Genau wie an den vergangenen 18 Fronleichnamfesten wird Peter Hänel von "seinen weißen Maala" zuhause abgeholt. Genau wie in all den Jahren begleitet von der Ehrenkompanie der Soldatenkameradschaft Wallenfels und dem Musikverein. Und genau wie jedes Jahr freut sich Peter Hänel über diese Tradition.
Doch diesmal ist alles anders. Es ist nicht Fronleichnam und es geht auch nicht zur Kirche. Der Zug bewegt sich zur Bergschneidmühle. Die Soldatenkameradschaft hat dem scheidenden Stadtoberhaupt zum Abschied den "großen Zapfenstreich" angetragen, den Peter Hänel mit Freude annahm. Noch nie hat ein scheidender Bürgermeister diese Ehre erhalten, ja in der Nachkriegsgeschichte der Stadt fand der große Zapfenstreich erst fünf Mal statt - aus anderen Anlässen.

Angeführt von Hauptmann Christopher Zeuß zieht die 100 Mann starke Ehrenkompanie mit dem Musikverein Wallenfels, der Fahne der Soldatenkameradschaft und der Kreis- und Bezirksstandarte durch die Straßen der Stadt Wallenfels. Begleitet werden sie von den Fackelträgern der Feuerwehren aus Schnaid und Geuser sowie den jungen Trommlern. Die "weißen Maala" geleiten Peter Hänel inmitten des imposanten Zuges zum Platz der Bergschneidmühle. Mit dem "Yorkschen Marsch" wird aufmarschiert und Stellung bezogen. Anschließend findet die Meldung an die zu ehrende Persönlichkeit Peter Hänel statt. Das Abschreiten der Front aller angetretenen Kompaniesoldaten ist Ehrensache für ihn. Der Musikverein spielt bei der Serenade Hänels Lieblingslieder: Den Wallenfelser Marsch, den Coburger Marsch und natürlich "Eingerahmt von Bergeshöhen - das Wallenfelser Lied".

Nach der Serenade gibt Hauptmann Christopher Zeuß die Kommandos zum "großen Zapfenstreich". "Helm ab zum Gebet" - der Hauptmann forderte zum musikalischen Gebet auf, dem nach dem "Helm auf" die Präsentation der Gewehre folgt. Haltung und Disziplin sind gefragt bei der Deutschen Nationalhymne, anschließend folgen die Abmeldung und der Ausmarsch.

Einen sichtlich bewegten Peter Hänel und seine Familie in der Mitte, führt der Zug zum Kulturzentrum, wo ein Festakt folgt. Mitgetragen wird die Ehrenurkunde, die die Soldatenkameradschaft "ihrem" Peter Hänel überreicht hat. Ein großes "Danke" ziert sie.

Treu gedient habe Peter Hänel "seiner Stadt" und "seinen Bürgern", sagte der neue Bürgermeister Jens Korn über seinen Vorgänger. Erst in den 19 Jahren als Geschäftsleiter und dann 18 Jahre als Bürgermeister.
Offen für Neues und die Einsicht, dass Stillstand Rückschritt bedeutet - so habe er all die Jahre gearbeitet. Zahlreiche kleine und große Projekte habe Peter Hänel auf den Weg gebracht. Viele werden immer mit seinem Namen verknüpft sein und bleiben.

"Du warst in all den Jahren nicht einer Verwaltungseinheit, nicht der Summe der Straßenkilometer oder Kanalrohre und nicht den Satzungen und Verordnungen treu, sondern den Menschen, die hier leben und auch heute hier versammelt sind. Ihnen hast du die Treue gehalten und sie waren der Antrieb für dich, mehr zu tun, als es eigentlich deine Pflicht war", stellte Jens Korn heraus.

