Die Gemeinde Stockheim stand am Wochenende ganz im Zeichen ihres nun schon traditionellen Bergmannsfestes, das bei der Bevölkerung an beiden Tagen eine sehr große Resonanz fand. Diese geschichtsträchtige Veranstaltung erhielt heuer eine besondere Note durch die Einweihung des Steinkohlen-Geotops sowie des bergbaulichen Magazins, die Pfarrer Hans-Michael Dinkel im Beisein von Diakon Wolfgang Fehn vor einem großen Publikum vornahm. Gleichzeitig blickte der Förderverein Bergbaugeschichte Stockheim/Neuhaus mit einer Sonderausstellung auf seine Geschichte zurück.
Das Bergmannsfest mit Knappenverein, Bergmannskapelle und Förderverein "Bergbaugeschichte" gestaltete sich erneut zu einem eindrucksvollen Traditionsbekenntnis. Zu den Teilnehmern zählte an beiden Tagen auch eine Delegation der Arbeitsgruppe König-Ludwig im Förderverein bergbauhistorischer Stätten des Ruhrreviers aus Recklinghausen, die seit 2010 enge Kontakte mit Stockheim pflegen und die musealen Aktivitäten tatkräftig unterstützen.
Präsent waren neben den Vereinen aus Stockheim, Neukenroth, Haig und Haßlach vor allem auch die Knappen aus Issigau, Lehesten und Reichenbach.
Zum Auftakt erfolgte eine Führung auf dem Bergbau-Erlebnispfad Dachsbau durch Vorsitzenden Gregor Förtsch vom Förderverein. Viel Anklang fand an beiden Tage das bergbauliche Magazin im Bauhof mit Gerätschaften aus der Bergbau-Ära, liebevoll von Günther Scheler, Gerwin Eidloth und Gregor Förtsch zusammengestellt.


Beeindruckende Modelle

Besonders beeindruckten die unterschiedlichsten baulichen Modelle, die auf Initiative von Ortsheimatpfleger Gerd Fleischmann durch Hubert Busse, Joseph Rebhan, Günther Slansky, Günther Baum, Ralf Renk und Wilhelm Zehnter entstanden sind. Aber auch der nachgebaute 20 Meter lange Stollen mit Stempel und Kappe der Knappen stand für die Interessenten offen.
Am Samstagabend hatten dann im Festzelt, das die Angelfreunde Haßlachtal entgegenkommend zur Verfügung stellten, die schwäbische Trachtenkapelle Hirblingen, die seit fast vier Jahrzehnten einen engen Kontakt mit Stockheim pflegen, ihren großen Auftritt. Dirigent Georg Miller sorgte mit seinen 30 Musikanten für eine Bombenstimmung.
Das Bergmannsfest, so Bürgermeister Rainer Detsch, stelle einen weiteren Baustein zur Pflege der gemeinsamen Geschichte dar. Schließlich habe der Steinkohlenbergbau 400 Jahre Landschaft und Leute in der Großgemeinde Stockheim geprägt. Bereits im Jahre 1890 haben die Knappen aus Stockheim und Neuhaus bei solchen Veranstaltungen gemeinsam gefeiert. Dazu verlas der Bürgermeister einen Zeitungsartikel aus dem "Fränkischen Wald", aus dem die Bedeutung dieses einstigen harten Broterwerbs deutlich erkennbar wurde.


Bild überreicht

Für eine Überraschung sorgten der Bürgermeister sowie Rainer Engelhardt von der Interessengemeinschaft der Stockheimer Geschäftsleute. Sie überreichten das von ihnen gesponserte Bild der König-Ludwig-Zeche von 1880, kopiert von Harald Popig, an die drei Traditionsvereine für das bergbauliche Magazin. Das Original des bekannten Kronacher Malers Lorenz Kaim befindet sich in der Kronacher Festung.
Der Sonntag wurde eingeleitet mit einer Kirchenparade, wobei die Bergmannskapelle Stockheim voranschritt. Den Festgottesdienst bereicherte im Gotteshaus St. Wolfgang unter der Leitung von Thomas Detsch in eindrucksvoller Weise der Männergesangverein "Liederkranz" Haig. Neun Fahnen und Banner der Vereine aus der Großgemeinde schmückten die außerordentlich gut besuchte Kirche. Pfarrer Hans-Michael Dinkel erinnerte an die Glaubenstreue und Solidarität der Bergknappen im Haßlachtal. "Generationen von Bergleuten haben hier in Verbundenheit mit Gott gelebt."
Die anschließende imposante Bergparade mit den Knappen und Vereinen aus der Großgemeinde Stockheim führte zum Festplatz auf der Katharinazeche, wo dann die Bergmannskapelle unter der Leitung von Michael Botlik musizierte. Mit dem "Glückauf-Marsch" begrüßten die Musiker die zahlreichen Gäste. Zuvor wurden das Steinkohlenbiotop mit dem ausstreichenden Kohlenflöz sowie das bergmännische Magazin mit dem kirchlichen Segen von Pfarrer Dinkel ihrer Bestimmung übergeben.


