Den Bahnhofsbereich der Kreisstadt sollte ein 22-Jähriger in Zukunft meiden, denn der bringt ihm nur Probleme mit der Justiz. Am Donnerstag wurde er zu einer einjährigen Freiheitsstrafe - ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung - verurteilt, obwohl er seit vier Jahren in immer kürzeren Intervallen vor Gericht vorstellig werden muss. Letzte Mahnung also von Richter Hendrik Wich, der dem jungen Mann auch noch 60 Stunden gemeinnützige Arbeit auferlegte und einen Bewährungshelfer zur Seite stellte.

Immer wieder geht es um die gleichen Delikte: Körperverletzung und Diebstahl. So auch diesmal: Ende Oktober vergangenen Jahres hatte der Angeklagte versucht, abends Automaten aufzubrechen: einen für Süßigkeiten im Bahnhof, einen für Zigaretten in der Bahnhofsstraße. Mit von der Partie war ein Kumpel, dem er ebenfalls nicht mehr über den Weg laufen sollte, weil der nur Schnapsideen im Kopf hat. Wegen ihres dilettantischen Vorgehens scheiterten beide kläglich.


Was wollten sie mit dem gestohlenen Hammer?

Mehr Erfolg hatten sie wenig später, als sie aus einer Scheune einen Schlosserhammer im Wert von zehn Euro stahlen. Was sie denn damit anfangen wollten, wollte Richter Wich wissen. Die Wohnung renovieren oder die widerspenstigen Süßigkeiten- bzw. Zigarettenautomaten bearbeiten? Dazu kam es nicht, weil ein Bekannter der beiden gescheiterten Automatenknacker, der sie kurz vor den Taten traf, die Polizei einschaltete. Aus war's damit mit dem nächtlichen Beutezug durch Kronach.

Der zweite Vorwurf von Staatsanwalt Michael Koch wog schwerer: gefährliche Körperverletzung. Das lief so ab: Der 22-Jährige stand auf der Bahnhofstreppe, also dem Ort, den er künftig besser nicht aufsuchen sollte, und rauchte eine Zigarette mit Kräutermischung. Ein 16-Jähriger und eine gleich alte junge Dame kamen vorbei und wollten eine Zigarette schnorren. Der 22-Jährige ließ sie an der Kräutermischung teilhaben. Mit fataler Wirkung! Beide Jugendliche kollabierten, fielen in Ohnmacht, mussten in die Klinik gebracht werden. Dabei hatten sie den Angeklagten vor dem Genuss der Zigarette gefragt, ob "da was drin" sei, denn sie kannten den 22-Jährigen als Drogenkonsumenten.


Mit Fußfesseln ins Gericht

Letzterer muss nun versuchen, sein Leben in den Griff zu kriegen, denn er ist arbeitslos und berufslos, lebt in den Tag hinein, erhält keine staatlichen Leistungen, sondern ab und zu ein bisschen Geld von Oma und Vater. Diese beiden sowie die neue Freundin des 22-Jährigen waren bei der Gerichtsverhandlung dabei, wollen ihm dabei helfen, endlich auf die Beine und den rechten Weg zu kommen. Den kann er nun ohne Fußfesseln, mit denen er in den Sitzungssaal gebracht wurde, beschreiten. Zur vor Monaten angesetzten Verhandlung war der junge Mann nämlich nicht erschienen. Deshalb durfte er die vergangenen Wochen in der Justizvollzugsanstalt auf den Prozess warten, denn es erging ein Sitzungshaftbefehl, damit die Zeugen nicht wieder vergeblich angereist waren.