangs wies CSU-Ortsvorsitzender Erich Mähringer auf die Potenziale im touristischen Bereich hin, die auch genutzt werden müssten.