Reinerlös geht an das Magazin

Bürgermeister Rainer Detsch würdigte die Freundschaft mit den Knappen aus Recklinghausen, die stets viel Engagement gezeigt hätten. Detsch stellte deutlich heraus, dass Stockheim dem Steinkohlenbergbau viel zu verdanken habe, denn ohne dieses Geschenk der Natur in den Tiefen der Erde gäbe es Stockheim in dieser Größe von heute nicht. "Der Bergbau ist ein prägendes Stück Heimat", betonte der Bürgermeister. "Wir sind stolz auf unsere Bergbaugeschichte und wir dürfen den Stolz auch zeigen", so das Gemeindeoberhaupt. Der Reinerlös des bergmännischen Festes kommt dem bergbaulichen Magazin zugute.


Förderverein Bergbaugeschichte blickt mit Schau zurück

Stockheim — Anlässlich des 9. Stockheimer Bergmannsfestes blickte der Förderverein Bergbaugeschichte Stockheim/Neuhaus auf sein zehnjähriges Bestehen zurück. In einer sehenswerten Dokumentation im bergmännischen Magazin wurden die beachtlichen Aktivitäten eindrucksvoll dokumentiert. Nach einer umfassenden Ausstellung über den 400-jährigen Steinkohlenbergbau im Stockheimer, Reitscher und Neuhäuser Revier, verbunden mit mehreren Vorträgen, in der Neukenrother Zecherhalle mit 2000 Besuchern kam im Jahre 2004 wenige Monate später eine Gründung zustande. Heute zählt diese Interessengemeinschaft 75 Mitglieder.
Laut Vorsitzendem Gregor Förtsch stehe der Förderverein im Dienste der Gemeinschaft. Vor allem wolle man die 400-jährige Bergbaugeschichte mit all ihren Höhen und Tiefen den Menschen in der Großgemeinde näher bringen. Hauptsächlich habe man mit der Konzeption und Verwirklichung des Bergmannsweges, des Bergbau-Erlebnispfades "Dachsbau" sowie des Qualitätswanderweges "Kohlenwald" den Naherholungswert deutlich gesteigert. Letztendlich sei der Stockheimer Steinkohlenbergbau bayernweit ein Alleinstellungsmerkmal, das man konsequent nutzen sollte. Als besondere Aktivitäten nannte Gregor Förtsch die bergmännische Weihnacht, die Einführung des Bergmannsfestes, die Verwirklichung des Steinkohlen-Geotops sowie die Realisierung des bergbaulichen Magazins. Schließlich habe man auch mit der bergmännischen Wallfahrt nach Vierzehnheiligen an das Grubenwunder von 1879 - zwölf Bergleute wurden nach einer Verschüttung in der Maxschachtgrube lebendig begraben und nach vier Tagen gerettet - gedacht.
Gregor Förtsch dankte allen Mitstreitern, Gönnern und Spendern, insbesondere Bürgermeister Rainer Detsch sowie der Gemeinde Stockheim für die tatkräftige Unterstützung. "Es lohnt sich, sich für diese großartige Bergbaugeschichte einzusetzen", so der Vorsitzende. Der Bergbau habe Tausende von Männern in guten wie in schlechten Zeiten Arbeit und Brot gebracht. Bürgermeister Rainer Detsch zeigte sich erfreut über die Fortschritte bei der Darstellung der Bergbaugeschichte in der Öffentlichkeit. Knappenverein, Bergmannskapelle sowie Förderverein Bergbaugeschichte hätten sich in guter Gemeinsamkeit eingebracht. Durch diese gemeinsame Initiative sei das bergbauliche Magazin entstanden, welches die Gemeinde nach besten Kräften unterstützt habe. Auch mit kleinen Schritten komme man ans Ziel, so Detsch, der den Förderverein als einen sehr aktiven Ideengeber bezeichnete. "Die bereits realisierten Bausteine treten den Beweis an, dass etwas bewegt werden kann - durch gutes Miteinander und Tatkraft - in einem überschaubaren finanziellen Rahmen."