Als "Fremder" 1977 in die Stadt gekommen, habe Peter Hänel die Traditionen angenommen und stets dafür gekämpft, dass sie bewahrt werden. Gerade deshalb sagten die Soldatenkameradschaft, die Trommler und der Musikverein mit dem "großen Zapfenstreich" ein herzliches Vergelt`s Gott - nicht nur an den Bürgermeister sondern vielmehr an den Menschen Peter Hänel, der ein ganzes Stück Geschichte in Wallenfels mit geprägt hat.
Dass Peter Hänel mit seinen Vereinen und Gruppierungen in der Stadt und in den Stadtteilen stets verbunden war, machte Jürgen Schlee allen bewusst. In 30 Vereinen ist Peter Hänel Mitglied aus Überzeugung und setzt sich gerade für den Erhalt von Wallenfelser Brauchtum ein. "Ich erinnere hier an die Kirchweih, die kurz vor dem Aus stand", sagte der Vertreter der Vereine. Die Gründung des Tennisvereins im Jahr 1982 ist unvergessen, Hänel ist dort Ehrenvorsitzender. Aus dem Oberländer sei ein echter Wallenfelser geworden.

Kreis- und Bezirksvorsitzender des BKV Gottfried Betz und Vertreter der Partnergemeinde Bingham bei Nottingham in England zollten Peter Hänel in Worten ihre Anerkennung und ihren Dank. Inbrünstig wurde das "Wallenfelser Lied" gesungen, begleitet vom Musikverein Wallenfels. Eine Überraschung hatte der Ministrantenchor für Hänel parat. Nach dem Lied "All das wünsch ich dir" sangen sie das Lied "Halleluja" von Leonhard Cohen, das er sich gewünscht hatte. Und im Namen der "weißen Maala" das Lied "Die Rose".

Als größte Ehrerbietung stellte Peter Hänel das Zeremoniell des großen Zapfenstreiches dar. Emotionale Momente und Erinnerungen - all das werde er in seinem Herzen bewahren. "Die Traditionen geben Haltegriffe, sie strukturieren unser Leben und schaffen eine Identität, die uns von anderen unterscheidet und auf die wir stolz sein können", meinte Hänel. Und: "Vereine sind das Rückgrat, Traditionen die Seele eines Ortes."

Peter Hänel ließ in seiner Rede auch sein Wirken Revue passieren. Da gab es nicht so schöne Ereignisse, wie den Einsturz der Kirchenmauer 1981 oder den Rathausbrand 1994. Aber es gab auch zahlreiche Highlights, unter anderem den Bau der Ortsumgehung von 2001 bis 2004 oder das Bildungszentrum.

Doch nicht nur die großen Dinge seien wichtig. Besondere Freude habe es dem scheidenden Bürgermeister gemacht, wenn große und kleine Projekte in Zusammenarbeit mit Bürgern oder Vereinen mit der Stadt realisiert werden konnten.

Besonders verbunden war und ist Peter Hänel auch mit den vier Bürgermeistern aus dem Oberen Rodachtal, Gerhard Wunder, Josef Daum und Norbert Gräbner. "Vielen Dank für die schönen Jahre und wenn ihr jemand zum Schafkopfen braucht, meldet euch", gab er ihnen mit auf den Weg.

Doch ein großes Anliegen war Peter Hänel bei der Verabschiedung der Dank an seine Familie. Seine Frau Gisela und die beiden Töchter Nina und Simone mussten oft auf ihren Mann und Vater verzichten. An seinen Nachfolger Jens Korn gerichtet, sagte er: "Ich übergebe dir unsere Heimatstadt mit ihrer unvergleichlichen Bürgerschaft. Ich weiß, sie ist bei dir gut aufgehoben. Du wirst nicht in meine Fußstapfen treten, du wirst neue Wege gehen, ja gehen müssen."

Und letztlich schloss er mit den Worten: "Ich habe mein Herzblut gegeben für diese Stadt und ihre Bürger. Nun ist es Zeit, abzutreten. Gott schütze unser Wallenfels."Mit Tränen der Rührung in den Augen und Standing Ovations von den Gästen im Kulturzentrum fand der Festakt sein Ende.