Regionalmanager Willi Fehn war überrascht und hoch erfreut: Mit so vielen Rückmeldungen bei der Fragebogenaktion hatte er nicht gerechnet. Für ihn ein Zeichen, dass den Landkreisbürgern die Themen Mobilität und Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) sehr wichtig sind.

Durch das Projekt soll der Lebensraum Kronach deutlich an Attraktivität gewinnen. Das Regionalmanagement des Landkreises plant das Konzept und setzt es in Zusammenarbeit mit dem Verkehrssachgebiet um.

An 36 000 Haushalte wurden die Fragebogen zum Mobilitätskonzept verteilt, fast 11 000 Bögen kamen ausgefüllt zurück. Auf die Zahl der Landkreisbürger umgerechnet, bedeutet das einen Rücklauf von über 14 Prozent. Die Mehrpersonenhaushalte, die einem Mitglied den "Auftrag" zum Ausfüllen übertrugen sowie die Kinder, die ja keinen Bogen ausfüllen konnten, eingerechnet, ist die Rücklaufquote noch deutlich höher anzusetzen.

Da muss man schmunzeln

Einige Mitarbeiter des Landratsamts sind seit Wochen damit beschäftigt, die Antworten der Bürger in aussagefähige Excel-Tabellen einfließen zu lassen. Eine mitunter eintönige Arbeit. Manchmal jedoch müssen die Auswerter schmunzeln: Wenn, beispielsweise, ein Rentner den häufigsten Ort, zu dem er unterwegs ist, mit "Garten" benannt, und beim Verkehrsmittel "zu Fuß" geschrieben hat. Dafür braucht er keinen Öffentlichen Personennahverkehr und auch kein Mobilitätskonzept. Diese und weitere solche Antworten zeigen Willi Fehn und den anderen Auswertern jedoch, mit welcher Akribie sich die Bürger an der Fragebogenaktion beteiligen.

Michaela Morhard, die das Mobilitätskonzept betreut, hat zudem 300 Unternehmen mit mehr als fünf Beschäftigten angesprochen und nachgefragt, wie die Mitarbeiter zur Firma und wieder heim kommen. Von 150 erhielt sie eine Antwort. Auch bei den Schulen wurde um Auskunft gebeten, wie die jungen Leute zur Bildungseinrichtung und zurück kommen. Damit das ÖPNV-Konzept mit dem in den umliegenden Landkreisen - auch in Thüringen - verzahnt werden kann, wurden auch diese angesprochen. Ein Beispiel: die Linie Kronach-Burggrub-Sonneberg.


Wirtschaftlich tragfähig

"Wir wollen den Bürgern eine flexible und bedarfsgerechte Mobilität anbieten", formulierte Willi Fehn die Prämisse. Das bisherige Nahverkehrskonzept datiere aus den Jahren 1995/96 und müsse wegen der demographischen Entwicklung sowie anderer Veränderungen umgekrempelt werden. Um den Bürgern eine passgenaue Mobilität anbieten zu können, brauche man eine verlässliche Datengrundlage. Dazu diene die Haushaltsbefragung.

Fehn war froh darüber, dass auch viele Leute, die (noch) nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, die Fragebogen ausgefüllt hatten. Das sei ein Zeichen für die Gewissenhaftigkeit. Schließlich wolle man auch Anregungen für den Freizeit- und den Nachtverkehr erhalten.

Anhand der Bestandsaufnahme könne man sehen, welche Bewegungen im Landkreis gewünscht würden, sprich, wann wollen die Bürger an welchen Ort und wieder zurück? "Dann setzen wir das Ganze um und entwickeln die optimalen Bedienformen", zeigte Willi Fehn den weiteren Weg auf.

Letzteres aber nur in Zusammenarbeit mit den Verkehrsunternehmen, denn ein solches Konzept müsse auch wirtschaftlich tragfähig sein. Fehn war da ganz zuversichtlich, denn mit Omnibusverkehr Franken habe man seit Jahren einen zuverlässigen Partner. Die weiteren Schritte nach der Ist-Analyse umsetzen soll eine Lenkungsgruppe, an der sich Politik, Verkehrsunternehmen und Verwaltung beteiligen können.

Stellvertretender Landrat Gerhard Wunder (CSU) war zuversichtlich, dass der Öffentliche Personennahverkehr mehr benutzt würde wenn er attraktiver wäre. Das Mobilitätskonzept solle dazu dienen, Veränderungen im ÖPNV durchzuführen. Dabei sollten die Wünsche der Bürger, aber auch der Auszubildenden und Schüler, berücksichtigt werden.