Auf den Flyern des Swing Reloaded Programms scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Dort steht geschrieben, dass Hugo Strasser wieder mit von der Partie sein werde: "Der alte Hugo zählt dann 94 Lenze und ist einer der letzten Zeitzeugen der Swing Ära."
Doch das Konzert am Samstagabend erlebte der bekannte Musiker nicht mehr. "Eigentlich war es geplant, dass wir heute mit Hugo Strasser auf der Bühne stehen, aber jetzt wird es ein Konzert in Erinnerung an ihn", berichtet Marco Plitzner des Blue Moon Orchestra mit einem weinenden, aber auch mit einem lachenden Auge: "Wie hat er immer so schön gesagt, die Show muss weitergehen." Lachend vor allem deshalb, weil Traurigkeit sicher nicht in dessen Sinne gewesen sei: "Er hätte sich eine lustige Show gewünscht und das versuchen wir."


Von Ellington bis Miller

Und das gelang den Musikern von Anfang an. Die Musiker des Blue Moon Orchestra zauberten dem Publikum nach der traurigen Nachricht mit "Blende auf" von Werner Müller ein begeistertes Lächeln ins Gesicht. Die Big Band präsentierte Swingmusik der 30er und 40er Jahre von Duke Ellington bis hin zu Glen Miller. Eine kleine Zeitreise durch die verschiedenen Epochen des Jazz, die sich mit Solosängerinnen und Sängern zu einer großen Bühnenshow entpuppte. Als weitere Gäste bereicherte "Alberts Jazz Band" den Konzertabend. Junge Jazzer und zugleich Schüler von Marco Plitzner vom Musischen Gymnasium Albertinum in Coburg durften am Samstagabend zum ersten Mal Bühnenluft schnuppern und ihr Können im Rampenlicht unter Beweis stellen.


Insgesamt 30 Stücke

Weil jede Show des Blue Moon Orchestras seine eigene Geschichte hat, spielten sie vor allem Stücke, die Hugo Strasser sicher gefallen hätten und erinnerten mit kleinen Anekdoten an die Bedeutsamkeit des Musikers für ihre Bigband. 30 Bühnenauftritte durfte das Blue Moon Orchestra zusammen mit Hugo Strasser erleben und insgesamt 30 Stücke präsentierte die Big Band am Samstagabend ihren Gästen. Es wurde mitgewippt, geklatscht, geschnipst und sich vor allem über die Slapstick-Einlage der beiden Publikumslieblinge Laurel und Hardy prächtig amüsiert. Besonders nach der Pause überraschte das Blue Moon Orchestra in neuer Garderobe. Im Retrolook der 30er Jahre swingten sich die Musiker in die Herzen des Publikums und sorgten schließlich für großen Applaus und Zugabe.
Als Botschafter für das Kinderhospiz St. Nikolaus im Allgäu veranstalte das Blue Moon Orchestra am Samstagnachmittag zusätzlich ein kleines Kinderkonzert. Marlies Breher vom Kinderhospiz St. Nikolaus bedankte sich am Ende des Konzertabends für die aktive Zusammenarbeit und erinnerte sich gleichzeitig an die Zeit, als Hugo Strasser noch mit auf der Bühne stand: "Er war heute Abend hier, wir haben es alle gemerkt."