Am Wochenende fanden in allen europäischen Bergbaurevieren zu Ehren der Schutzpatronin der Bergleute Barbarafeiern statt. Auch in Stockheim wurde das Gedenken an die heilige Barbara - verbunden mit einer Mettenschicht - zu einem eindrucksvollen Traditionsbekenntnis. Als heilige Barbara stellte sich erstmals die 13-jährige Antonia Renk vor. Zum Auftakt segnete Pfarrer Hans-Michael Dinkel die restaurierte Glocke in der Lampenstube.
Anschließend marschierten die Knappen in ihrem schmucken Bergmannskleid zu den Klängen der Bergmannskapelle unter der Stabführung von Albrecht Renk mit den Ehrengästen, den örtlichen Vereinsabordnungen im Lichterschein von Lampen und Fackeln vom Gelände der Katharinazeche zu abendlicher Stunde in das Gotteshaus St. Wolfgang. Und es gab spontanen Beifall im Bereich der bergmännischen Weihnacht. Mit dabei waren auch Abordnungen aus Reichenbach, Goldkronach und Issigau. Ebenfalls zeigten die Trachtenvereine aus Neukenroth und Haig Präsenz.
Die Gesangsgruppe des Volkstrachtenvereins "Zechgemeinschaft" Neukenroth unter der Leitung von Alexander Fröba sowie Organist Michael Lutz umrahmten eindrucksvoll den außerordentlich gut besuchten Gottesdienst, der für alle zu einem Erlebnis wurde.
Pfarrer Hans-Michael Dinkel erinnerte im Beisein von Diakon Wolfgang Fehn an die harte, gefahrvolle Arbeit der ehemaligen Bergleute. Die heilige Barbara habe ihr tapferes Bekenntnis zum Christentum in Kleinasien vor 1700 Jahren mit ihrem frühen Tod bezahlt. Der Geistliche spannte dazu einen Bogen zur heutigen Situation, denn die Konflikte seien in vielen Bereichen programmiert. "Die Legende zeigt uns einen möglichen Weg auf, wie wir diesen Konflikten begegnen können. Viele Antworten, die das Leben an uns heranträgt, liegen in den Tiefen in uns selbst als Schätze verborgen, bereit, gehoben und ans Tageslicht gebracht zu werden." Man könne stolz sein, so Vorsitzender Heiko Eisenbeiß im Saal der "Alten Zeche", dass auch 48 Jahre nach Schließung der Katharinagrube das bergmännische Brauchtum von der Bevölkerung noch sehr intensiv mitgetragen werde. Bürgermeister Rainer Detsch würdigte die Bemühungen von Knappenverein und Bergmannskapelle sowie vom Förderverein Bergbaugeschichte, die bergmännische Tradition am Leben zu erhalten.


Restaurierte Glocke wurde gesegnet


Einst war es ein guter Brauch, dass vor Schichtbeginn im Stockheimer Bergbaurevier im ehemaligen Schachthaus eine Glocke geläutet und ein Gebet von den Knappen gesprochen wurde. Schließlich war die Arbeit unter Tag - zuletzt in über 300 Meter Tiefe - mit vielerlei Gefahren verbunden. Die Bilanz ist erschreckend: Der Berg forderte an die 100 Todesopfer.


Im Glockenturm

Ein neues Zuhause fand dann nach dem Zweiten Weltkrieg die Glocke im Glockenturm der Lampenstube, unter anderem auch als Pförtnerhäuschen bekannt. Vor allem dient dieses Gebäude bis heute dem Knappenverein als Domizil. Dem Knappenvorsitzenden Heiko Eisenbeiß war es deshalb ein besonderes Bedürfnis, die alte Bergmannsglocke von 1920 restaurieren zu lassen. Fachmännisch übernahm diese Arbeit Michael Rebhan.


"Verbindung zum Glauben"

Die Segnung nahm im Beisein von Bürgermeister Rainer Detsch zum Auftakt der eindrucksvollen Bergparade Pfarrer Hans-Michael Dinkel vor. Schließlich stelle die Glocke eine Verbindung zum Glauben dar und weise darauf hin, dass man auf den Schutz Gottes angewiesen sei. Vor allem sei die Glocke Ruferin und Künderin der frohen Botschaft, so der Geistliche. Der 94 Jahre alte Bergmann Otto Remmert setzte - wie in alter Zeit - die Glocke zum Auftakt der Bergparade zu abendlicher Stunde in Gang. gf