Der junge John Lidfors, als Sohn amerikanischer Eltern in Deutschland aufgewachsen, hat in Wien studiert und als Geiger unter anderem im Bayerischen Landesjugendorchester unter namhaften Dirigenten gespielt. Er dirigiert Chöre und Orchester, hat zum Beispiel in der Metropolregion Nürnberg ein professionelles Kammerorchester gegründet. Dieser junge Mann also sollte in die Fußstapfen treten, die Burkhart Schürmann in zwölf Jahren Kronacher-Klassik-Akademie geformt hat - keine einfache Aufgabe.

Um es vorweg zu sagen: John Lidfors war zu keiner Zeit gefährdet, sich etwa in diesen Spuren zu verlieren. Mit seiner unaufgeregten, klaren Dirigierweise war er stets in der Lage, sich gemeinsam mit seinen Musikern auf dem vorgezeichneten Weg weiter fortzubewegen, ja sogar große Höhen zu erklimmen. Hatte er sich doch ein Programm vorgenommen, das aus etlichen Hügeln und Bergen, Wäldern und Feldern, sanften Niederungen und durchaus auch unwegsamerem Gelände bestand.

Im Programm war die Richtung "Böhmerwald" vorgegeben, ein wenig überraschend vielleicht beim ersten Komponisten: Carl Maria von Weber ist derjenige, der die erste romantische deutsche Oper geschrieben hat. Aber die spielt im Böhmerwald und so war, abgeteilt durch Webers Fagottkonzert F-Dur, die Brücke zum Hauptwerk - Antonín Dvoráks Sinfonie Nr. 8 in G-Dur - hergestellt.

Durch informative, kurze, gut verständliche Einführungen und ein kleines Interview mit dem Solisten wurden die Stücke dem Publikum schmackhaft gemacht.


Wirkung des Fagotts

Webers Freischütz-Ouvertüre, die Handlung klingt hier bereits in allen Facetten musikalisch auf, ist ein grandioses Stück Musik, das auch ohne die nachfolgende Oper allein für sich bestens bestehen kann. Wenn man den Inhalt kennt, sind die Nöte des Jägers Max, der sich mit finsteren Mächten verbündet, um in der Wolfsschlucht Freikugeln zu gießen, durch die er Agathes Hand ganz sicher zu erringen sucht, ebenso zu vernehmen wie Agathes Lieblichkeit und Gottvertrauen und das letztlich gute Ende.

Und auch die böhmische Landschaft meldet sich zu Wort. Webers Konzert F-Dur op. 75 bot dem Solisten Markus Werner - der mit dem Fagott sein zweitliebstes Instrument spielte - alle Möglichkeiten, sein Instrument zur Geltung zu bringen. Vor dem Fagott steht nur noch das tiefe Kontrafagott.

Schalk und Witz des Fagotts kamen in den drei Sätzen in raschen Läufen und springenden Passagen ebenso gut zur Geltung wie die lyrische Seite in getragenen, schön gezeichneten Linien. Das Publikum erklatschte sich von Markus Werner - hauptberuflich übrigens Arzt, aber auch Fagottlehrer und Kirchenmusiker - noch eine Zugabe.
Mit einer Solo-Gigue aus der Feder des 1944 geborenen Kanadier Bill Douglas - ganz in barocker Manier gehalten - präsentierte er nochmals seinen elegant-zurückhaltenden Fagott-Ton.


Musik erzählt Geschichte

Das Hauptwerk des Konzerts stand nach der Pause an: Dvoráks 8. Sinfonie - quasi eine Sinfonie aus der "Alten Welt". Erstmals wandte Dvorák das Mittel an, Musik eine Geschichte erzählen zu lassen.

"Der rote Faden", sagt Lidfors, "ist die böhmische Natur: ihre Schönheiten, ihre Tänze und lauten Feste mit echten böhmischen Musikanten." All dies war zu vernehmen im komplizierten und für alle technisch herausfordernden Gewoge der vier sinfonischen Sätze. Das rund 80 Musiker - darunter etliche im Alter unter 16 Jahren - zählende Orchester in opulenter Streicher- und Blech- und Holzbläserbesetzung schwang sich unter Lidfors stets sicherem und einzig auf das Orchester bedachtem Dirigat zu großen Höhen auf, setzte Akzente im Piano und ließ es bei Forteausbrüchen krachen. Kurz und schmerzlos wurde der Schlussakkord hingesetzt. Zu Recht belohnte langer Beifall Orchester und Dirigent.